816 Pressen der Matrosen Preßfreiheit
siorium vertreten, sie muß sich selbst vertreten durch ihre Abgeordneten. Warumsollen diese nun nur aus Geistlichen gewählt werden? Die evang. Kirche hat alleUrsache, zustimme,Inhalten, da die katholische so fest zusammenholt — das kam,aber unsere Kirche nur durch eine Verfassung und durch Vertretung, welche ihreheilige» Rechte verwahren und über sie wachen". — Sie wird sich freilich zu dieserVertretung Mlück zu wünschen nur dann Ursache haben, wenn sie helldenkendenMännern anvertraut ist. welche mit dem besten Meiste der Zeit, der nicht die Finster-niß mehr liebt als das Licht, gleichmäßig fortgeschritten sind, welche den lebendig-machenden Meist des Christenthums und der protest. Kirche insbesondere von demlödlenden Buchstaben genau zu unterscheiden, gehörig aufzufassen und zu würdi-gen , fest im Auge zu behalten und auf die Angelegenheiten der Kirche anzuwendenverstehen, und in diesem Meiste Vorschläge zur Fortbildung der Kirche thun, beiwelchen sich denn auch die Berathung darüber keineswegs um Formen und Formel-wesen, als um die Hauptsache, drehen wird und darf. Daß die bairiscbe Regie-rung kiesen bessern Meist bei jener Anordnung insAuge faßte, werden unbefangeneBeurtheilen nicht verkennen. 1 j.
Pressen derMatrosen heißtdasabscheulicheDerfahren,mitielstdessenman die königl. Flotte in England mit Matrosen und Schiffesoldaten versieht,wenn die freiwillige Anwerbung nichr hinreicht. Es besteht in den, gewaltsamenWegnehmen aller solche» Leute, die zum Seedienste tauglich scheinen. Wenn sonstein Preßaang vorgenommen wurde, so gingen 10 —15 Matrosen, mit Prügelnund Messern bewaffnet, unter Anführung eines Ofstciers, durch die Massen, inWirthshäuser, BordelS u. a. öffentliche Orte. und nahmen alle Diejenige» weg, diesie für tucht'g hielten, ^m Kriege gegen Frankreich kamen die Presser auch auf dieKauffabi n iscl iffe und nahmen die Matrose» weg. Es gab dabei oft blutige Käm-pfe, selbst Todisctläge, welche aber unbestraft blieben. Die auf diese Weise zusam-mengebrachten Leute werden auf ein Schiff geschleppt, wo sie so lange gefangenbleiben, bis sie auf ein Kriegsschiff abgeliefert werden. Seit 1?'0 ist durch eineParlamentsacte auch das Pressen der Landsvldaten eingeführt.
Preßfreiheit, das den Bürgern eines Staats zugestandene Recht, ohnevorgängigeErlaubniß derkirchlichen oder weltlichen Obrigkeit Alles drucken zu lassen,was ihnen gut dünkt, mit Vorbehalt der Bestrafung, wenn sie dadurch die StaatS-gesetze oder die Rechte Andrer verletzen. Bald, nachdem die Buchdruckerkunst er-funden war, erkannte man, vornehmlich in der Reformation, die ungemeine Me-walt, welche einzelne Männer und gewisse Ansichten durch die schnelle und weiteVerbreitung der Medanken erlangen konnten. Reichsgesehe machten es daher inDeutschland allen Obrigkeiten zur Pflicht, die Druckereien in scharfer Aufsicht zuhalte», damit keine Angriffe auf die Religion und keine Schmähschriften aus ihnenhervorgehen, und das tridentinische Concilium schärfte es den geistlichen Obernein, dos Lesen schädliche, Bücher, sowie den Druck derselben, zu verhindern. Zuden kathol. Ländern wurde demzufolge eine bischöfliche, in den evangelischen eineStaatscensur eingeführt, und diese letzte auch in einigen kath. Staaten, z. B. imalten Frankreich , als die alleinige. (Vgl. Büchercensur.) Die Censur wurdebald strenger, bald milder gchandhabt; einigen Anstalten und Männern (z. B.den Universitäten) hier und da eine völlige Censurfreiheit zugestanden, aber nur inEngland von 1KN4 an eine allgemeine Preßfreiheit eingeführt. Auch in Dänemark wurde die Censur 1"0 abgeschafft. Ob die Preßfreiheit oder die Censur den Staa-ten und derMenschheil nothwendig oder nützlich sei, isteine Frage, über welche soviel und heftig geschrieben worden ist , daß es nicht leicht sein wil d, etwas Neuesdarüber zusagen oder die Mründe dcfür oder dawider in ein helleres Liebt zu setzen.Man kann nur darüber sein politisches Mlaubensbekenniniß ablegen, und sich wun-dern, wie es Mensche» geben könne, welche das Entgegengesetzte für das Richtigere