Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
691
JPEG-Download
 

Pommern 691

beschäftigte er sich mit Lesen und guten Werken. Die Armen liebten ihn, und seineGemahlin hing an ihm mit deutscher Treue und Zärtlichkeit. Aber Klagen und Un-tersuchungen gegen ihn wechselten mit Neckereien aller Art. Dies untergrub des gro-ßen Mannes Gesundheit. Er starb den 8. Mai 1182 zu Pombal im 85. I. seinesLebens. Die Geschichte dieses Ministers ist von dem Parteigeiste sehr entstellt, z. B.von seinem ital. Biographen, einem Exjcsuiten, und in den „,1„ee,I>>i. c>» luinirtürerln (Warschau 1184). P.'ü eigne DertheidigungSschrift in v. Dohm's

„Mater, zur Statistik" (3 T hle.) beweist wenigstens, daß er sich als Minister nichtbereichert habe. Die Actenüücke des Processes der Königsmörder s. m. in Voß'ü„Galerie hist. Gemälde" (4 Bde.). Dgl. „b'ackmiiiistrutiur, clu blarguis cke l'om-1>!>1" (Amsterdam 1188, 4 Bde.). K.

Pommern, ein gegenwärtig ganz zur preuß. Monarchie gehöriges Her-zogthum, grenzt gegen W. an Mecklenburg, gegen S. an Brandenburg , gegenO. an Wcstpreußen und gegen 9!. an die Ostsee , wo die nördlichste spitze Rip-hooft, 4; Meile von Hela, einen 220 Fuß hohen Leuchtthurm hat. Die Odertheilt es in Bor -, und Hinterpommern, jenes westlich, dieses östlich von der Oder.Pommern war ein Haupttheil des alten wendische» Königreichs; dann hatte es von1026 an eigne Herzöge. 1124 (den 15. Juni) wurden die ersten zum Christen«thume bekehrten Pommern durch Bischof Otto von Bamberg bei dem Oktobrunnen,um welchen vor 500 Jahren 4 Linden gepflanzt winden, getauft; daher man daSlOOjähr. Gedächtnißsest der Einführung des Christenthums in Pommern am 15.Juni 1824 in ganz Pommern gefeiert bat. Als die Herzoge 1631 ausgestorbenwaren, hätte das Kurhaus Brandenburg, in Gemäßheit der bestehenden Erbver-brüderung, das ganze Land in Besitz nehmen sollen; allein da der Herzog währenddes dreißigjährigen Kriegs gestorben, und Pommern von den Schweden besetzt war,so mußte jenes sich im westfälischen Frieden mit Hinterpommern begnügen, Vor«pommern und die Insel Rügen aber an Schweben überlassen. Als jedoch Karl X.I I. im nordischen Kriege auch den König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, der Stet-tin nur bis zum Frieden besetzt halten wollte, zum Kriege reizte, mußte endlichSchweden an Preußen ini stockholmer Frieden 1120 den größten Theil von Vor-pommern sammt den Inseln Wollin und Usedom abtreten. Damals behi.lt Schwe-den bloß das Stück zwischen Mecklenburg, der Ostsee und dem Pecnefluß, nebstder Insel Rügen . Durch den Vertrag vom 4. Juni 1815 kam Preußen auch inBesitz von Schwedisch-Pommern (66 lWM., 116,000 Einw.). Schweden hattenämlich i» Folge der Besitznahme von Norwegen s. Antheil an Pommern an Dä-nemark abgetreten; von diesem tauschte Preußen es gegen das Lauenburgische undeine Summe von 2,600,000 Thlrn. ein. iiberdieß zahlte Preußen noch an Schwe«den 31 Mist. Thlr. und vergütete den schweb. Tonatarien jährlich 43,000 Thlr.Pommern ist jetzt eine Provinz des preuß. Staats. Mit ihr wurden einige Theileder vormaligen Neumark und einige Örter Westpreußens vereinigt. Es zählte imI. 1828 auf 561 s^M. 811.555 Einw., darunter 16,180 Milit., 6151 Katho-liken und 4116 Juden. Die Provinzialstände sind seit 1823 in Wirksamkeit ge,treten. Die am 6. April 1824 errichtete, vom König bestätigte ritkerschaftlichePrivatbank ersetzt den Mangel an baarem Gelde durch Bonklcheine. Oberpräsi-dent von Pommern ist der verdienstvolle wirkliche Geb.-Ratb Sack.

Pommern ist eins der niedrigsten und flachsten Länder Deutschlands ; wenigeBerge von mittelmäßiger Höhe unterbrechen diese ermüdende Fläche. Die Küstender Ostsee in Hinterpommern sind mit Sandhügeln oder Dünen besetzt, die durchStürme oft verändert werden; eine aus Westpreußen körn inende Hügelreihe läuftzwi chen Brandenburg und Pommern gegen die Oder hin, Der größte Fluß ist dieOder, welch? unterhalb Stettin den dammschen See bildet und sich dann in das frijcheHaff ergießt, welches durch dir 3 Ausflüsse/ dir Peen«, Swme undDivenoro

44*