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Plattdeutsch
»inen großen Theil von Deutschland herrschte und letzt „och in den meisten Land-schaften Nürddeiitschlands im Munde des Volks gekört wird. Es üebt derselbendie härtere oberdeutsche, in der südlichen Hälfte unsers Vaterlandes übliche Mund-art entgegen. Welche von beiden die ältere sei, ist schwer zu entscheiden. Wahr-scheinlich ist es, daß sich schon in den ältesten Zeiten, bald nach Einwanderung derersten asiatischen Völkerschaften in Deutschland , 2 Hauptmundarten b ldeten, eineweichere und eine härtere, indem der eine jener eingewanderten asiatischen Noma-denstämme nördlich, der andre südlich längs der Donau sich hinzog. Bald mochtesich auch hier der mächtige Einfluß des Klima, des Bodens und der Lebensart zei-gen. Die rauhern und waldigen Gebirge Lüddeutschlands und die kriegerische Ge-schäftigkeit längs der Donau erschufen eine schärfer- und härtertönende Spräche,während das flachere Land des Nordens mildere Litten und mit ihnen eine mildere,weichere Sprache hervorbrachte. Zu einer scharfbegrenzten, bleibenden Absonderungbeider Mundarten konnte es aber nicht kommen, solange die Völker unstät vonWohnsitz zu Wohnsitz herumirrten, und auch lange nachher noch mußte der Ver-kehr der Völkerschaften unter einander eine theilweise Mi'chung der Mundarten er-zeugen. Daher wir in den ältesten Überbleibseln unserer Sprache beide Haupt-Mundarten fortwährend in einander verschmolzen erblicken. Mit Gewißheit läßtsich die Zeit ihrer Trennung nicht ausmilteln. So viel bleibt indessen gewiß: beideMundarten waren lange mit einander vermischt und herrschten auch nach erfolgtenAbsonderung lange gemeinschaftlich neben einander fort, die härtere in dem stOl.Theile Deutschlands, in Östreich, Baiern, Franken , Lchwaben, am Ob rrhein,auch zum Theil in Obersachsen; die weichere im nördl. Deutschland , im N'edersächsischen, in Westfalen, am Nieterrheui und in ganz Belgien , sodaß die Grenz-linie zwischen beiden, wenn geographische Bestimmungen hier möafich sind, vom 'Rhein durch Hessen und Halberstadt längs d>'S Mains und der Saale bis zur Elbe und Havel sich hinzog. Für die lange und ausgebreitete Herrschaft der niederdeut-schen Mundart zeugt die Menge der abgeleiteten Lprachcn. von den»n die vornehm-sten sind: 1) die angelsächsische (englische); 2) die normannische; 3) die flämischeund niederländische, seit dem 13. Jahrh, die holländische genannt; 4) die isländl-sche; 5) die norwegische; 6) die schwedische und 1) die heutige medei sächsische.Daß aber dennoch die oberdeutsche Mundart schon früh zu einem arößern Ansehen gelangte, hatte seinen ( K und theils in der Nähe Italiens und Frankreichs , niü denendas südliche Deutschland zuerst in eine wohlthätige geistige Berührung kam, theilsin dem Umstände, daß gerade mit den schwäbischen Kaisern, und von ihnen begün-stigt, ein regeres Geistesleben in Deutschland erwachte. Jetzt, als die nietersäch-sische Sprache in der letzten Hälfte des 12. Jahrh., zur Zeit der holländ. Ansiede-lungen in Deutschland , durch die mit den verwandten Ansiedlern eingezogene belgi-sche Mundart sich bereichert hatte, erhob sich dieselbe im nördlichen Deutschland auch eine Zeit lang zur Schriftsprache, bis im 16. Jahrh, durch Luther'S Bi-belübersetzung das Hochdeutsche herrschend ward und seine Lchwester nichtnur aus Schriften, sondern allmälig auch aus Gerichtshöfen, Kirchen, Schulenund aus den Kreisen der Gebildeten verdrängte. Nur in einigen Gegenden, z. B.in Pommern, Westfalen , Mecklenburg ic., erhielt sich die letztere bis zuin Ansängedes 11. Jahrh, in Schrislin geistlichen und weltlichen Inhalts. Als Volkssprachedagegen finden wir sie noch jetzt, obwol in verschiedenen Mundarten, durch ganzNiederdeutschland verbreitet. Sie hat in neuerer Zeit viele Freunde gefunden, diesich ihrer, der Verbannten, gegen die hochdeutsche Sprechartangenommen haben.Schon Letbnitz drang darauf, sie zur Erklärung, Bereicherung und Verbesserungdes Hochdeutschen zu benutzen, und I. H. Voß versuchte es, sie, „die neben derHochdeutschen, als sanftere Schwester, sortzublühen verdient hatte", durch mehr-tröstliche plattdeutsche Gedichte zur Lchnstsprache wieder zu erheben. Wenn auch
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