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Portugal (alte Zeit—Mittelalter, bis 1495)
sein ihrer Kraft aufs Neue erwachte. Nun konnte sieebenso wenig den britischen Ein-fluß auf die innere Verwaltung, noch die Abhängigkeit von Brasilien , wo sich derHof befand, länger ertragen, sondern gab sich, — später erhielt sie eine neue Ver-fassung s zuletzt bemächtigten sich Meineid und Tyrannei des legitimen Thronesund erstickten Portugals politische Wiedergeburt in dem Pfuhle der blutigsten Reac-tion. — Wir unterscheiden Portugals alte, mittlere, neue und neueste Geschichte.
I. Alte Zeit, ehe Portugal ein Königreich wurde; von Christi Geb. bis1139 n. Chr. Lange vor Ronis Weltherrschaft ward Portugal von Phöniziern,Cartbagern und Griechen auf Handelsreisen besucht, dann u. d. N. Lust tarnenden Römern unterworfen, welche den Bewohnern, einem Zweige des vielastigenCclrenstammes, fremde B'ldmw brachten, hierauf von germanischen Völkern (Ala-nen, Suevcn und Gothen) überschwemmt, und nach 712 von den Arabern erobert.Als endlich das tapfere Schwert der Spanier in den neuchi istlichcn Reichen Castilien und Leon (s. Span ien) auch das Land zwischen dem Minho undDouro den Ara-bern entrissen hatte, wurden über dieses Gebiet Grasen oder Statthalter gesetzt.Heinrich der Jüngere von Burgund, dessen Großvater, Robert I., Herzog von Bur-gund, ein Enkel des franz. Königs Hugo Capet war, ging um 1090 nach Spa-nien, um in einem Kriegszuge gegen die Mauren sein Glück zumachen. AlfonsoVI. , König von Casslien und Leon, gab deni ritterlichen Fremdlinge die Hand sei-ner Tochter zum Lohne und sitzte ihn 1094 als Graf und Statthalter über daseroberte Land, das die Provinzen Entre Minho e Douro , Traz os Montes undeinen Theil von Beira umfaßte und von dem Hafen von Oporto (s. d.) den Na-men Portugal erhalten haben soll. Der Graf, der seinen Sitz in Guimoraens nahm,sollte d- ni castilischen Könige LehnSpflichk leisten, was er aber den Mauren jenseitsdes Tejo entreißen würde, unbeschränkt besitz». Sterbend gab Alfonso ihm dieerbliche Herrschaft 1109. Das Glück war dem burgundischen Fürsienstamme ge-wogen. Schon unter Heinrich wurden Eroberungen gemacht, noch glücklicher warsein Ldohn Alfonso I. Von den Mauren 1139 bedroht, ging er ihnen entgegenund gewann den herrlichen -Lieg in der Ebene von Ourigue. Das begeisterte Volkbegrüßte ihn auf den, Schlachksilde als König von Portugal . Damit beginntII. Portugals Mittelalter, von 1139—1495, oder bis zur RegierungEmcnuelS d. Gr. und der Gründung des portug. Colonialreichs. Die ErhebungPortugals zu einer Eee- und Handelsmacht war die Frucht seiner innern Entwicke-lung. Schon die Versammlung der Stände (C ortes) zu Laniego bestätigte feier-lich (1143, nach A. 1145) jene Huldigung der Krieger, lind gab 1181 deinneuen Königreiche, das auch der Papst Alexander Ili. anerkannt hatte, Gesetzund Verfassung. Die Krone sollte erblich sein in des Königs Stamme, mit Vor-zug der Erstgeburt; doch stand den Brudersöhnen das Ei bfolgerecht nur mit Ein-willigung der Stände zu. Zn Ermangelung männlicher Erb.n sollten die Königs-töchter folgen. Das Gesetzbuch, welches Alfonso hatte verfassin lassen, ward ange-nommen, und die Unabhängigkeit des neugegründeten Throns feierlich erklärt. DerKönig selbst sprach jedem seiner Nachkommen, der sich zur Ainsbarkeit verstehenwürde, das Recht auf die Thronfolge ab. Die Form der Cortcs von Lamcgo warübrigens nichts weniger als fest bestimmt. Ebenso wenig waren auch die Reichs-gesetze v. n Lamego festbestehend. Alfons machte zwar sein Reich den Päpsten zins-bar, sicherte aber zugleich seine königliche Würde gegen den Widerspruch derKönigevon Cast lien und Leon, mit denen er oft Krieg führte. Er erweiterte sein Reichbis an die Grenzen von Algarbien und eroberte Santarem 1143. Die Eroberungvon Lissabon 114", die ihm mit Hülfe kreuzfahrender Engländer und Hanseaten,die eben in den Tejo einlieft», gelang, war eins der glänzendsten Ereignisse seineskriegerischen Lebens. Zm Z. 1162 stiftete er 2 Ritterorden, den einen, nachher der-Orden von Avis (einem Städtchen bei Alentejo ) benannt, und den Orden S.-Michel
Conversittrons-Lerjcon. Bd. VIII. 46