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Platonische Philosophie
solchen Mittels auf sie Einzuleiten, das ist die Weise, welche wir die mittelbarenennen, und welche von P. in die Mitte ist gestellt worden als das wahre Bin-dungs- und Bildungsmittel zwischen der ursprünglichen Anschauung, mit weicher-er elementarisch anhebt, und der consiructiven Darstellung, mtt welcher er systematischendigt. Wie sich nun in diesem Gegensatze für die Phpsik das Wahre und derSchein oder die Wahrnehmung gegen einander verhalte», so für die Ethik dasGuie und die Lust, oder die Empfindung" (Schleiermacher'S „Plan", ll. 1, 7 fg.).Diese Gegensätze nun als lediglich beziehbare und in der intellektuellen Einheit derIdee tilgbare verfolgt P. nach beiden Seiten hin, auf den, Gebiete des Physischenwie des Ethischen, besonders aber auf letzten», wie es dem iLokratikcr gebührte,unter den vielfachen Formen, in welchen sie darauf vorkommen, je nachdem seineVorgänger sie begriffen als Sein und Werden, Seiendes und Nichtseiendes, alsFließendes und Beharrliches, Vieles und Eines, Bewegung und Ruhe, Sterb-,licheS und Unsterbliches, Wahres und Wahrnehmbares, Gute? und Böses, Lustund Unlust rc. Indem er aber dies mit der gewandtesten, scharfsinnigsten Dialektikund allen Waffen der urbansten Polemik und feinsten Ironie, al? Hinführung aufdas Bekenntniß des Nichtwiffens und als Anreiz zur Erkenntniß ihut, gewinnt erdurch Gleichung derForm und des Inhalt? jene großeDreiheit im Lebe» dargestellterIdeen: den Dialektiker, den Staatsmann, und die Einheit beider, den Philo-sophen. Den ersten nämlich, indem er die empirischen Kunstgriffe der sophistischenVolksredner und Volksführer um niedriger Zwecke willen vielmehr alsAnregungs-kunst zum Wahren, Guten und Schönen hinausläutert; den zweiten, indem erdas Reich des Wahren und Gute» als auch wirklich im gemeinen Leben ausgeprägtund walkend darstellt; den dritten, inwiefern er aufstellt „das Leben und die Er-scheinung der Weisheit im sterblichen Leben des erscheinenden Menschen, in welchemsie selbst das Sterbliche angezogen hat, und der Zeit unterworfen als ein Werden-des und sich Verbreitendes sich offenbart, sodaß auch das Leben des Philosophennicht ein Ruhen in der Weisheit, sondern ein Streben ist, sie festzuhalten und anjedem erregbaren Punkte anknüpfend der ganzen Zeit lind dem ganzen Raume ein-zubilden, auf daß eine Unsterblichkeit werde im Sterblichen. Dies Bestreben istLiebe, das lebendige Bilden und Erregen Erzeugung, beide aber Eins, das geistigeErzeugen nur höhere Ldtufe Einer Thätigkeit, sowie auch natürliche Geburt ihmnur ein Wiederer,zeugen derselben ewigen Form und Idee ist, und also die Unsterb-lichkeit derselben im Sterblichen" (Schleiermacher'S „Plan", II. 2, 359).So endet er also da, wo er anfing. Offenbar wurzeln die beiden ersten Ideen inseiner Zeit und des großen öffentlichen Lebens mannigfaltigen Verzweigungen; nurdaß es hier seine? trüglichen, lügenhaften Scheines, den es in seiner forteilendenGestaltenentwickelung gewonnen, entkleidet und in die Einheit und Lauterkeit derIdee emporgehoben wurde. Mit der dritten schließt er sich dagegen mehr an dasChristenthum an. Allen aber liegt ein Seiende?, Unsterbliches, Ewiges zumGrunde, auf welches sie gleichsam aufgetragen sind, ein unabweisbarer Trieb undein ewig Reines. Nun liegen zwar diese Aufgaben und ihre Lösungen hier vielfachüieinanderverstochten und gleichsam eingewachsen, und mit überlegener Meister-schaft des besonnene» Künstlers beschwört er sie herauf und bannt sie wieder; aberwas in dem Gespräche PhädruS von jeder Rede gefodert wird, daß sie wie einlebendes Wesen gebaut sei und ihren eigenthümlichen Körper habe. sodaß sie wederohne Kopf sei noch ohne Füße, sondern eine Mitte habe und Enden, die gegeneinander und gegen das Ganze in einem schicklichen Verhältnisse gearbeitet seien, dasist an P.'s Lehre aufmerksamem Blicke gewiß durch alle anmuthige Windungenseiner Rede hindurch unverkennbar. Auf eine andre sehr gelehrte Weise ist derHauptinhalt der platonischen Lehre angegeben worden in Tiedemann'S „Lateinischenerklärenden Inhaltsanzeigen" (Zweibr. 1786) und Tennemann'S „System derplatonischen Philosophie" (Leipzig 1792 — 95, 4 Bde.); ferner in dem Buche