Poinologie 6!)3
ehedem nur wenige Ursorten einer Species vorhanden waren, daß aber durch dieBeschaffenheit des Klima, des Bodens, durch die Vermischung des Blumenstan-des und die aus dem Adamen gezogene» Kernlinge sich nach und nach die fast unzähl-bare Menge Obstsorten gebildet bade. Für den Einfluß des Klima spricht die Er-fahret» , daß jeder Hiiiimelsstrn'b seine eignen Sorten (Frankreich z. E>. die Re-netten) z ehr; der Boden drückt ebenso dem Obste seine Eigenthümlichkeit ein (daherWemsorren), und die Verschiedenheit der Sorte» aus den Kernen hat van MonS zuBrüssel durch seine Aussaat von mehr als 40,000 Kernen, deren gezogene Stämmeer unveredelt tragen läßt, am unwiderleglichsten dargelhan. Die Vermischung desSamenstaubes verschiedener Sorten, wo der weibliche Theil der Blüthe die Be-fruchtung von dem männlichen Theile einer andern Sorte erhält, welches in derfreien Natur durch den Wind und die Insekten bewirkt wird, bildet die eigenthümli-chen Bestandtheile der neuen Sorten, wodurch die Menge unserer Obstsorten ent-standen ist. Klima und Boten wirken besonders auf Verfeinerung und Veredlungderselben. Die künstliche Befruchtung, wo man absichtlich mit einkin Pnisel denweiblichen Stempel (Pistill) mit dem Sam. »staube einer andern dazu ausgewähltenedeln Sorte schwängert, macki es möglich, die vorzüglichen, in 2 oder mehren ver-schiedenen Sorten liegenden Eigenschaften, z. B. Größe, Form, Geschmack zu verei-nigen, und neue Sorten hervor;ubringen. Wie sehr sich die unedelsten Lwrteu bloßdurch sorgfältige Pflege veredeln, und die ediern Sorten sich durch Entziehung derzu ihren» Gedeihen günstigen Bedingungen wieder zu den unedel» zurückführen las-sen, hat Knight, Präsident der londner Garteubaugesellschaft, durch merkwürdigeVersuche bewiesen. Sonve der Botaniker dir Eigenthümlichkeit der Pflanzen be-schreibt, sie als Unterscheidungszeichen benutzt, und durch Zusammenstellung der ähn-lichen ein System baut, so bezeichnet auch der Pomolog durch seine Kunstsprache dieEigenthümlichkeiten (Charakteristik) des Obstes. Er benutzt dazu die Form, Größe,Kanten, Beulen, Grund-und Nebenfarben, Rost, Flecke», Punkte, den Stand desBlüthenknopfs, seine Einsenkung, Schale, Stiel, Stielhehleund deren Beschaf-fenheit, Geruch, Geschmack, Fleisch, Farbe, Geäder, Kernhaus, seine Fächer, dieKerne, Reise und Dauer. Außerdem wird noch die botanische Beschreibung desBaumes, seiner Blumen, Blätter, seines Wuchses, seiner Krouenbildung und desTragbolzes mit zu Hülfe genommen (s. die Werke von Quinriny, dn Hamel, Scha-be!, Knoop, Abercrombie, Manger, Miller, Zink, Henne u. A.). Der Charakter,nach welchem man versucht hat, ein pomologisches System zu ordnen, ist ein naiür-licher, der sich auf die Form bezieht, nach welcher die Früchte in verschiedene Fami-lien, Ordnungen und Gattungen gestellt werden. Die immerwährende Entstehungneuer Sorten aus Kernen, und die fast unmerklichm Übergänge vieler Sorten, ver-bunden mit dem Umstände, daß fast jede Sorte in jeder Provinz, oft in sehr geringenEntfernungen, einen andern Namen hat, daß die nämliche Benennung hier dieser,Hort jener Sorte gegeben wird, erschwei t die Lache sehr. Die ältesten Emtheiliingenschreiben sich von den Franzosen und Holländern her; diese theilten u. A. die Apfelschon längst i„ C lvillen, mit Kantm, Kerben, locken» Fleische, gewürzhaftemGeschmacke und hohlem Kernhause; in Renetten, die außen durch Rosianflug,innen durch kurz abknackendes Fleisch kenntlich sind; in die großen sauern Rain,bours !c. Birnen wurden von ihnen in BcurreS oder Butterbirnen mit schmelzen-dem Fleische, in Bergamolten mit Gewürzgeschmack, runder Form und rostigerSchale, in Rothbirnen oder Rougelets, Rousseleis, in Blanguets oder Weißbir-nen unterschieden. Mangkr stellte zuerst ein System »ach Formentaseln auf, die3 Hauptformen der Apfel waren die runde oder platte, die hyperbolische (unt<ndicker als hoch) und die parabolische (höher als d ck). Die Unterabtheilungen betref-fen die vollständige Ebenheit, die Falten am Auge lind die rundum befindlichenRippen. Sickler (in s. „Obstgärtner") bildete daraus 4 Formen. Der Oberpfarrer