Band 
Achter Band. O bis Q.
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631
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Poet Poetik L31

fische Literatur.) Die deutsche Poesie, welche mit der nord's-en Poesidsehr verwachsin ist und ihren eignen epischen Cvklus bat, blühte mehrmals unterden verschiedensten Tendenzen; am schönsten aber dann, wo sie von der Nach-ahmung der Fremden frei war. Auch hat ste die poetischen Formen aller Völker insich aufgenommen. (S. Deutsche Poesie.) Der Ursprung der englischen und schottischen Poeste verliert sich wie der der deutschen in die ferm Barden-zeit; sie wurde verfeinert durch die nordfranzösische Poesie. Die Blüche der neuenengl. Poesie aber. welche sich durch gedankenvollen kühnen Ernst und Hu nor aus-zeichnet, fallt in die glänzende Zeit der Königin Elisabeth (s. Englische Litera-tur und Poesie), obgleich Ehaucer der Vater der neuern engl. Poesie genanntwird. Die skandinavische Poesie (vorzugsweise nordische genannt) zeigt dasRit-terthum in eigenthümlicher, durch den nordischen Charakter gefärbter Gestalt seitdein 13. Jahrh., wo das deutsche Heldenbuch in Norwegen eingeführt, und fremdeSagen mit einheimischen verschmolzen wurden; im 14. Jahrh, trat auch hier dirMeistersangerei an dieWtelle dieserSagenpoeste. (L2. Dänische und schwedi-sche Sprache und Literatur.) Dieses sind die wichtigsten Volker, welchein dem (Gebiete der Poesie sich ausgezeichnet Hoden. Die Geschichte der Poesie wirdimmer vollständiger und klarer werden, wenn sie auch die Spuren der Poesie bei dennicht-europäischcn, z.B. am rikanischen, Völkerschaften aufnimmt, die reichen Ent-deckungen über die indische, p -rsische, arabische und türkische Poesie benutzt und ver-arbeitet, sowie auch die Poesie derjenigen Völker, deren Dichtkunst nur flüchtig odernicht eigenthümlich geblüht hat (die russische, polnische, ungarische und böhmischePoesie), an ihren Stamm anschließt. Eine besondere Geschichte der Poesie über-haupt und in dem angegebenen Sinn und Umfang ist noch nicht vorhanden. Hart-wann's „"Versuch einer allgem. Geschichte der Poesie von den ältesten Zeiten an"(Lpz. 1791 —98, 2 Bde.) ist unvollendet geblieben. - l'.

P o e t, g e k r ö n t e r, p<,eln I-»ire-aii,,. hieß ehemals ein feierlich mit einemLorberkranze gekrönter Dichter. Die Sitte, Dichter zu bekränzen, herrschte schonbei den Griechen und fand in den musischen Wettkämpsen statt. Von da kam sie züden Römern; der Kaiser Do.uilian krönte bei den von ihm eingeführten kapitolini-schen Spielen mit eigner Hand Dichter und Redner. Seit dem 13. Jahrh, wurdediese Sitte in Italien erneuert. Die feierlichste Krönung war die des Petrarca ls. d,). Auch die deutschen Kaiser ernannten gekrönte Dichter, z.B. Konr. CelteS (s. d.); von ihnen erhielten die Pfalzzrafen das Recht, Dichter zu krönen. Jetzt wirddiese Sitte nur noch von einigen Universitäten ausgeübt, ohne daß eine sonderlicheAuszeichnung damit verbunden ist. S. des'Abr du Rosnel Abhandl. über diesenGegenstand in den ckv l'Äo<><-8 i-ollv, lellien", Ist. Bd.

Poetik, die Theorie der Poesie, ist eineskheils ein Zweig der angewandtenÄsthetik, a.'derntheils ein Zweig der praktischen Sprachwissenschaften. Ersteresinsofern das Princip der schönen Kunst auf Poesie angewendet, und die Dichtkunstsowol nach ihrem Wesen und Begriff, Materie und Form, als nach ihrem Um-fang, oder nach den allgemeinen Claffen, welche wir Dichtungsarten nennen,ästhetisch betrachtet wird; Letzteres, insofern sie Theorie des poetischen Styls undeigentliche Technik der Poesie ist, wozu auch die Metrik und die Theorie des Reimesgehört. Sie ist eine der am frühesten ausgebildeten Theorien, ja die Ästhetik hatsich aus ihr erst allmälig entwickelt, indem der menschliche» Entwickelung gemäßdie Betrachtung des Schöne» von einem besondern Kiinstschöneu (dem Poetischen)zur wissenschaftlichen Entwickelung der reinen Idee des Schönen aufsteigen mußte((.Ästhetik), und keine Kunst dem Menschen näher lag und gleichsam angeborenwar als die, welche Gedanken durch die Sprache in anschaulicher Vollendung dar-stellt. Letzteres ist auch der Grund, warum sie in den Lehrbüchern der Ästhetik aus-führlicher entwickelt und zu größerer Vollendung gebracht worden ist, als bisher