570
Piso Pistocchi
hohem Wüchse und majestätischer Nestalt, kleidete sie in fit Rüstung der Minerva und kündigte an, daß die Göttin selbst den P. zurückführen werde. Auf einemp-'ächtigen Wagen zog er feierlich mit ihr in die Stadt em und wurde ohne Wider-stand sogleich wieder eingesetzt. Diese Thatlache wird von Herodot verbürgt, dersie jedoch lächerlich nennt. P. heirathete, wie er versprochen hatte, die Tochter desMgakleS, lebte aber, da er schon eine Familie hatte, nickt mit ihr als s. Gattin.Um diese Kränkung zu rächen, bildete MegakleS aufs Neue eine Gegenpartei, welchedem P. so furchtbar schien, daß er sich freiwillig nach Eretria begab. Hier beschäf-tigte er sich mit der Erziehung s. Söhne und den Mitteln, s. Herrschaft durch Ge-walt wiederzuerlangen. Endlich, im 11. Jahre dieser zweiten Verbannung, be-trat er Attika an der Spitze eines Heeres. V'ele Athenienser, die mit der Demo-kratiej unzufrieden waren und seiner frühern Wohlthaten gedachten, stießen zu ihm.Nachdem er die ihm entgegengesandten Truppen durch einen Überfall zerstreut hatte,zog er in die Stadt ein und bemächtigte sich zum dritten Male derObergewalt, undzwar ohne Blutvergießen. P. fuhr fort, mir s. vormaligen Milde zu herrschen;um aber die Volkspartei zu schwächen, ergriff er eine Maßregel, die für den Staatsehr nützlich war. Er zwang viele der müßigen Einw., die Stadt zu verlassen unddie umliegenden Gegenden anzubauen, welche dadurch mit Kornfeldern undOIiven-pflanzungen bedeckt wurden. Dadurch, daß er von Zedem den 10. Theil s. Ein-kommens und Erwerbs foderte, vermehrte er die Staatseinkünfte, welche er aufprachtvolle öffentliche Gebäude verwendete. Auch suchte er die Bildung der Athe-nienser zu befördern. Er legte eine öffentliche Bibliothek an; die Gesänge Homer'S wurden auf s. Veranstaltung gesammelt. Da er wol wußte, wie verhaßt die Ty-rannei sei, verbarg er sorgfältig s. Macht unter dem Äußern eines gewöhnlichenBürgers. Er unterwarf sich, wie jeder Andre, dem Ausspruche des Areopagus, vordem er eines Mordes angeklagt worden, und betrug sich überhaupt mit ebenso vielKlugheit als Milde. Auf diese Weise übte P. die Oberherrschaft, nicht als Unter-drücker, sondern als Vater seines Vaterlandes, welches kaum je einer längern Ruheund Wohlfahrt genoß. Er starb 527 v. Chr. und hinterließ als Erben s. Gewalt s.Söhne Hippias u. HipparchuS, welche sich jedoch nicht darin zu erhalten wußten.
Piso, ein Beiname, den mehre Römer aus dem calpurnischen Geschlechteführten. L. CalpurniuS P. besiegte als Consul die aufrührerischen SklavenaufSicilien und soll da« Gesetz üe liepeiuiilliz, über die Wiedererstattung er-preßter Gelder, eingeführt haben, um der Habsucht der obrigkeitl. Personen bei derVerwaltung der Provinzen Schranken zu setzen. Er zeichnete sich als Prätor inSie lien, wo ihm bei einem in Rom entstandenen Getreckcmangel der Einkauf be-deutender Vorrälhe übertragen worden war, durch eine seltene Uneigennützigkeit soaus, daß nian ihm deßhalb den ehrenvollen Beinamen Frugi (der Rechtschaffene,der Brave) gab. Ein andrer, späterer P. bekleidete zu Cicero'S Zeiten mit Ga-binius das Consulat, und bewies sich besonders feindselig gegen den großen Mann,der in einer Rede, die wir noch besitzen, äußerst heftig gegen ihn spricht. Noch spä-ter lebte der P., welcher unter Tiberius'S Regierung Präfect von Syrien war,sich durch s. Stolz auszeichnete, sowie durch s. gehässiges Betragen gegen den edelnGermaniens, den adoplirten Sohn des Tiberms, dessen frühen Tod durch Giftherbeigeführt zu haben ihm Schuld gegeben wird.
Pistocchi (Francesco Antonio), Singlehrer, geb. um 1660 zu Bologna ,erwarb sich in s. Jugend durch eine treffliche Sopranstimme allgemeine Bewunde-rung. Aber s. ausschweifende Lebensart raubte sie ihm. Er gerieth in die äußersteNoth und war gezwungen, bei einem Componisten als Notenschreiber in Dienstezu gehen. Hier fand er Gelegenheit, sich mit den Regeln der Composition bekanntzu machen. Nach einigen Zähren bekam er (.Stimme allmälig wieder, die jetztin einen angenehmen Contrealt überging. Er durchreiste Europa , bemerkte alle-