601
Platonische Philosophie
Staatsmacht und Philosophie in Eins zusammenfallen, die vielen Naturen aber derjetzt getrennt »ach einem von beiden Hingehenden nothwendig abgesondert wei ten:so ist kein Nachlaß der Übel snr die Staaten, ja ich glaube, auch nicht für das Men-schengeschlecht^. Dies folgt aus der zum Grunde liegenden Einheit des Denkens undSeins. Denn in dem Philosophen als der dritten Idee durchdringen sich Dialektikerund Staatsmann, und er ist in 2 besprächen unter dem Bilde des -Lokrateö dargestellt„in dem unermüdlichen Eifer derBetrachtung und in der freudigen Mittheilung, in derVerachtung der Gefahr und in derHeirschaftüberdieäufiernDinge, in derReinheitaller s. Verbindungen und in s. innern Göttlichkeit unter den: leichten und fröhlichenS chein, kurz in der vollendeten Tüchtigkeit des Leibes und der Seele und also des gan-zen Lebens" (Schleiermacher , II. 2, 358). Nimmt man nun dies Alles, wie eshier, mit Ausscheidung des Negativen, mehr oder minder Störenden, dargelegt ist,zusammen, so wird es nicht befremden, die platonische Philosophie, wie jede echt«und wahre, eine pantheistische nennen zu hören, in dem Sinne nämlich, daß sie dasEine im Einzelnen und Vielen, also Gott in Allem und Alles in Gott erkenne.Denn allerdings löscht sie alle Gegensätze, als das eigentlich Verneinende der Ideeaus in der Idee des Alls selbst, und wie m der Dichtkunst Himmel und Erde, Gött-liches und Menschliches, Vergängliches und Unvergängliches sich ineinandcrspie-.geln, obwol bewußtlos und in sicherm, unabweisbarem Triebe, also auch hier, nurhier mit Bewußtsein und Freiheit. Darum läßt sich auch die mühselig erörterteFrage von der Verselbstung oder Hypvstasirung der Ideen dahin beantworten, das,nicht dies die Meinung sei, als ob irgend eine Idee in einem Einzelnen und alsein unbedürftigesEmzelnes gleichsam sinnlich wahrnehmbar angeschaut werden solle,noch auch, ob sie jenseits der Erscheinung als ein hohles Gedankenbild liege, daßvielmehr (da jedes Einzelne nicht bloß in Beziehung und Gegensatz steht zu einemandern Einzelnen, sondern stets zum Ganzen) auch ihre Elemente in dem Ganzennach-- und abgebildet seien, anschaubar durch die Kraft und Tüchtigkeit göttliche»Geistes, welcher im Werden das Sei» und im Sein das Werden durch Erinne-rung zu ergreifen, vermöge höherer Begeisterung geeignet ist, daß also von einerImmanenz nnd gegenseitigem Ineinandergreifen die Rede sei.
Denn jene Einheit ist Beginn und Ende aller Philosophie und war auch beiP. in der genannten Drei gewissermaßen hppostasirt, obwol in jeden, einzelne»Gliede derselben anders und der Ergänzung durch die übrigen bedürftig. Ließe»wir aber bis hierher das Negative immer fallen, so müssen wir es hier als den Aus-druck des Vielen, und den Widerspruch gegen die Idee um so mehr wieder aufneh-men, da es auch für P.'s wissenschaftliche Mittheilung oder seinen philosophische»Styl äußerst wichtig und wesentlich ist, sowie es zugleich seine Geistesgewalt herr-lich offenbart. In dem Wesen der Idee nämlich, als eines in allem Wechsel undWandel unwandelbaren Seins, eines gegenseitigen Foderns von Vergeistigung undVerleiblichung (ihrer Geschichte) liegt, wenn dies von dem sondernden, trennendenVerstände aufgefaßt wird, allerdings gleich ursprünglich ein Widerspruch, aber eingöttlicher, in welchem allein das Leben ewig jugendlich kreiset. Aller Geist stiebtschauend, sein selbst zu genießen, und so sich zu ergreifen in seiner Einheit — ererzeugt sich und seht sich selbst entgegen, er ist Erzeuger und Erzeugtes. Aber dasErzeugte ist wieder nicht nur ein von ihm Abhängiges, sondern auch zugleich Etwasfür sich, somit aber ein Einzelnes, Bestimmtes, Begrenztes, nicht der ewige,unendliche Geist, als dessen Verneinung vielmehr es auftritt. Darum nun eilt dernie rastende Trieb, der Unangemessenheit und des unerreichten Urbildes wegen,von Bildung zu Bildung fort, in jeder mit göttlicher Selbstvernichtungslust unter-tauchend und sie alle in freier Bewegung spielen lassend. Dies nun ist das Viele,der ewiae Fluß der Dinge, welcher nichts Andres ist als das hohe Spiel des auf- u.untergehenden Geistes, dessen Ende ist die Rückkehr in den Anfang, Auf- oder Zu-rücknahme des Einzelnen, Vergänglichen in das Ganze, Unvergängliche, dem es