Band 
Achter Band. O bis Q.
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Polnische Literatur

1188 sichtbarer (s. Bentkowski, „f'lber dir ältesten Druckschriften Polens", War-schau 1812; Bandtke'S „beschichte der kiakauer Buchdruckereien").') Letztere er-schien eben zur günstigsten Zeit; denn kurz darauf begann endlich unter der glückli-chen Regierung der beiden -Ltiegmunde (1507 — 72) die eigentliche Nationallitera-tnr, welche in unglaublich kurzer Aeit z>, einer beträchtlichen Höhe stieg. Aumfreien Umschwünge der bedanken trug Luther'S Reformation nicht wenig bei, welchestillschweigende Begünstigung der Regierung und so viel Anhänger erhielt, daßselbst die kühnsten theologischen Skeptiker, die Socinianer, hier eine Freistättefanden. Unter der kräftigen Regierung des Sleph. Batbory (1576 — 86) er-schlaffe die literai ische Thätigkeit nicht, und unter den folgenden Regenten wirktewenigstens der Krongroßfcltherr Ioh.Zamoyski durch Stiftungen und eignes Bei-spiel. Aber er war der letzte thätige Beförderer der Nationalbildung, dem alleines zu danken ist, daß sie unter der schwachen Regierung des schwed. Siegmundsund unter dem nachtheiligen Einflüsse der eifer- und herrschsüchtigen Jesuiten aufDenk - und Preßfreiheit nicht erlag. Wenn sie von jetzt an sich nicht höher erhob,so lag die Schuld an den unglücklichen Schicksalen des durch wilden Parleigeist zer-rütteten Landes, das, hin und her geschleudert, nicht selten in s. Nationalität ge-fäh' d^t wurde. Auch unter der Regierung der sächs. Regenten erwachte für litera»rische Bildung keine bessere Zeit; aber desto schöner blühete sie unter des hochgebil-deten t^tanislausPoniatowSki weiser Herrschaft wieder auf und gelangte währenddi ser kür die wissenschaftliche Bildung der Nation glücklichen Aeit zu einer solchenFestigkeit, daß auch die nachherigen Stürme, in deren Laufe Polen aus der Reiheder Staaten vertilgt wurde, sie nicht zu unterdrücken vermochten. Es ist bei derpoln. Literatur nicht der reine Gewinn für die Wissenschaft, nach welchem nian siewürdigm darf, obwol sie manches auch in dieser Hinsicht treffliche Werk erzeugthat; das höchste Interesse verleiht derselbe» ihr rein nationaler Werth, dessen dieLiteratur weniger Völker sich in diesem Grade zu erfreuen hat. In keiner Periodevermißt man, so sehr auch die Geschichte Polens von ausländ. Usurpationen erfülltist, den eigenthümlichen, ungebundenen, kühn aufstrebenden Geist des nie rasten-den Volks; rasch schritt die Literatur stets mit dem Leben fort und drehte sich meistnur um die Punkte, welche in den Verhältnissen deS-LtaatS von, höchsten Interessesind. Daher der fast gänzliche Mangel an Philosophen und Mathematikern (dieAstronomen KopernicuS, den man den Polen nicht absprechen darf, und Pcczo»bui, Ioh. Sniadecki und die Phvsiker Rogalinski und Ios. Sdsinski ausgenom-Nien); daher aber auch von der andern Seite der Reichthum an Historikern des Lan-des und an erhabenen, bald der Ahnherren Thaten preisenden, bald über denjetzigen Zustand melancholisch-klagenden oder bitter-spottenden Dichtern. Bei die-ser edeln Leidenschaftlichkeit gelangen ihnen reine Schöpfungen der Phantasie weni»g r; doch eigneten sie sich glücklich die Erzeugnisse andrer Nationen an. So über-s-tzte der Exjesuit Ign.Nagurczewski die „Ilias", VirgÜ's Eklogen u. a. Ltchriftendes Alterthums; der treffliche Kritiker Franz Dmockowski in edler, fließenderSprache und leichtem Versbau die „Ilias" (Warschau 1860, 3 Bde.); eine andreÜbers. nebst der „Odyssee" u. der Übertragung tesO.uin.usCalaber von Prwbvlski),Pet. Kochanowski TassiLS „Jerusalem" (Krakau 1687 undBreslau 1825, besorgtvon Czaykowski, Pros. der poln. Lik. an der Universität Krakau), Krasicki, Ty-rnuniecki und Brodzinski denOssian, Job. Kochanowski und später Naruscewiczden Horaz, und ganz vorzüglich meisterhaft und völlig im Geiste des OriginalsLetzterer auch den Tacitus, Karpinski die „Gärten" des Delille. Als Historiker sindvorzüglich nmnenswerth: Slryikowski (lithauische Chronik, mit Benutzung treff-

*) Der älteste polnische Druck ist das Vaterunser l 175; das erste gedruckte Buchin polnischer Sprache ist von t522 (daS „Leben Jesu" von Bonaveulura, übers. fürdie Königin von Ungarn ).