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Achter Band. O bis Q.
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Prediger

das Vorlesen veralteter Postillen, die seit dem 9. Jahrh, hier „nd da in die Landes-sprache überseht wurden, und gewöhnte das Volk, seine vorzüglichüe Erbauung inden kirchl. Cereinonien und dein Gesangs, der ste begleitete, zu suchen. Erst die imAnfange des 13. Jahrh, entstandenen Bettelorben, unter denen die Dominicanergleich als Volksredner (daher Prädicanten) gegen die Ketzer auftraten, und dieMystiker des 11. und 15. Jahrh, brachten das Predigen wieder in Aufnahme.Auch dieWaldenser nndHussiten hielten viel auf erbauliche Erklärungen des gött-lichen Worts, und die Reformatoren des 16. Jahrh, machten die Verkündigungde,selben >n der Predigt zum Hauptberufe der Geistlichen. 'Wenn nun auch im Zeit-alter der dii-rchentrenniinq der Ungeschmack einer leidenschaftlichn> Polemik und un-fruchtbaren Dogmatik sich der Kanzel» nicht weniger als der akademischen Lehr-stühle bemächtigte, so wurde doch, da der Lehrbegriff festgestellt und im 17. Jahrh,der Zniland eines rubizen Belehens der Kirchen nebe» einander eingetreten war,freies Held für neue Bemühungen zur Erhöhung der Nutzbarkeit des Predigtamtes.Spener (s. d.) erwarb sich dieses Verdienst, indem er das praktische Christenthumaus die Kanzeln brachte, über die Anwendung der Relizionslehren im täglichen Le-ben predigen lehrte, und dem vernachlässigte,i Unterrichte der Katechumenen durchgute Anweisungen und eignes Beispiel neuen Ldchwung gab. Der i»ilde evangeli-sche Geist, der von diesem ehrwürdigen Manne ausging, entwöhnte die protest.Prediger allmälig von dem bald nach der Reformation wieder AngeschlichenenPriesterdünkel lind führte sie zu jener apostolischen Einfalt im Lehren und Leben,die den echten Tharakter des christl. Predigtamts bezeichnet. Weil aber der Predigerzwischen der idealen Welt der Gelehrten und dem wirklichen Volksleben mitten innesteht, und in beiden Gebieten einheimisch, die sittlichen Iseenschätze der Wltsenschafrzum alltäglichen Gebrauch einprägen soll, so bringt jede neue Horn, und Wendungder Bildung für ihn eine neue Wendung mit steh. Loo kam denn jene apostolischeEinfalt mit dem Ringen des mächtigen Natur- und HreiheitSgeistes, der sich seilder Mitte des 18. Jahrh, regte, die Theologie lind Philosophie einer allgemeinenPrüfung unterwarf und aufZerstörung jener alten Stütze des Glaubens ausging,in einen Widerstreit, den sie nur mit frommen Klagen zu betrauern, jedoch nichtdurchzukämpfen wußte. Auf die Schultern der alten ZionSwächter trat nun einneues Geschlecht philosophischer Dolksredner, die bei dem Grundsätze, Nichts aufdie Kanzel zu bringen, was zweifelhaft geworden war, sich bald genöthigt sahen,die meisten Glaubenslehren mit Stillschweigen zu übergehen, und sich in d un Kreiseeiniger Moralien und eben an die Tagesordnung kommender praktischer Wahr-heiten kümmerlich genug zu bewegen. Geist und Kraft schien aus solchen Vortrü-gen gebannt, das Volk, das nur von den erhabenen Momenten de. Religion er-griffen wird, fand sie ungenießbar, und die Kirchen wurden leer. In dieser PeriodedwLauigkeit und Aufklärern haben jedoch ineyre Kirchenlehrer des ersten RangesWiderstand gehalten, von denen wir nur Reinhard nennen dürfen, um denGeist der Gründlichkeit, des unerschütterlichen Glaubens und der Treue gegen dasEvangelium zu bezeichnen, den sie den Pred'gern des 19. Jahrh, einflößten. Esist ihr Verdienst und die Frucht der großen Erschütterungen, die das bürgerliche Le-ben erfahren hat, daß man das Bedürfniß der Menge jetzt beffer erkennt. Günsti-ger als das Zeitalter der Kritik war auch der Dogmatismus der neuesten Philoso-phie der Rückkehr zum biblisch-kirchlichen Lehrbegriff, und seit letzterer auf denKanzeln in seine alten Rechte wieder eingetreten, und in den Herzen der Lehrer dieTheologie der Religion selbst näher gerückt ist, hat die Kirche wieder christlichePrediger, die das Wort Gottes mit eigner Begeisterung und Überzeugung lehrenund zahlreiche Versammlungen vor sich «ehen. Auch läßt sich das Streoen derPrediger unserer Zeit nach Würde, Nachdruck und Bündigkeit m ihren religiösenRoden nicht verkennen; der gute Geschmack wird ftlost von den Minderbegabten