Pombal K89
imd Carvalho schmeichelte dem Orden mit solchem Eifer, baß man ihn den großenJesuiten nannte. Bald hatte er, besonders seit dmi Tode der Königin Mutter,1751, den schwachen, argwöhnischen, für Sinnenreiz allein empfänglichen Königganz von sich abhängig gemacht. Dieser willigte, aus Furcht vor seinem BruderDon Pedro, dem sich Carvalbo's Feinde anschlössen, in du kühnsten Plane des Mi-nisters, und Carvalho erreichte dadurch seinen vierfachen Zweck: die Jesuiten zu ver-treiben, den hohen Adel zu unterdrücken, Portugal wiederherzustellen, und im Na-men des Monarchen unumschränkt zu regieren. Das Reich befand sich im Zustandeder äußersten Ohnmacht. England und die Jesuiten checkten sich nebst dem hohenAdel in die Reichthümer des SkaatS, der ohne Heer, Flotte, Handel und Acker-bau war. Der Minister handelte im Geiste des Mercanrilsystems, sing aber frei-lich auf vielen Seiten da an, wo er hätte aufhören sollen; doch war sein Strebenim Allgemeinen nicht ohne Erfolg. Nur ein Mann wie er vermochte den Angriffenzu widerst, hen, die jetzt öffentlich und insgeheim die Inquisition , der er die Auiosda Fe untersagt, die Jesuiten, welche er aus ihrem Missionsstaate in Paraguay vertrieben, der hohe Adel, dem er seine füi stl'chen Besitzungen in den Colonien ent-zogen, und die hohe Gastlichkeit, deren Mocht er Grenzen gesetzt hatte, gegen ihnunternahmen. Da kam das Erdbeben vom 1. Nov. 1755. Es begrub 36,000Menschen und einen Werth von 570 Mill. Thlrn. in Schutt und Asche. Carvalhoverließ die Seinigen und trat auf als ein Retter in der Verzweiflung, mit einer An-strengung und einet» Heldenmuthe, der allein seine Feinde hätte versöhnen können,wen» diese einigen Sinn für Wahrheit gehabt hätten. Sah man P., dessen Hausunbeschädigt geblieben war, b Tage lang mit dem allgemeinen Wohle unaufhörlichbeschäftigt, an jedem Orte, wo Hülfe nöthig war, Anstalten treffen, die Ordnungwiederherstellen und den König selbst zum eignen Handanlegen für die Begrabungder Todten bewegen, um den betäubten Arbeitern Muth zu machen, so mußte manihn achten und bewundern; und nie hat sich wol ein kraftvoller Mann in einerfurchtbarern Ant, unter vielfacher» Bedrängnissen, wohlthätiger und fast über-menschlich wirksamer gezeigt, als Carvalho m diesen Tagen einer grenzenlosen Noth.Der König sah in ihm einen Schützling des Himmels und überließ sich unbedingtseiner Leitung. Carvalho ward Graf v. Oer, as und rückte 1756 in die Stelle einesersten Münsters. Jetzt schritt er kühn über Jeden hinweg, d,r ihm in den Weg zutreten wagte. Er mußte unerbittlich streng verfahren, da Wüstlinge aus dem hobenAdel ohne Scheu Mordthaten bcgii'gen, und dcr Pöbel rvcblos raubte. Aber mitder Hoffart der Vornehmen, die er demüthigte, und mit der Habsucht, die seineHandelsverfügungtn zur Wuth r eizten, verband sich jetzt das Landvolk, unzuf ietenmit P,'s gesetzlich gemachtem Monopochandel, der allerdings ein Mißgriff, eiaent-lich aber nur gegen dasMonopol derBrttcn gerichtet war. Die erhitzten Weinbauerbegingen in Oporto Ausschweifungen, aber P. unterdrückte den Aufstand druck dieausgedehntesten Majestätsgesetze, nach welchen der Wille des Königs statt aller Con-siitutionen und Privilegien allein gültig war. Zugleich ließ er gegen die Jesuiten ,welche Alles versuchten, um ihn als den Antichrist in der öffentlichen Meinung zuverdammen, eine Druckschrift ausbreiten, die ihre Politik in Paraguay zum Erstau-nen Europas enthüllte. Doch waren manche Behauptungen darin übertrieben, undes ist wenigstens kein Zweifel, daß die Väter jene Provinzen besser regiert hatten, alses von Spaniel n oder Portugiesen je geschehen wäre. Carvalho beschloß endlich, dieJesuiten ganz von der Person des ihnen sehr ergebenen Königs zu entfernen. Sieverloren die Beichtvaterstellen und mußten sich (16. Sept. 1757) in ihre Collegienbegeben. Auch wurden mehre portugiesische Große, welche den Minister zu stürzenversucht hatten, aus Lissabon verwiesen. Durchgrcisen war von jetzt an P.'s einzigePolitik. So ließ er, weil seine Aufmunterungen des Feldbaues nichts fruchteten,die Weinsiöcke ausraufen. Endlich siegte er völlig. Eine Verschwörung gegen dasCenversations-Lericon. Bd. VIII. 44