Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
599
JPEG-Download
 

L99

Platon

mmg, die P. angewiesen wird. Sein Gesuch um Entlassung wäre mithin wahr-scheinlich nicht sogleich genehmigt worden, hätte nicht ein hereinbrechender Krieg dieAufmerksamkeit mehr in Anspruch genommen; sie wird ihm gewährt unter derBedingung, daß er nach geschlossenem Frieden wieder zurückkehre. Froh kehrt ernach Athen zurück, wo er den ernten, trüben Dion mit milder Liebe fortbildet, undihm Aussöhnung zu bewirke» strebt. Es wird Friede, Und P, wird nun wiederan sein Versprechen erinnert; Dion aber bleibt zuvörderst noch auf ein Jahr ver-bannt. P. ist lange taub und unerbittlich gegen alle lockende Einladungen. SeinSträuben reizt des Tyrannen Ehrkihcl nur mehr, und als ei» Dreiruderer mit vicl-verft rechenden Briefen und überredungsrcichen Freunden ihn abzuholen erscheint,weicht er der Bestürmung, in der Hoffnung, mindestens für s. Freund zu wirken.Allein es ergeht Alles schlimmer als vorher. DionysiuS'S Vormundschaft überDion'S Sohn gibt den Borwand, dem Vater dieZinsens. Vermögens zurückzuhal-ten. Da dringt P. auf seineEntlassung. Sie zu verhüten, wird Dion'sVerweilen iinPeloponnes bewilligt, nur daß er sich seiner Feindseligkeiten enthalte; s. Zinsen sol-len dort oder zu Athen in die Hände eines vorzuschlagenden Mannes niedergelegtund nach einem Jahre ihm durch P. eingehändigt werden. P. willigt endlich ein;aber Wortbrüchigkeit, Aiirückhältung der Zinsenhälfte unter nichtigem Verwände,schärft s Unwillen und s. Verachtung, indeß die Gewalt immer weiter geht, Dion'SGüter verkauft, und endlich sogar des P. Leben bedroht. Nur Archytas'SFreundschaft täuscht den Tm armen mit dem Vorwande einer Staatsangelegenheit,die P.'s Rückkehr fodere, und erlistet Reisekosten und Entlassung. SLv landet derMeise in Elis, erzählt dort Dion, was sich zugetragen, und dieser beschließt, dentreubrüchige» Tyrannen in seinem und P.'ö Namen zu züchtigen. Aber P.,der alte» Freundschaft eingedenk, geht darauf nicht ein. Es darf nicht befremden,daß Beschränktheit und Neid auch P. verlästert, s. liebende Mittheilsamkeit gegendie Jugend Knabenliebe gescholten, ihn der Unmäßigkeit, der Eitelkeit, des Ehr-geizes, der Habsucht und des Ränkegeistes bezüchtigt haben: Beschuldigungen,welche That, Leben und die Achtung, die das Alterthum dem hohen Manne zollte,widerlegen. Er starb Ol. 108, 1 (318 v. Chr.), am 82. Geburtstage bei unver-lorener Rüstigkeit und Munterkeit des Geistes, mitten unter den Freuden einesHochzeitgelagcs sanft entschlummernd. Im Ceramikos, wo er begraben lag,sprach eine Inschrift sein Verdienst und seiner Zeitgenossen Liebe aus.

„Platon " (sagt Gothe in der „Farbenlehre", 2. Bd.) „verhält sich zu der Weltwie ei» ü-ligerGeiü, dem es beliebt, einige Zeit ausihr zu Herbergen. Es ist ihm nichtsowol darum zuthun, sie kennenzulernen, weilen sie schon vorausseht, alSihrDas-jenige, was ermitbringt und was ihr Noth thut, freundlich mitzutheilen. Er dringtin die Tiefen, mehr um sie mit seinem Wesen auszufüllen, als um sie zu erforschen.Er bewegt sich nach der Höhe, mit Sehnsucht, seines Ursprungs wieder theilbaftZu werden. Alles, was er äußert; bezieht sich auf ein ewig Gutes, Ganzes, Wah-res, Schönes, dessen Foderunger in federn Busen aufzuregen strebt. Was er sich imEinzelnen vorn irdischen Wissen zueignet, schmilzt, ja man kann sagen, verdampft inseine: Methode, in seinem Vortrage". Dagegen wird P. von einigen Neuern alsein zu kenntnißreicher, diesem seinem Kenntnißreichthum aber keineswegs gewachse-ner, und dabei durch zu frühes Schriftstellen Verbildeter angesehen. Dergl. Urtheilist nicht viel gründlicher als die eingewurzelte Meinung von seiner Schwärmereiund Svstenilosigkeit. Überhaupt schlägt sich unsere Zeit, wegen der Masse von Stoff,Zu doch an; und wer möchte mehr als lächeln, wenn er versichern hört, mannulpe doch dein Trefflichen um mancher guten Gedanken, scharfsinnigen Forschun-gen und bedeutsamer Winke willen Manches zu Gute halten, indem er seiner Phan-tasie gar zu sehr den Zügel schießen gelassen! Wärme schließt ja nicht unumgänglichdas Licht aus, da beide an sich schon nicht verschieden sind. Der Styl der Alten