Polarität 63?
den sich offenbar auf die Polarität der chemischen Elemente (Stoffe, Grundstoffe),oder vielmehr, sie sind nichts Andres als das polare Verhalten der chemischenStoffe, d. h. als deren Spannung oder Wechselwirkung; nur diejenigen Stoffesind (chemisch) verwandt und ziehen sich an, welche einander polar entgegengesetztsind oder einen Plus- und Minuspol bilden. Der chemische Hauptgegensatzz.B. ist Säure und Alkali (Lauge), beide Stoffe sind chemische Verwandte (chemi-sche Pole), sie ziehen sich daher an und bilden in Vereinigung nur gegenseitigeAusgleichung ihrer Eigenschaften, ein neutrales Product, ein Salz. Wer dieVolta'sche Säu'e kennt, der weiß, daß die Meiallplatten der Säule sich polar zueinander verhalten, daß von einem positiven Zink - und negativen Silberpo! dieRede ist, sowie von der Zersetzung des Wassers durch den Galvanismus der Säule,wobei das Wasser in 2 entgegengesetzte Pole oder polare Stoffe, nämlich Sauer-stoff und Wasserstoff, in Gasform auöeinandertrikt. Alle (physische) Elemente ver-halten steh polar zu einander und stehen daher mit einander in Wechselwirkung; sovorzüglich Luft und Erde. Das Wasser hat, als neutrales Element, eine doppeltePolarität, indem eS einerseits mit der Luft, andrerseits niit der Erde in polaremVerhältniß und daher in Wechselwirkung steht. Daher der Streit der Elemente,dessen Folgen sich am meisten in dem Wechsel der atmosphärischen Veränderungenoffenbaren. Auch ist jedes Element in sich selbst polar, und daher zersetzbar in polarentgegengesetzte Grundstoffe, wie z. B. die Lust in Sauerstoff- und Stickstoffgas.Ferner ist der organische Bau der Pflanzen und Thiere, folglich auch das Leben,ganz auf polare Verhältnisse gegründet. Hiervon nur einige Beispiele aus der Ein-richtung des Hähern thierischen oder auch menschlichen Organismus. Man weiß,daß die Adern in Arterien und Venen eingetheilt werden. Arterien und Venen bil-den einen Gegensatz im Adcrsystem und ebenso das Arterien» und Venenblut. DasArterienbluc ist oxydirt (durch das Athmen mit Sauerstoff aus der Luft verbunden),das Venenblut dagegen desoxydier (enisauerstofft). Beide Blutarten verhalten sichdaher polar zueinander, und dieses ist der Hauptgrund von der Bewegung und demKreisläufe des BlutS , nicht die Bewegung des Herzens, was hier nicht näher erör-tert werden kann. Auch die verschiedenen Systeme des thierischen Organismus ver-halten sich polar zu einander, vorzüglich aber das Nerven - und Muskelsystem, undda der Nerv der höhere Pol ist, so wird der Muskel durch den Nerven polarisirt;doch beide Enden des Muskels erhalten durch die E nwirkung des Nerven entge-gengesetzte Pole, und indem daher die Enden sich einander nähern, wird der Mus-kel zusammengezogen (verkürzt); es entsteht auf diese Art die Bewegung der Glie-ter und aller Theile des Leibes. Auch die Polarität der beiden Geschlechter, worinder Mann den Hähern, positiven (stärker»), das Weib den negativen (schwächer»)Pol darstellt, ist nun längst anerkannt; ja man hak, mit Recht, das Verhältnißoder den Gegensatz der Geschlechter als ein allgemeines, durch das Weltganze (Uni-versum) greifendes Naturgesetz betrachtet, und wie unläugbar das gegenseitige Ver-hältniß der Geschlechter ein PolarirätSverhälmiß ist, so kann man, umgekehrt, allePolarität als ein GeschlechtSverhaltniß betrachten, wobei überall, in jeder Sphärevon Kräften, der positive Pol das männliche, der negative das weibliche Geschiehdarstellt. Da nun der Geist des Menschen (in weiterer Bedeutung) vo-.ber (innern)Natur nichts wese,ir'ich Verschiedenes, da er selbst eine höhere ideale Natur, oderdie Natur in ihrer höchsten Ephäre ist, so herrscht auch im Psychischen die Pola-rität als allgemeines Gesetz wie im Phvsischeii. Der Hauptgegensth ist hier derzwischen Geist (Intelligenz, freier, selbstbewußter Geist) und Gemüth (als Anlagezur Intelligenz), daher auch der doppelte Gegensatz einerseits zwischen Wissenschaftund Religion., andrerseits zwischen Kunst und Wissenschaft. Alles Lebe» ist einWechselspiel polarer Kräfte, alles Bilden und Werden ist ein Kampfzwischen Lichtund Finsterniß, worin dem Licht, als dem höher« Pol, der endliche Sieg beschieden