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Achter Band. O bis Q.
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Privatbühnen 85 H

jeher unter allen gebildeten Völkern verbreitet gewesen. Der Grund davon liegtklar am Tage. Der Mensch ist für den Menschen sowol der höchste Gegenstän-de!'Forschung und des Studiums als des Genusses. Mit Andern, oder sich inAndern zu empstnden, das eigne Leben sich in dem fremden spiegeln zu sehen undsein eignes Schicksal in den Schicksalen der Menschheit wiederzufinden, ist einReiz, dem sich deßhalb kaum widerstehen läßt, weil er sich auf das Gefühl gründet,daß wir ebenso ein Theil der Menschheit überhaupt als individuelle Erscheinungenderselben sind. Man sieht hieraus, daß hier unter theatralischen Gewissen nur die-jenigen verstanden werden, wo sich die Menschheit uns darstellt, wo wir, sei es imScherz oder Ernst, Theilnehmer fremder Leiden und Freuden, fremder Handlun-gen und Gesinnungen werden, daß wir daher diejenigen Vergnügungen ausschlie-ßen, welche, wenn auch aufder Bühne, doch nicht durch ihre eigenthümlichen Mit-tel geboten werden, und mehr Genusse der Schaulust heißen sollten als theatrali-sche Unterhaltungen. Die Privalbühne kann ihrer Natur und Bestimmung nachnur die wahre theatralische Unterhaltung bezwecken; Alles, was man Lpektakel(Schaugenuß) nennen muß, bleibt von ihr ausgeschlossen; denn es ist den Mitglie-der», die sich zu einer solche» Bühne vereinigen, nicht darum zu thun, den Beifallder Menge oder gar Geld zu gewinnen, sondern ihr wahrer Zweck ist Genuß durchdie Aufführung dramatischer Werke, Genuß an dieser Aufführung selbst durch denBeitall eines kleinen geselligen Kreises. Dieser Genuß gründet sich aus das e^elbst-bewußlsein schöpferischer Fähigkeiten, wodurch es möglich wird, Bildungen außersich aufzustellen, die des Beifalls Gebildeter würdig sind. Er ist also nicht eigen-nützig, sondern mittheilend, nicht das Herz beengend, sondern erweiternd. JeneFähigkeiten aber sind Phantasie, Verstand und Gemüth, welche in harmonischemBlinde wirkend, Das erzeugen, was man Kunstwerke im Allgemeinen zu nennenbefugt ist, d.h. nicht Meisterwerke des bildenden Genius, sondern Werke, die durchihre Gestaltung, durch Inhalt und Form die Menschheit in ihrer Gesammtheitansprechen sollen. Der Genuß, den die Mitglieder einer Prwatbühne suchen, istdaher nicht möglich ohne vielseitige Bildung, oder doch ohne ein reges strebendanach, denn sie müssen nicht nur die Dichtung, die sie versinnlichen wollen, ver-stehen und in sich aufnehmen, sondern dem Dichter gleichsam in seine geheimeWerkstatt folgen, um sinne Schöpfung zum zweiten Male schaffen zu können. Daman aus Privalbühnen großkemheils nur auf solche Stücke beschränkt ist, in denensich wenig oder nichts befindet, was auf bloße Schaulust berechnet ist, so wird esum so mehr Pflicht der Darsieller, den Geist der Dichtungen hervortreten zu lassen,und ihren Triumph in der Entfaltung des innern Menschen zu suchen. Dadurchwerden ihre Leistungen aber auch schwieriger als die auf öffentlichen Bühnen, woder Schauspieler durch den Reiz scenischen Reichthums und Glanzes unterstütztwird, und die Täuschung des Zuschauers, selbst bei unvollkommenem-Lpiel, eini-germaßen gerettet werden kann. Aus diesen, Gesichtspunkte betrachtet, kann manguteiiigerichkete Privacbichne» als die besten Schulen für Den empfehlen, der sichBerufzuui Darsteller auf den öffentlichen zutraut. Aus diesen wird er lange nichtso kräftige Anregungen finden, in den Geist seiner Rolle einzudringen, als auf jenen,indem die Menge, welche das Schauspielhaus füllt, sich weit leichter durch deniLchci» blenden last als der kleine Kreis gebildeter Zuschauer, die sich in einemPrivathaase versammeln. Da es uns bei der Einrichtung unsers bürgerlichen Le-bens zu sehr a» Veranlassungen fehlt, den mündlichen und persönlichen Vortragvon Gedanken und Gemüthsstimmunge» zu üben und zu vervollkommnen, so kön-nen Privarbühnen auch in dieser Hinsicht viel leisten. Der Darsteller muß hiernicht »ur sinngemäß, sondern auch ausdrucksvoll und nachdrücklich sprechen, undsinne Rede mit den passendsten, ja mit schönen Gebärde» begleiten lernen. Er er-hält Vertrauen zu sich selbst, eine gewisse Furchtlosigkeit, unentbehrlich für Den,