Lehren hörte jed»ch auf, ein Geschäft der Priester zu sein, als die mythischen Re-ligionssvsteme sich abschlössen, und als die Dichter, Redner und Philosophen sichdes religiösen Lehrstoffs bemächtigten, blieb den Priestern nur die Handhabung derheiligen Gebräuche. Auf diesen Standpunkt setzte sie auch der Mosaismu«, derzwar große Gewalt in ihre Hände legte (vgl. Hohenpriester), das Amt desGeistes aber doch den Propheten vorbehielt. Aaron 'ü Nachkommenschaft, in derdie Priesterwurde erblich war, sank daher unter täglich wiederkehrenden Geschäftendes Tempeldienstes in einen Mechanismus, aus dem der Geist seiner Formen baldgewichen war. Nicht besser ging es der römischen Geistlichkeit, als sie die Strengeund Förmlichkeit des jüdischen Priesterthums annahm, um demselben auch in denVorrechten seiner Wurde zu folgen, und von den christlichen Laien ähnliche Ein-,künfle (z. B. den Zehnten) zu ziehen, wie einst der Stamm Levi von den übrigenStämmen genoß. Dem Stifter des Christenthums und seinen Aposteln war die-ses Bestreben ganz fremd. Die ersten eln istlicken Gem.indcn hotten Lehrer, diewol Ausleger der Geheimnisse Gottes und väterliche Freunde ihrer Schüler sein,aber weder bei gottesdienstlichem Gepränge wirken noch die Gewissen beherrschenwollten. Einige dieser Lehrer hießen Presbyter (st d.), woraus las WortPriester einstanden ist; die Amtsverrichkung dieser Ältesten erlaubt jedoch n chi, siein deni jetzt gewöhnlichen Sinne Priester zu nenne». Auch ist der Name Priesterjetzt nur den Geistlichen derjenigen Kirchen angemessen, die das Göttliche in sinn-lich anzuschauende Symbole und Bilder kleiden und dafürhalten, der Geistlichesei noch auf eine andre Weise als durch schriftmäßige L,hre und heiligen Wandel einVermittler der Menschen mit Gott . In dieser Bedeutung nennt die kath. Kirchediejenigen Geistlichen Priester, welche das heilige Amt der Messe verwalten (s.-Ordinarien), und hat ganz folgerecht auf den bchcrn Charakter ihres Priester-thum« die Ansprüche ihrer Herrschaft gebaut. Auch die lamassche und die moham-medanische Religion haben in der Person des Dalai-Lama und des Khalifcn Prie-sterreiche begründet. Das Priestcrtkum, das allein dem Charakter unserer Zeitangemessen scheint, ist die Würde und Macht über die Geister, welche Religionund Wissenschazt ihren Eingeweihten undPflegern ertheilen. (Dgl. Hierarchie,Geistlichkeit, Prediger.) L.
Priesterweihe, s. Ordination.
Priestley (Joseph), ein berühmter Chemiker und Physiker, geb. den 13.März 1133 in Porkspue. 1161 hielt er zu Warrington eine schönwisscnschaft-liche Akademie, die er aber 1168 aufgab, um der Einladung der Dissidenten vonLeeds zu folgen. Er hatte damals mehre theoretische Werke herausgegeben, welcheAufsehen machten, und sich auch ausserdem im Fache der Philologie, Geschichte,Politik und Physik versucht. In s. „lIGcwg' ol elenlricit/' (zuerst 1161) hatteer bereits gezeigt, wie gründlich er die Natur zu erforschen bemüht sei. DurchBeifall aufgemuntert, ließ er jetzt „I be bGor^ anst preiout state ul stiscoverie»re-I.ilin^ tc> v'i-ion. lixbr. anst colonrs" folgen (übersetzt von Klügelt „Geschichteder Entdeckungen in der -Optik", Leipzig 1115, 2 Bde., 1.). Mit dem GrafenShelburne machte er 1114 eine Reise nach dem festen Lande, und lebte währendk,S Winters mit ihm in London , welches s. wissenschaftlichen Beschäftigungengroße Vortheile gewährte. In diese Periode fallen verschiedene Arbeiten, die ihmden Ruf eines Naturforschers von, ersten Range erworben haben. 1113 machte erin den „stbiiloropliioal lianiaclions" eme Abhandlung (neu aufgelegt und ver-mehrt 1114) über verschiedene Lustarten bekannt. Dieses an neuen und wichtigenGegenständen reiche Werk macht« Epoche in der Kenntniß der luftformigen Flüssig-keiten, welche die Grundlage der neuern Chemie ist, und P.'S Name wurde durchdasselbe im ganzen gebildeten Europa bekannt. Schon 1112 hatten ihn s. Unter-suchungen zur Kenntniß der salpeter- und salzsauern Luftarlen, zum Gebrauch der