Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
839
JPEG-Download
 

Preußen, statistisch 839

Wahl, ob der wähkbar-scheineude dem Könige auch genehm sei. Die Domcapitelwarten den fei'i'!'ch-n Gottesdienst ab und gehen als proU-vieri den Erzbischöfeuoder Bischöfen mit Rath »nd That an die Hand. Die Domherren sind nicht mehrbloß Adelige, müssen die hebern Weihen erkalten haben und nach Verlauf von 10Iabren d>e oberste gelehrte Würde in der Theologie oder im kanonischen Recht er-werben. Ebrendombei ren, aus Dechanten oder Erzpriestern ernannt und mit glei-chen Rechten rücksichilich der gottesdienstlicken Verrichtungen mit den Canontcis, hatjedes Domcapüel 6 oder 4 und Vicarien 10 oder 8: übrigens an Prälaten, einenPropst und einen Dechanten mit 10 oder 8 wirklichen Domherren. In den Mona-ten 1, 3, 5, 7, 9, 11, ernennt der Papst zu den erledigten Capitelspfründen, in denandern der Bischof. Im ersten Falle mit Berücksichtigung der vom Willen des Kö-nigs bezeichneten Person, im zweiten Falle mit Vorbehalt der landesherrlichen Ge-nchnnaung. — Der Hofstaat (12 große Hofchargen) ist mit weiser Sparsamkeiteingerichtet. Der von Friedrich l. bei s. Krönung 1701 gestiftete schwarze Adlerordenbesteht aus Einer Classe und wird nur an Personen von hokem Range gegeben; derursprünglich anfpach-baireuthiftbe, von Friedrich Wilhelm II. 1101 bestätigte rotheAdlerorden ward 1810 in 3 Classen erweitert, am 18. Jan. 1830 erhielt die 2. Classe2 Abtheilungen, mit und ohne Stern; das allgemeine Ehrenzeichen erster Classe aberward zur 4. Classe des rothen Adlerordenü erhoben. Dem weiblichen Louifenorden(gestiftet 1814) steht jetzt die Prinzessin Wilhelm vor. Noch gibt es seit 1740 einen-Orden l'nin to nx'-ri w für das Mstitair in 2 Abiheil. mit und ohne Eichenlaub;das eiserne Kreuz in 2 Classen für die Tapfer» von 1813—15; den von FriedrichWilh. III. 1812 zum Andenken der aufgelösten Ballei Brandenburg gestift. preuß.Ivhanniterorden; überdies als Ehrenzeichen ein silbernes Kreuz und die Verdienst-medaille am Bande des rothen Adlerordens. — Der altpreußische Nationalcha-rakter hat etwasGroßartiges und Kühnes, wodurch er sich in dem deutschen Ge-sammtleben unterscheidet. Ein kriegerischer Geist erbte >n der Naiion seit dem gro-ßen Kurfürsten durch 5 Menfchenalter fort. Das Volk bewahrte sich selbst im Un-glücke das Element seiner Größe, sein freies geistiges Leben, jene Beweglichkeit undKühnheit, die im letzten Kampfe mit spartanischem Muthe in den Müttern und Jung-frauen wie in den Greisen, Männern und Jünglingen sich zu der höchsten Anstren-gung erhob. Als in Deutschland das freie Work vor franz. Machtgeboten verstumm-te, nährte Preußen die heilige Flamme der Wissenschaft und Kunst; es siegte undpflegte die geächtete deutsche Art und Sitte. Und aus diesim deutschen Geiste ist jenerStolz und jene Kraft geboren, welche wie ein belebendes Feuer von den Ersten undGebildetsten bis zu den Kleinsten und Niedrigsten hindurchdrangen. Preußen ist jetztmächtig durch seine warnende und an ruhmvollen Erfahrungen reiche Geschichte,durch seinen Rang als erste protestantische Macht auf dein Festlande, durch seinenVolkSgcist. der aufgeklärt, tapfer und vaterländisch gesinnt ist, durch sein wohlge-ordnetes Kriegow> sen und durch die Gunst der öffentlichen Meinung in Deutschland .Preußen haiDeutschland gereuet; möge es auch da? innere Leben des deuischenDolksschützen und fördern! Dann gebührt ihm der Stolz, die erste deutsche Macht im mo-ralischen Sinne zu sein. Seine federfertigen Gegner begreifen nicht jene nordischeEigenthümlichkeit, welche der Himmel, der Boden, der Geist der Regierung und einernste? Sch cksal den Preußen aufgedrückt haben: eine Eigenthümlichkeit, die wolvormals einseitig und schroff war, auch zuweilen u> Anmaßung ausartete, die aberir» Unglück sich geläutert hat. Weniger begünstigt von der Nalnr als der Süddeut-sche, ist der Preuße, d. i. der Norddeutsche, thätiger und bei den Bedürfnissen seinerCivilisation sinnreicher. Fri, drichs I I. Rnbm und die von ihm gemachten Einrichtun-gen, selbst sein großerStyl in den Bauwerken, habe» der.Naiion, vorzüglich den Be-wohnern der Städte, das Ltrcben nach Glanz und äußerer Bedeutung gegeben, dasnicht selten statt der Wirklichkeit nur den Schein erreichte. Auch artete die Freiheit