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Preußen, von 174o—1815
Preußen stand in Europa beargwohnt und allein. Das Gute, was Friedrich Wil«Helm III. seit 1797 dem Staaie erwies, seine strenge Sparsamkeit, seine häus.lichen Tugenden, seine große Rechtlichkeit und sein deutsches Herz konnten die Wun-den des Staats, welche des Vaters gemißbrauchte schwäche ihm zugezogen hatte,nicht ganz heilen. Die Zerrüttung der Finanzen, welche im Febr. 1800 die Ein-führung eines Papiergeldes, der Tresorscheine, raihsam machte, bewog den König,jeden Antrag zur Mitwirkung gegen Frankreich zu verwerfen; dadurch ward aberdie Stellung zwischen Rußland und Großbritannien sehr ungewiß, und Preußenkonnte nicht« sürDeutschland thun als annehmen, was Frankreich in Übereinstim-mung mit Rußland durch den Enlfchädigungsreceß von 1802 in Deutschland ihmüberließ. Bald wurde sein Neutralitäkssvstem durch Frankreichs BesitznahmeHauovers 1803 erschüttert. Als nun 1805 eine dritte Coaliiion gegen Frankreichs Anmaßungen sich bildete, schwankte die preuß. Politik mehr als je. Eine Kriegs-und eine Friedenspartei theilten dasCabinet, wahrend ein großer Theil des HeeresKrieg wollte. Es fehlte an einem starken Willen, der Alles zusammenhielt, dasVeraltete umbildete und die Masse rasch bewegte. Zwar bewirkte Alexanders vonRußland persönliche Anwesenheit in Berlin die Convention zu Potsdam , 3. Nov.1805; beide Monarchen schlössen eine» Freundschaftsbund, der eine der seltenstenErscheinungen in der Geschichte ist, und das preuß. Heer rückte bis an die fränkischeGrenze; allein nach der «Schlacht beiAusterlitz neigte sich das preuß. Cabinet angst,sich zum Frieden hin und schloß, durch Östreichs Waffenstillstand hierzu berechtigt,Verträge (zu Wien den lo.Dcc. 1805, zu Paris den 15. Febr. 1806) mit Frank-reich , die von der Art waren, daß Preußen, von der Politik des franz. CabinetS um-strickt, in ein gespanntes Verhältniß mit allen übrigen Mächten trat und, nachdemes Kleve, Anspach und Neufchatel an Frankreich überlassen, wider seinen Willengenöthigt ward, Hanover als sein Eigenthum (1. April 1806) in Besitz zu nehmen.So zog es sich den verdienten Vorwurf des britischen Ministers Fox zu, als ob esdie auf den Fall seines Beitritt« zur Coaliiion ihm angebotenen Vortheile gegenFrankreich geltend gemacht hätte, um von diesem Bewilligungen aufKosten derCoaliiion zu erlangen. England erklärte nun an Preußen den Krieg; Schweden reizte es mit heraussoderndcm Trotze; in Petersburg allein wußte der Herzog vonBraunschwe-g die freundschaftlichen Verhältnisse durch vertraute Mittheilungen zusichern. Preußen wollte keinen Krieg mit England und «Schweden; aber Napo-leon triumphirle, es in einen dopp.lten verwickelt und, wie er glaubte, von Rußland getrennt zu haben. Also schloß er in voller «Sicherheit den Rheinbund. Jetzt griffPreußen, das sich von Napoleon auch um Hanover betrogen glaubte, zum Schwert.Allein noch war kein nordisches Bundessystem gebildet; das Zutrauen der Nachbar-staaten fehlte, und bei großem Selbstvertrauen der meisten Heerführer handeltendiese weder einmüthig noch entschlossen. Der Nationalwille schien sich nur in denMarken für den Krieg auszusprechen. Da wurden überall die alten Gebrechendes Staatöräderwerks und die Mißgriffe einer schwankenden und rechnenden Ab-rundungspolitik sichtbar. Der Tag von Jena (14. -Ort.) und der Fall von Magde-burg (8. Nov. 1806) zerbrachen d e morschen Bänder der Monarchie Friedrichs II.;ein großes Unglück kam über das Heer, das Volk und den König. Der «Schmerzkostete einer angebeteten Königin, die eine Zierde derThrone und der Menschheitwar, das Leben (19. Juli 1810); aber sie und ihr königlicher Gemahl hatten denalten preuß, Geist und den deutschen Charakter auch im Unglücke bewährt. ImDrucke selbst verjüngte sich die moralische Kraft der Nation, und Hardenberg ord-nete mit scharfem Blick in die Zukunft den im Frieden von Tilsit (9. Juli 1807)um die Hälfte verkleinerten und nach dem Frieden bis zum 3. Dec. 1808 von Frank-reich mit mehr als 150,000 M. besitzt gehaltenen, gänzlich auSgesogenen Staat.Aber unter welchen Umständen! Eine Kriegssteucr von 120Mül. Fr. mußte nach-