Band 
Achter Band. O bis Q.
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741
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Portugal » bisheriger Zustand 741

Dprachm «nd gemeinnützige Wissenschaften. Das seit 176t für junge Edelleuteerrichtete Coffegium ist eine der besten Lehranstalten. Seit 1729 besteht ein Ober»schulrath, der aber für die Verbesserung der sehr schlechten Volksschulen sich nochnicht wirksam gezeigt hat. Diele Portugiesen haben auf Kosten der Regierungwissenschaftlich» Reisen gemacht und vorzüglich dasnaturhistorischeFach durch ihreBeobachtungen bereichert. Seit 1822 besteht in Lissabon eine 8cx-ie<l!>,ie litersrinz>!>ti i<,ii<::,. welche ein gut ausgestattetes Museum unterhält und Annalen heraus-gibt. Ähnliche Verein« sind in Oporto und a. Städten entstanden. Zur Belebungdes vaterländischen Kunst» und GewerbfleißeS hat sich kürzlich iu Lissabon eine Ge-sellschaft gebildet. Denn bisher konnte die inländische Betriebsamkeit nicht zu rech-tem Gedeihen kommen, was größtentheils die Schuld der geringen Vermdgens-vertheilung, sowie derFesthaltung des großen Grundbesitzes in wenig Familien war.Als man anfangen wollte sie zu beleben, geschah der große Mißgriff, daß der Königmehre Manufacturen übernahm, daß für andre Erzeugnisse des KunsifieißeS aus-schließender Alleinvertrieb eingeführt ward, und nachtheilige Aolleinrichtungen ge-macht wurden. Seit Kurzem hat zwar der Kunstfleiß Fortschritte gemacht, dochsind nur wenige Fabriken im Stande, die Erzeugnisse des Auslandes entbehrlichzu machen, und noch wenigere können ihre Erzeugnisse hinsichtlich der Güte unddeü Preises ausländischen gleichstellen. Die wichtigsten sindWollenwaaren-, Sei-den-, Baumwollen-und Hutinanufacturen, Leinwandwebereien (besonders inMinho) und Glasfabriken. Die meisten Tuch - und Wollenzeuchfabriken gehörendem Könige, der sie auf gewisse Jahre an Gesellschaften von Unternehmern mitdem Rechte des ausschließenden Betriebes übergibt. Die wichtigsten Seidenmanu-facturen sind in Lissabon, Braganza, Oporto, Beja , Mondim und Almeirim; schonvor 1808 beschäftigten sie 27,000 Menschen. Sie bedürfen der Einfuhr fremderSeide, ihre Erzeugnisse aber sind zum Theil unvollkommen und hoch im Preise.Zwar steht der Handel dieses Landes auf einer sehr niedrigen Stufe, wenn mandengegenwärtigen Zustand desselben mit dem Zeitpunkte vergleicht, da Portugal unterden ersten Handelsmächken glänzte; aber in neuen, Zeiten ist Manches geschehen»denselben von dem Auslande unabhängiger zu machen. Ein wichtiges Hindernißdes Binnenhandels ist der Mangel an guten Heerstraßen und andern dieWaaren-zufuhr erleichternden Anstalten. Es gibt keine Canäle, und die wenigen schiffbarenFlüsse sind nicht das ganze Jahr zu befahren. In neuern Zeiten war indeß der in-ländische Verkehr weit freier als ehedem; die Regierung hatte bereits manche Ge-genstände des Alleinhandels der freien Betriebsamkeit überlassen und nur den Han-del mit Diamanten, Taback und Brasilholz sich vorbehalten. Alle in den Häfenverzollte Waaren wurden von den Landzöllen, welche sie früher hatten entrichtenmüssen, befreit. Vergleicht man aber die Ausfuhrwaaren mit den zu dem einhei-mischen Bedürfnisse nöthigen Einfuhrwaaren, die Portugal von gewerbfleißigenVölkern erhält, so neigt sich allerdings die Handelswage nicht zu s. Vortheile. Derauswärtige Handel wird größtentheils von den Engländern geführt, die sich dessel-ben durch den Methuenvertrog von 1703 bemächtigten; doch hat seit Pombal'sVerwaltung der engl. Handel nach Portugal etwas abgenommen. England er-hält in diesem Handel den Hauptgewinn burch die Erzeugnisse seines Kunstfleißes,welche das Bedürfniß der Portugiesen und ihrer außereuropäischen Niederlassungenverlangt. Ehedem waren bloß engl. Schiffe bei dem Handel zwischen Portugal undEngland beschäftigt, in den neuern Zeiten aber ward derselbe schon zur Hälfte mitportug. Schiffen betrieben, und den Verkehr mit Irland führten bloß po r tug. Fahr-zeuge. Der portug. Seehandel mit den übrigen Völkern aber, Spanien ausge-nommen, wird fast ganz mit fremden Schiffen getrieben. Die meisten Zweige desausländischen Handels würden dem Reiche sehr nachtheilig sein, wenn nicht durchden Coloniaihandel das Gleichgewicht erhalten würde. Auf Brasiliens reichen Er-