Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
777
JPEG-Download
 

Potemkin 117

s. Aufmerksamkeit machten Eindruck auf Katharina. Er selbst wußte sich bald inihrer Gunst zu befestigen, nachdem es ihm gelungen war, zu dem engern Kreiseihrer Gesellschaft zugelassen zu werden. Er verdrängte s. Nebenbuhler, vorzüglichdie Gebrüder Orloff, und von 1776 an war er erklärter Liebling. Sein Hochmuthzog ihm den Haß der Orloffzu, und in einem Streite mit Alexis Orloff verlor erdurch einen Schuß ein Auge. Dies machte ihn der Monarchin um so werther, undda er sich aus Klugheit von Zeit zu Zeit zurückzog, nach eigner Laune aber an denHos zurückkehrte, so blieb er immer neu. Katharina ernannte ihn zum Kriegsmini-ster, und s. politischer Einfluß auf die ganze Staatsverwaltung begann, als er denPlal- des Lieblings aufgab. Er wußte die Kaiserin in der Meinung zu erhallen, daßer fiel ihre Sicherheit unentbehrlich sei. Katharina fühlte nämlich, daß sie von wich-tigen Männern gehaßt war; sie fürchtete sogar ihren Wohn, dem sie nach s. Voll-jährigkeit den Thron zu überlassen verpflichtet war, und sah daher in P., welchender Großfürst, GrafPanin und die Ersten der Nation haßien, nur den entschlosse-nen, vor Nichts erschreckenden Mann, welcher durch Gewalt und Kühnheit jedenGedanken an Widerstand niederschlug. Sie übertrug ihm daher eine unumschränkteMacht, vor welcher sie zuletzt wol selbst zitterte. Gleichwol behauptete sich P., seit1776, 16 Jahre hindurch, bis an s. Tod, gegen alle Gegner in der unumschränktenBeherrschung seiner Monarchin. Von 1778 führte er bis an s. Tod fast ganz dirLeitung der auSwärt. Verhältnisse, wo er dem preuß. Systeme, welchem Graf Pa-nin ergeben war, entgegenwirkte. Doch ließ er Manches geschehen, woran er Theilzu nehmen kein Interesse fand, oder wovon Panin's gründliche Staatskenntnisseihn abhielten. Übrigens handelte er auch in den auswirk. Verhältnissen kühn undohne alle Rücksicht. So ließ er Friedrich 1l. 1782 durch den Grasen Gorz denAn-trag zu einer neuen Theilung des noch bestehenden Polens machen. „Die ersteTheilung", sagte er, „sei nur «in Kinderspiel gewesen; man hätte schon damals'Alles theilen sollen, das Geschrei würde nicht größer gewesen sein". Als der Königdiesen Vorschlag aus Rechtsgründen gänzlich von sich wies, war dies dem FürstenP. so unerwartet, daß er nach dreimaliger Durchlesung dem Minister das königl.Schreiben mit den Worten zurückgab: „Nie hätte ich geglaubt, daß König Friedrich romantischer Ideen fähig sei". Welchen Sinn P. für Völker« und Mensche,i-recht halte, bewies er bei der gewaltsamen Unterdrückung der Krim 1788. Als dieTataren sich weigerten, der Kaiserin zu huldigen, erhielten die Generale Befehl, dieWiderspenstigen niederzuhauen. Ein General weigerte sich, dies zu thun, weil „erkein Scharfrichter sei"; aber Paul P., ein Verwandter des Fürsten , vollzog denAuftrag und ließ 30,000 Männer, Weiber und Kinder einsangen und nieder-metzeln. Als Gcneralgouverneur von Taurien behandelte P. die Tataren mit dergrausamsten Willkür, und entvölkerte dadurch die Provinz. Obgleich er weder dieTalente noch die Kenntnisse eines Feldherrn besaß, so stand doch jeder Feldherr, wieberühmt er auch durch s. Liege sein mochte, und das ganze Kriegsherr unter s un«umschränkten Befehl. Der höhere Zweck des BtaatSwohlS war ihm fremd. Ebensowenig mit den äußern Verhältnissen des Reichs bekannt als mit der innern Ver-waltung, entschied er doch immer allein, was die Ehrsucht und Eitelkeit der Selbst-herrscherin innerhalb ihres Reichs oder gegen fremde Macht unternehmen sollte. Erselbst kannte nichts als äußern, die Augen der Menge blendenden Glanz, mit demer sich bedeckte, während er ihn nachlässig zu verachten schien. Er strebte allein derMächtige zu sein, und w.chke dies mit rohem Ubermuthe zu zeigen, indem er jedendurch Verdienst, Geburt oder Reichthum ausgezeichneten Mann durch Grobheitniederdrückte, und ohne Rücksicht auf Rang die Eingeborenen mit Worten undSchlägen mißhandelte. Auch die Vorstellungen angesehener Fremden oder der Ge-sandten unabhängiger Mächte hörte er, wie Bitten s. Unterthanen, mit dem weg-w.ssenden Stolze eines übermüthigen Herrschers an. Gegen die Kaiserin bewies er