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Preußen, von 1140—1815
Geist und sein Ruhm die ersten Köpfe der Nation mächtig aufregte, Gesetzgebung,Justiz, Landesökonomie, Gewcrbfieiß und geistige Bildung wirksam befördert. Frei-heit der Sprache und Presse herrschte fast wie in der freiesten Republik, wodurch dieNation an geistiger Reife hoher stieg, als Friedrich selbst sich vorstellte. Dies Alleshauchte der StaatSmaschine einen lebendigen Organismus ein: es war FriedrichsGeist. Nach seinem Tode aber erschien der Staat als ein kunstvolles Uhrwerk,das seiner Spannfeder beraubt war, und Mirabeau , der geistvolle Berichterstatterüber die Monarchie Friedrichs d. Gr., fällte jetzt von ihr in s. „llü-tolrt.- «erröte"das allgemeine Urtheil: ,,9»urrilure -iv.iut n>,it»i it,'". Zwar behauptete Preu-ßen seine Stellung als Schiedsrichter bei den holländischen Unruhen 1787 und alsVermittler des Friedens mit der Pforte zu Reichenbach (s. d.) 1730; allein esthat hier zu wenig, ind in es gegen Rußland nichts durchzusetzen wagte, und zuviel, indem es Ostreich Bedingungen vorschrieb.
Mit dieseni Vertrage endigte das von Friedrich und Hertzberg gegründete Sy-stem der preuß. Staatskunst. Hierauf näherten sich die Hofe von Wien und Ber-lin zuerst in Pilnitz (Aug. 1791) einander wieder. Sie schloffen ein Schutzbund,niß zu Berlin den 7. Febr. 1792. Allein 2 Feldzüge gegen Frankreich — erschöpf-ten den preuß. Staat; doch wäre Ausharren in der einmal gewählten Stellung dasBeste gewesen. Aber Friedrich Wilhelms verschwenderischer Haushalt belasteteden Staat mit Schulden, und sein Cabinet hatte nur Polen im Auge. Seitdemsiel da« Ansehen der Monarchie. Mit unheilbringender Politik handelte Preußenuni den Preis seiner politischen Unthätigkeit, vorn baseler Frieden (5. April 1795)bis zur Kriegserklärung gegen Frankreich (9. Ocl. 180k). Früher hatte FriedrichWilhelm II. 1790 mit Polen (s. d.) eine Allianz ges.'blosten und der neuen Con-stitution vom 3. Mai 1791 seine» Beifall gegeben; allein bald wurde auf Hertz,berg's weiser» Rath, aus Friedrichs II. Schule, seit 1791 nicht mehr gehört.Durch die Aussicht «ine« Kriegs mit Rußland erschreckt, wegen Danzig und Tbornvon Polen nicht befriedigt, verließ Friedrich Wilhelm dieRepublik, zog mit Ruß-land vereinigt gegen vorgeblichen Iakobinismus zu Felde und besitzt« Danzig .Hierauf verscherzte das preuß. Cabinet völlig das Vertrauen seiner Nachbarn durchdie Besitznahme des Gebiet« von Nürnberg ic. (in Folge der 1791 an Preußen ab-getretenen Fürstenihümer Anspach und Baireuth), durch die zweite und dritte Thei-lung Polens (1793, 1795) und durch den geheimen AbtrelungS- und Entschädi-gungsvertrag mit Frankreich (5. Aug. 179k). Also verunglückte die seit 179Kgefaßte Idee, Preußen ini Norden zum Mittelpunkte einer großen Föderation zumachen! Wenn aber die beabsichtigte Trennung des nördlichen Deutschland ? vondem südlichen Preußen zum Vorwürfe gereicht, so darf man dennoch nicht vergehsen, daß Onreich selbst, aus Empsmdlichkeit über die reichenbacher Convention,durch feine Politik das preuß. Cabinet stulsig gemacht und von sich entfernt hatte.Das Letztere wollte nicht mehr, wie vor 100 Iakren, seine Kräfte bloß für Andrehingeben. Indeß war Preußen durch seine damalig« Politik der unmittelbare Nach-bar hiervonFrankrech. dortvonRußlandgeworden; m>toffenenKrenzländern gegenBeide und, bei einer großen Handelsschistfahrt, ohne Seemacht, zugleich jedem An-griffe zur See ausgesetzt, war es unschlüssig, welcher der beiden Hauptmächte es sichanschließen sollte. Da machte es endlich den Versuch, unerschütterlich auf Neu-tralität zu bestehen, und zerstörte dadurch selbst die Meinung von seiner kriegeri-schen Haltung. Zwar wuchs der Staat an Größe (er enthielt jetzt 6485 s^M-'8,700 000 Einw.), auch erhielt er eine musterhafte Gesetzgebung durch die Ein-führung des allgemeinen Landrechtü, es vermehrte sich sein Wohlstand, und dieVerwaltung ward verbessert, indem man das strenge nie: cantilisch-fiskalische S y.stcm milderte und einige Monopole aufhob; allein die steigenden StaatSbedurfniffebei riner Schuldenlast von 28 Mist. Thlin. machten neue Abgaben nöthig, und