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Platonische Philosophie
umherrast und Angst leidet, bis sie wieder Erinnerung des schönen empfangendfrohlockt. Dieser Zustand heißt bei den Menschen Liebe. Jeder nun erwählt sichnach der Art des Gottes, dein er gefolgt, und nach seiner Gemüthsart eine Liebezu einem schönen, und bildet ihn aus und leitet ihn zu desselben Gottes Lebensweiseund Gemüthsart, indem er selbst ihn nachahmt. So ist nun jede Seele dreifachzertheilt, in 2 roßgestaltige Theile, und drittens in den dem Führer ähnlichen.Das eine Roß ist gut und schön, das andre rauh und wild; das erste hält sich inder Liebe schamhaft zurück, das zweite sprengt mit Gewalt vorwärts an denLiebling. Der durch den Anblick zum Wesen der Schönheit durch Erinnerunghingetragene Führer, sie mit der Besonnenheit auf heiligem Boden erblickend,fürchtet sich und ziebt gewaltig die Zügel rückwärts. Das gute Roß schwitzt,das böse schmäht Führer und Epanngenoß der Feigheit, bis es, endlich auchgebändigt, des Führers Überlegung folgt und beim Anblick des Schönen vonFurcht übermannt wird. Daher des Liebhabers Seele endlich verschämt und schüch-tern dem Lieblinge nachgeht, dessen Liebreiz sich allmälig ergießt, und in der Seeledie dem Gefieder bestimmten AuSgänge befruchtet. Daß er nun wie in einemSpiegel in dem Liebenden sich selbst beschaut, weiß er nicht. Aber er wünscht ihnzu sehen, zu berühren und zu umarmen. Da nun fodert das unbändige Roß fürdie vielen Mühseligkeiten einen kleinen Genuß; das des Lieblings wäre wol geneigt.Aber der Spanngenoß und sein Führer sträuben sich mit Scham und Vernunft.Wknn nun die bessern Theile der Seele, welche zu einem wohlgeordneten Leben undzur Liebe der Weisheit Hinleiten, den Sieg erlangen, so führe» sie schon hier einseliges und einträchtiges Leben, indem das Schlechte in der Seele beherrscht, dasVortreffliche befreit wird. (Zn diesem Streben zu dem Höher» und Reinen be-steht die platonische Liebe.) Sterben sie aber, so haben sie, fast schon be-fiedert und leicht geworden, von den 3 wahrhaft olpmpischen Kämpfgängen schonin Einem gesiegt, über welches Gut ein noch größeres weder menschliche Besonnen-heit dem Menschen verschaffen kann, noch göttlicher Wahnsinn. Die Vertrau-lichkeit aber mit dem Nichtliebenden, welche durch sterbliche Besonnenheit verdünntauch nur Sterbliches und Sparsames austheilt, erzeugt in der geliebten Seele jenetwn der Menge als Tugend gelobte Gemeinheit, und wird ihr Ursache, 9000 Jahretheils ausdrr Erde sich herummtreibcn, theils vernunfiloS unter der Erde. — Wiedieser MvthiiS übet'P.'S Technik, die Hauptuntersuchung zu überkleiden, umdadurch zu eigner Idecnerzeugung undAuffindung desRätbselwortS zuleiten, Auf-schluß gibt, und den aufmerksamen Hörer gleichsam in die Urzdit des gottmensch-lichen GeiileS'zurückspielcnd, das Wesen der Idee, als Ungekrenmheit des Seinsund Denkens, Darstellen? und Erkennens, und zugleich die Entwickelung undSonderling aus einem dunkeln Grunde, aus dem heiligstillen Abgrunde der nochgebundenen Einheit, vorbildet: also umfaßt sein Inhalt die Grundlehre P.'S: dieursprüngliche Anschauung und Rückerinnerung. „Diese Anschauung geht auf daswahrhaft Seiende, Ewige, Unveränderliche, welchem gegenübersteht die allgemeineund für das gemeine Denken und Sein auch ursprüngliche des Werdenden, ewigFließenden und Veränderlichen. Jenes Seiende nun in diesem Werdenden ergriffen,als das Wahre und Gute darzustellen, und so den scheinbaren Gegensatz jener An-schauungen durch Vorrufen vor das Bewußtsein aufzulösen, ist ihm höchste Auf-gabe der Wissenschaft. Diöse Vereinigung aber zerfällt immer in 2 Momente,auf deren verschiedener Beziehling auf einander die Verschiedenheit der Methodeberuht. Don der Anschauung des Seienden ausgehend in der Darstellung bis zumAufzeigen des Scheins fortzuschreiten, »nd so erst mit der Lösung des Gegensatzeszugleich dessen Bewußtsein aufzuregen und zu erklären, das ist die in Beziehungauf die Wissenschaft unmittelbare VersahrungSart. Don dem Bewußtsein aber desGegensatzes, als einem Gegebenen, ausgehend zu jener Anschauung, als dem Aus-lösungsmittel desselben, fortzuschreiten, und eben durch die Nothwendigkeit eines