Polyhpliiiria PoipklcluS 6^9
Polyhymnia oder Polymnia, nach der Vorstellung der spä-tern Dichter, die Muse des lyrischen Gesanges oder der Tonkunst, der auchdie Erfindung der Mimen und Pantomimen zugeschrieben wird. Die griech.Künstler stellten sie in einen Mantel gehüllt und nachdenkend dar. Ihre At-tribute sind die Lyra und das Plektrum. Sie legt den Zeigefinger der rechtenHand auf den Mund, oder trügt eine Bücherro^le.
P o l y k a r p u s, nach der Sage ein Schüler des Apostels Johannes, gilt füreinender frühesten Bischöfe von Smvrna. Die Legende erzählt: er habe, von einerfrommen Witwe, Calisto, die ein Engel gemahnt harte, ihn zu erkaufen, in denWerken der Barmherzigkeit nicht immer unterstützt, sich desto eifriger dem heiligenBerufe hingegeben, in derStadt der Üppigkeit unbescholtene Sitte und Entsagungzu lehren und durch sein Beispiel zu empfehlen. Durch solches Verdienst bemerk-,lieh, sei er von der Gemeinde zu Smyrna als Nachfolger des h. Bucolus zum Bi-schof erhoben worden, und habe endlich im I.169 unter Martern den christlichenGlauben vertheidigt. Zwar sei er, gewarnt, anfangs nach einem nahen Land-haus entwichen, dann aber verrathen, vor den Richter geschleppt, hinterlistig ge-prüft, aber immer redlich erfunden worden; anfangs habe ihn das Volk den wil-den Thieren bestimmt, dann die Richter dem Feuer. Da habe ihn, so erzähltdie Legende, die Flamme des Scheiterhaufens von allen Seiten kühlend um-laubt, wie ein geglühtes Segel sich um ihn legend, mit süßduftendem Anhauch.Darauf, als man seinen Körper so von den Flammen unberührt gesehen, ha-be ein Richter einem der Schergen befohlen, ihn mit einem Schwerte zudurchbohren. Da sei plötzlich eine weiße Taube aufgeflogen und von demausströmenden Blute des Scheiterhaufens Flamme verloschen. „Spotte nicht",schließt Herder, der diese Legende vortrefflich erzählt hat,
„des Bildes, das die Sage sicb mcbuhNur Einfalt, Unschuld gibt ini Tode Muth!"
So hatte christlicher Sinn den heidnischen Adler, der aus dem Katafalk der römnscheu Imperatoren die Kaiserseelen zu den verwandten Göttern emportrug, denGeier, der, nach dem spottenden Lucian, den wunderbaren Peregrinus Prokcus derErde entführte, in eine reine fleckenlose Taube verwandelt, und ein Wunder schondamals gesehen, das sich bei dem Märtyrertode der frommen Kämpfen» für ihrenGlauben, beim Scheiterhaufen des Mädchens von Drleans wiederholte. Dierömische Kirche feiert den 26. Januar zu PolykarpuS's Andenken.
P o l y k l e t n S (Polykleitos), aus Sicyon (um 136 v. Chr.), einer der be.rühuitesten griech. Bildner, war ein Schüler des Agelades und wetteiferte mitPhidias , doch so, daß er an Idealität und Kunstbegeisterung hinter diesem zurück-blieb; Architekt, wiedieser, aber als Bildner in Erz am glücklichsten. Seinerzar-ten Natur sich bewußt, sagt Böttiger in s. ..Andeutungen über die 'Archäologie",beschränkte er sich vorzüglich auf Eleganz und den ihr angemessensten Kreis dergymnastischen Ephebenfiguren schöner Knaben und Jünglinge und auf Frauen.P. schuf das Iünglingsideal. (Vgl. Bildhauerkunst und Bildner derAlten.) Er ging alle anziehende Stellungen der Knabengymnastik durch. Indem DoryphoruS soll er zugleich eine Miisterstatue, einen Kanon, haben aufstellenwollen; aber höchst wahrscheinlich war es eine Figur von reiferm Alter, in welcherer s. Kunstregel darstellte. (S. Winckelmann'S Werke,. 6. Bd.) Auch soll er eineignes Werk über die Proportionen geschrieben haben, worin er die Schönheit indem Ebenmaße des Gliederbaues und einer zierlichen Mittelstatur fand. Die Be-folgung s. Kanons gab seinen und seiner Nachfolger Werken eine gewisse, von eini-ge» Alten getadelte Übereinstimmung, deren Nachtheilen aber sein Genie entgegen-zuwirken wußte. In kolossaler Form (gleichsam als Gegenstück zu des PhidiasJupiter ) verfertigte er s. argivifche Juno, s. Narionalgöttin (denn sicyon gehört