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Polypen (liaturhistorisch)
einer eignen Zange, oder ebenfalls sehr fester Schlingen, womit man den Polyp sonahe an der Wurzel als möglich faßt, und ihn alsdann durch gelindes Drehen undZiehen nach verschiedenen Richtungen herauszubringen sucht. Die Blutung ist beimanchen Polypen sehr gering, bei andern aber außerordentlich stark. Wo sie garnicht gefaßt werden können, sucht man 3) durch Ätzmittel sie allmälig zu zerstören,oder doch so weit zu verkleinern, daß man mit den Instrumenten beikommen kann.
Polypen (naturhistorisch) bilden eine zahlreiche Gattung von den Pflan-zenthieren, d. h. solchen, die den Übergang vom Thier zu der Pflanze bilden, undgehören zu den Würmern. Genaue Kenntniß von diesen Naturwundern hat manerst seit etwa 85 Jahren, wo Trembley in Leyden 1744 seine classischen Memoirenüber sie herausgab. Das ungeübte Auge übersieht diese Thierchen nur gar zu leicht,da sie aus halbdurchsichtiger Gallerte bestehen und sich, gewaltsam berührt, in einunförmliches Klümpchen zusammenziehen. Man findet sie vom Anfange des war:men Frühlings an, den Sommer hindurch, in Teichen und sanft fließenden Wassern,an Wasserpflanzen, Schnecken u. dgl. sitzen. Wenn die Sonne recht warm scheint,und nian dann genau nachsieht, wird man hier oft kleine, durchsichtige, gallertartigeKügelchen von der Größe einer Erbse wahrnehmen. Es sind dann die Polypen ineinem ruhenden und anscheinend unbelebten Zustande. Allein sie können sich auchungemein ausdehnen, und da dies vom Körper wie von den K—10 Armen gilt, diesie haben, so erscheinen sie dann wie ei» mit Fangarmen versehener Magen. DieArme haschen das Insekt, das Würmchen, das ihnen zu nahe kommt, und bringenes in die Magenmündung, in den Magen unter dem Körper selbst, der durch die:selbe Mündung die unverdauten Reste wieder von sich stößt. Es gibt eine MengeArten dieser kleinen Thiere; die grüne, die braune und orangefarbene sind die be:kanutesten, und alle haben zum mindeste» 0, höchstens 12—13 Arme. Letztere sindmeist nicht länger als der Körper, doch haben sie manchmal die Länge von 1 undmanchmal von 8 Zoll. Dessenungeachtet gleichen sie, aus dem Wasser hcrausge:nommen, nur einem Klümpchen Gallerte, das oft kaum die Größe eines Sandkornshat. >Lie können von ihren Armen einen oder mehre zugleich ausstrecken, ihn in ei:nein oder mehren Theilen erweitern oder zusammenziehen, und durch das Letztereihre Steile verändern, indem sie sich an die Pflanze oder den Punkt derselben hef:teil, welchen sie zum neuen Aufenthalte wählen, und dann den übrigen Theil nach-ziehen. WennmandieäußereFlächeeinesPolypenuntcrsucht, so zeigt sie sich unterdem Mikroscop chagrinartig, als sei sie mit Körnchen bedeckt. Diese liegen näheroder entfernter bei einander, je mehr sich das Thier zusammengezogen hat, oder jeweniger das der Fall ist. Schneidet man das Thier mitten durch, so zeigt sich dieHaut aus lauter solchen Körnern zusammengesetzt, insofern sie eine gummiartigeSubstanz verbindet. Die Farbe dieser Körper bestimmt die Farbe des Thieres. Diebraune» Polypen haben die längsten Arme und machen, um ihre Beute zu erhä-schen, den mannigfachsten Gebrauch davon. Augen hab . alle Arten nicht, alleineine Empfindung von Dem, was sich ihren Armen nähert, ist ihnen nicht abzu-sprechen; denn die Aufmerksamkeit, die sie dann, um es zu haschen, beweisen, läßtsich genau beobachten. Der gesättigte Polyp ist ganz träge und bewegungslos; erstin dem Maße, als er verdaut, nimmt er wieder Beweglichkeit an. Da das ganzeThier gleichsam nur ein Magen ist, dessen Höhle sich nach allen Armen ausbreitetund verlängert, so sieht man das Futter aus dem Magen in die Arme und aus die-sen wieder in den erstem zurückwandern. Man darf nur ein Würmchen von rotherFarbe nehmen und sie damit füttern, um dies Experiment zu machen. Füttert mansie anhaltend mit Insekten rc. von einerlei Farbe, so nehmen sie diese an. Es trifftsich bisweilen, daß 2 Polvpen ein Thierchen erhäschen, dann schlucken sie so langedaran, bis sie es in derMitte auseinanderreißen; bisweilen schlingt der eine Polypden andern selbst mit hinunter. Sie scheinen indeß sich selbst nicht verdauen zu kön-