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Preußen, von 1640—1740
Frieden 1466 Vorder- oder Westpreußen an Polen , behielt jedoch seine eigne Ver-fassung; allein die Polen verletzten diese Bedingung, und das deutsche Reich, zuwelchem das Ordensland gehörte, wollte den thorner Frieden nicht anerkennen;auch zögerten die Hochmeister, welche im Besitze von Hinter- oder Ostpreußen blieben, Polen den Vasalleneid zu leisten. Die Ritter wühlten deßhalb den Mark,grasen Albrecht von Brandenburg, einen Sohn des Markgrafen zu Anspach , <611zu ihrem Hochmeister, um durch Hülfe des Hauses Brandenburg vom polnischenDasalleneide frei zu werden. Aber das deutsche Reich that nichts, und der Hoch-meister mußte eilen, mit Polen Frieden zu schließen. Da ward aus des Königsvon Polen Vorschlag, im ewigen Frieden zuKrakau, 1525, der Orden in denpreuß. Landen gänzlich aufgehoben, und das bisherige Ordensland Preußen vondem Prinzen für seine und seiner Bruder männliche Nachkommen als ein lehnbaresErbherzogthum von Polen angenommen. Zugleich drang überall die Reformationein, zu der sich der Erbherzog Albrecht bekannte. Nachdem hierauf, weil AlbrechtsNachfolger blödsinnig war, der KurfürstIoachim Friedrich von Brandenburg 1605die Verwaltung des Herzogthums, und Kurfürst Johann Sigismund 16 l 1 die Be-lehnuug von Polen erhalten hakte, wurde Letzterer, nach dem Tode des blödsinnigenHerzogs, 1618 regierender Herzog von Preußen.
Johann Sigismunds Enkel Friedrich Wilhelm (s. d.), der große Kur-fürst, entwickelte hier und in den Marken, nachdem er die Adelsaristokratie in ge-setzliche Schranken zurückgeführt hatte, den Keim zu einer mächtigen Monarchie.Diese Entwickelung war nicht leicht. Der preuß. Staat mußte sich unter großenGefahren, bald von Schweden, bald von Polen , dann von Ostreich, endlich fastvon allen seinen Nachbarn, von Frankreich und von Rußland bedroht, zu einerselbständigen Macht aufschwingen. Kühnheit, Muth und Gewandtheit steuertendas Staatsschiff durch so gefährliche Klippen hin. Das Gefühl der Schwäche,der zerrissenen Lage der Länder, der Eifersucht der Nachbarn gab der preuß. -LUaatS-kunst das beharrliche Streben sich zu vergrößern. Vergebens hatte der große Kur-fürst, dessen Souverainetät im Herzogthume Preußen die Republik Polen schonim Vertrage zu Welau, den 19. Sept. 1657, anerkannte, im Frieden zu Oliva1660 sein Verhältniß zu Schweden , das damals die erste Macht des Nordens war,sichergessllr. Erst der Tag von Febrbellin (18. Juni 1675) rettete gegen Schwe-den . was der westfälische Friede 1648 dem Kurfürstenlhunie Brandenburg alsEntschädigungen an Länderzuwachs gegeben hatte: den größten Theil von Hinter-pommern, die Bisthümer Halberstadt, Minden , Kamin, das Erzstift Magde-burg (seil 1680) und die Grafschaft Hohenstein . Zugleich mit der Gründung sei-nes Staat-s ward dem großen Kurfürsten die natürllcheBestimmung desselben klar,Norddeutschlands und der Niederlande Schutzwehr gegen Frankreich zu sein. Treuan Ostreich angeschlossen, widerstand er Ludwigs XlV/ stolzen Anmaßungen undvergab nichts der Würde deutscher Nation. Dennoch entzog Ostreich ihm und sei-nen, Nachfolger die schlestschen Fürstenthümer, welche einer Erbverbrüderung zu-folge, nach des Herzogs von Liegnitz Tode 1675 an Brandenburg fallen sollten.Friedrich Wilhelms Politik war edel und großartig, aufgeklärt und redlich. Errcgterle mit könizl.Ansehen. Sein Sohn Friedrich III. (s.d.), als König Fried-rich I.. setzte sich zu Königsberg die Königskrone aufs Haupt (18. Jan. 1701). Erreg:erte in dem Geiste /eines Vaters , ohne den Geist desselben zu besitzen. -LeinHeer stritt tapfer für Ostreich und Deutschland gegen Türken und Franzosen . I nInnern gesehen die Anlagen seines Vaters: Ackerbau, Gewerbe, Handel, Wissen-sehest und Kunst, unter dem Schuhe des Gesetzes und der Duldung. Auf der vonihm (1691) gestifteten Universität Halle fand die Fre heit im Lehren, Denken undSchreiben einen Schutzort, und die Gesellschaft der Wissenschaften in Berlin grün-dete, nebst der Kunstakademie, in dem verschönerten Berlin den Sitz des norddeut-