Platonische Philosophie KOI
Ausbildung sonderte. Demgemäß erscheint nun auch in Griechenland die Philo-sophie in 3 Hauptschulen: der ionischen, der italischen und der attischen. Die ersterehatte die Natur, die zweite den Geist, die dritte das Aufgehen beider in einanderzum Gegenstand und Zweck. Nicht so zwar, daß einer dieser Factoren in den beidenerstem völlig und durchgängig ausgeschlossen, oder in der letztem die Lösung durch-aus gelungen wäre; sondern nur, daß einer von beiden Factoren der herrschendewar. Die ionische Schule (von 600—450 v. Chr.) nahm die Naturelemcnte mitinwendig bildender Kraft als Urquell an. Die italische, zu Krotona gestiftete, oderpythagoräische Schule (von 540—328 v.Cbr.) achtete Gott und Materie als ewig,aus ihrem Ineinanderwirken entstehe die Welt in Harmonie, deren Ausdruck dieZahl sei. Ein Zweig von ihr ist ^ie eleatische (von 536 — 456 v. Cbr.), welcheTenopyanes aus Kolophon stiftete, der dadurch, daß er 'Alles auf Verstand durchConstruction baute, sich mehr nach der idealen speculativen Seite neigte. Parme-nideS setzte ein Werden und eine Welt des Scheins getrennt vorn Sein. Denn, wieSchleiermacher sehr treffend sagt, bewegten die Ioniker auch das Unbewegliche, unddie Eleatiker brachten das Unaufhaltsame in Ruhe. Nichlseiendes und Seiendeswaren also ihre Gegenstände. So war die eleatische Schule Mutter der Dialektik»und Sinn und Geist in ihr getrennt und auseinandergehalten. Hiermit war denSophisten die Kahn gebrochen, in welchen sich der frevle Übermuth der SpeculationauSsprach. Denn sie bildeten die Beweis- und DiSputirkunst aus, um damit dasJa und Nein jeder Idee nach Belieben zu behaupten, worein sie den Triumph ihrerKunst sehten. Gegen diese zunächst, aber auch zugleich als Mitglied der vorher-gegangenen, erhobsichdie attische Schule durch SokrateS,anS welcher durchAristippdie(eudämouistische) cyrenaische, durchEuklideS, Phädon undMenedemos die (dia-lektische, eristische) megarische, elische und erelrische, durch Antisthencs die cynische,als mehr oder minder polare oder relative Seiten, endlich durch Platon die akade-mische hervorgingen. Übersieht man diese gesummten Schulen, so bietet sich in ih-nen das Bild einer mehr oder minder entschiedenen Neigung nach dem Phvsischenoder Ethischen, und innerhalb dieser Neigung wieder selbst ein Schwanken zwischenAndacht und Reflexion dar. Nur allmälig und mehr oder minder gedämpft däm-merte durch beide das Ewige hindurch. Überall, indem ein Einzelnes einseitig be-arbeitet und nur im Verhältnisse zu einem andern Einzelnen, aber noch nicht zumGanzen geschaut winde, waren nur Abnungen und Vorbereitungen. War schonin der ionischen Schule in Heraklit 'ü Weltansicht das Geistige als Bewegung »achoben und unten durchgebrochen, so trat eS in der pythagorsschen zuerst in der ur-sprünglich orientalischen Elementarzahlenphilosophie, dann in der eleatischen durchdasZienophanische All und das Parmenidische unkörperlche Sei» entschiedener auf,in beiden letzter» schon sehr speculativ und von den Sophisten ganz unfromm vollendsausgebildet. Sokrates hob mit heiligerm Sinne das Praktische hervor, ließ aberdagegen das Erkennen wieder mehr fallen. Erst in Platon sammekteki sich wie ineinem Brennpunkte diese Strahlen; denn dies waren sie in Bezug auf seine Denk-art, und dies ;eigt auch schon seine Behandlung Dessen, was er den Worte» nachvon ihnen aufnahm, indem er es kritisch und polemisch sich selbst bewegen und aus-sprechen, hiermit aber seine Nähe und Ferne von Andern bestimmen ließ. So tratbei ihm manches Frühere, manche alte Formel wieder auf, aber in einer llmkeutungund Umbildung, ja in einer Umgebung und Ideenreibe, worin es früher nichtheimisch war. Kenner dürfen nuran (.Polemik g^genHeraklit, Protagoras , Ari-stipp, Antisthenes, ja selbst den von ihm so sehr geach'eten Paimenides erinnertwerden; sodaß jene hier widerlegte Ansicht nur auf der Ohnmacht beruht, ein Gan-zes, wie derGeisteines gebildetenMenschen ist, in seinem Leben und Organismusaufzufassen und anzuschauen. Fügt man noch Dies hinzu, daß jene Begeisterungund Glut für das Seiende, welche ihn und seine Darstellung beseelt, noch als einÜberbleibsel des Orientalismus erscheint, so ist hiermit seine Berührung auch über