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Platonische Philosophie
sich mit keckem Iugendtrotz gleichzustellen vermaß, welcher Übermuth und Trotzaber nun gebüßt und zur wahren Demuth gesänftigt und geläutert wird. So nunsehen wir auch P. die Wissenschaft und die Trug-- und Scheiubilder, welche jeneselbst zu sein sich anmaßen, behandeln in dem göttlichen Triebe der Liebe, der Be-seeltheit von dem Einen, Einzigen, allein Wahren, Guten und Schönen-, welchezu schauen, zu erzeugen, aufzuregen und zu nähren einzig würdiges Geschäft ist. Da-her greift er, wie spielend und bewußtlos, d s Einzelne auf, spannt seine Ele-mente, zerfällt es immer mehr und mehr, setzt die Einzelheiten nach allen Seitenin einen Widerspruch mit sich selbst, der sie auseinandersprengen und auflösenmuß, und indem er schalkhaft das lösende Wort zurückhält, führt er nicht nur zuvölliger Verzweiflung an dem Einzelnen und Endlichen, sofern es wettkämpfen willmit dem Ewigen, und zum Geständniß des Nichtwissens, das sich ja nun als einsolches an sich selbst bewährt hat, sondern in hohem, unerschütterlichem Vertrauenauf des Geistes Ewigkeit, regt er ihn auch auf zum Nachbilden, Erzeugen, oderWiedererzeugen des Ewigen, zum Erinnern an Las schon und ursprünglich Ge-schaute. So ist seine Methode ein Nachbilden des geistigen Lebens, worin derGeist sich selbst auffaßt, als ein aus der Nacht des Alls, zum Behuf der Selbst-schauung, sich selbst Erzeugendes unter mannigfachen Bildern, an dieser Bilter-«rzeugung seine Bewegung und Kraft Prüfendes und Erfahrendes, und, indem erdie verfehlten mit göttlichem Zorn, oder auch mit erhabener Gleichgültigkeit zer-schlägt, in seine, d. i. des Alls «Listigkeit Zurückkehrendes. In dieser Art und Wesenliegt, wie-in einem Keime, jene noch unerreichte Trefflichkeit lind Meisterschaft,welche den göttlichen P. auszeichnet — jenes leichte und schnelle Anknüpfen derRede an den scheinbar unbedeutendsten Punkt, jenes Anschwellen, Aufbrechen undAusbilden desselben zu einer zauberisch verlockenden Gestalt, dann aber wieder dasschälkische Vernichten derselben, das geringschätzige oft mit jugendlich übermüthi-gem Darstellungsdrang vollzogene Abspringen zu andern, welche wieder fallen ge-lassen werden, um, über sie hineilend, das früher Weggeworfene wieder aufzu-nehmen und zu erhöhen, — jenes kindliche gemüthliche Verweilen auf dem minderWesentlichen, und das scheue, leise Anrühren des Wesentlichen, das schon ausjenem in Lichtfunken aufglühte, hierin muß jeder Einsichtige die tiefe, der ewigenNatur des Geistes treue Bildung des P. und die Einheit der Form und des Inhaltsin seines Geistes Ausstrahlungen innig liebend bewundern. Ebenso beurkundetüberall den selbst das Kleinste beseelenden Meister sein großes mimisches Talent,kraft dessen er jeder Person und jedem Umstände ein individuelles Gepräge aufzu-drücken versteht. Daß ihm hier seine frühere Beschäftigung mit dramatischerDichtkunst wol als Vorübung gedient haben mag, wer wollte das bei dem so au-genscheinlichen Organismus seines Geistes bezweifeln? Aber daß er darum, gleich-sam aus bequemer Verwöhnung, seine Werke dialogisch abgefaßt habe, ist, da obigetiefere und wesentlichere Gründe vorhanden sind, eine nicht besonders würdigeMeinung, indem sie den tief absichtlich schaffenden und besonnen walkendenKünstler zum beschränkten und in bleibendem Naturzwange befangenen Handwer-ker herabsetzt.
Eine Naturwissenschaft, inwiefern sie expcrimentirend in der Breite der Weltverkehrt, in P. zu suchen, möchte vergebliche Mühe sein. Nachdem jenes mythischeund magische Einverständniß des Menschen mit der Natur, wovon oben die Redewar, verschwunden, ngr noch in schwachen Anklängen durch Geister wie die derionischen Schule und Pythagoras hinzog, nachdem die Elemente der Erkenntnißimmer mehr getrennt waren, und einerseits innere Anschauung zu Reflexion sichverengte und verkümmerte, andrerseits äußere gesunde und tüchtige Anschauung zuideenloser Dersuchlust und nicht viel mehr als Flachenanschauung geworden war, sokonnte erst die Idee einer Physik im uralten Sinne wieder allmälig emporkommen.P. schloß sich durch die Kraft und Gewandtheit der Speculätion an die durch die