Band 
Achter Band. O bis Q.
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688
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688 - Pombal

Schlosse Soure bei Eoimbra, gest. 1182. Ein gefährlicher Kranker wird oft durchheroische Mittel am glücklichsten gerettet. So dachte P., als er streng und durch-,greifend 21 Jahre lang Portugals Reformator war. Er regierte, beladen mit demHasse des Adels, der Geistlichkeit und des Hofes, in offener Fehde mit den Iesui-ten, unumschränkt wie ein König, ausgerüstet mit seltener Geisteskraft, Thätig-,keit und Geschäftskenntniß, erhoben von dem edelsten Nationalgefühl, sotaß er eingroßer Mann genannt werden mußte, wenn er ebenso gerecht als uneigennützig ge-,Wesen wäre. Zm steten offenen und geheimen Kriege mit mächtigen Feinden, konnteer nicht vollenden, was er unternommen: die gänzliche Wiederherstellung der tieftgesunkenen Nation und L taatsmacht. Er griff daher nach den kürzesten und här-testen Maßregeln; aber er erreichte nur wenig, weil er Alles auf ein Mal neu schaf-fen wollte. Zndeß machen ihn seine Persönlichkeit, seine Lage und sein großen tigesStrebe» zu einem der merkwürdigsten Menschen seines Jahrhunderts. Sein Va-ter war Eapilain, aus der ärmern Elaste des Adels. Aber seine Mutter, eineMendoza, und sein Oheim, ein angesehener Geistlicher, öffneten dem jungen Ear-valho, der in Coimbra die Rechte studirt hatte und hierauf Soldat geworden war,die Aussicht zur Beförderung. Die Natur hatte ihm Alles gegeben, was den Herr-scher ankündigt, einen hohen Wuchs, Lebenskraft, Stärke, kühne» Blick undsinnliches Feuer dazu, große, heftige Leidenschaften, einen durchdringenden Ver-stand und die angenehmsten gesellschaftlichen Talente. Zn Allem der Erste und eintollkühner Raufer, ward er seiner regellosen Kraftäußerungen wegen aus Lissabon verwiese». Seitdem arbeitete er mehre Jahre lang in Soure an seiner persönlichenAusbildung. Da schenkte ihm Thercse von Noronha Almada, eine reiche Witwe,ihre Liebe. Die stolzen Verwandten wiesen zwar den kühnen Bewerber zurück; al-lein er entführte die Geliebte und schützte sich gegen die Dolche der Meuchelmörderdurcb Muth und Entschlossenheit. Zugleich regte die Verachtung, mit welcher ihndie Familie seiner Gemahlin, die Grafen von ArtoS, behandelten, sein Ehrgefühlauf, sich emporzuschwingen. Er ging an den Hof zurück, wo er (in s. 40. Jahre)durch feine mitten solche» Beifall erhielt, daß man ihm 1139 den Gesandtschafts-posten in London übertrug. Hier lernte er das Verhältniß Portugals gegen Eng-land genau kennen, und faßte mitten unter sinnlichen Zerstreuungen den Plan, s.Vaterland von den Fesseln des engl. Handelssystems zu befreien. Der neue Staats-minister, Peter v. Motta, s. Gegner, rief ihn zwar 1115 von London zurück;aber die Königin, Earvalho'S Gönncrin, sandte ihn nach Wien , um einen Zwistdes Papstes mit der Kaiserin Maria Theresia zu vermitteln. Er erwarb sich baldallgemeine Achtung, und als s. Gemahlin endlich ein Opfer d r Rache ihrer Ver-wandten geworden war, erhielt er die Hand einer jungen Gräfin v. Daun . Dochmußte er die Verleumdung, welche ein vornehmer Portugiese in Wien gegen ihnausgestreut hatte, entkräften und seinen Adel beweisen. Die Königin bewirktedarauf s. Ernennung zum portugies. Gesandten am wiener Hofe. Aber der Königund s. Minister haßten ihn. Er ward zurückberufe». So fest er in der Gunst derKönigin stand, so konnte er doch die Abneigung des Königs (ZohanusV.) nichtüberwinden. Vergebens gewann er die Zuneigung der vielvermögenden Jesuiten ;durch völlige Hingebung an diesen Orden täuschte er denselben so, daß er mit deninnern Verhältnissen dieser Gesellschaft genau bekannt wurde, was ihm in der Folgeals Minister t ie Waffen gegen die Jesuiten in die Hände gab. Der hohe Adel ver-folgte ihn mit unversöhnlichem Hasse; Carvalho aber beherrschte s. Wunsch nachRache und galt für den liebenswürdigsten, bescheidensten und frömmsten Welt-mann an deni Hofe der Königin. Endlich starb Johann V. , 1150, lind Carvalhoerhielt von dessen Nachfolger Joseph I. , aufdie Empfehlung der verwitweten Köni-gin, die längst gewünschte Stelle eines Staatssecretairü der auswärt. Angelegen-heiten, Der Beichtvater des Königs, P. Moreira, ein Zesuit, war s. Gönner,