886 Proprehandel Prosa
arithmetisch« Linie, die gleich einem Maßstabe in gleiche Theile getheilt ist, oder de-ren Theile im arithmetischen Verhältnisse zu einander stehen. Ferner eine geometri-sche Linie, deren Theile in geometrischer Progression wachsen. Dann Linien fürden Sinus, für die Tangenten, für das Verhältniß der regnlairen geomeir. Kör-per rc. Es ist von Just Byrge, einem Meßkunstler des Landgrafen Wilhelm zuKassel , im 16. Jahrh, erfunden worden. Scheffelt s „Unterricht vorn Proportio-nalcirkel'' (Breol. 1781).
Proprehandel, Eigenhandel. So wird derjenige Handel einerNation genannt, welcher von den Kaufleuten derselben mit eignem Capital undfür eigne Rechnung geführt wird, und er steht in dieser Hinsicht dem äußern Spe-ditionen und Commissiorishandel des Landes entgegen. (S. Handel.)
Proprietär, der Grundbestandtheil des Eigenthumürcchrs. (S. Ei-genthum.)
Propst (aus dem lat. ?r.il-pn-ii »,<>), ein kirchlicher Vorgesetzter, der imRange gewöhnlich nach den Dekanen steht. Die kaih. Kirche nennt die Vorsteherder männlichen Geistlichkeit bei den Fraiienklöster» Pröpste, welche zugleich dieBeichtvater der Nonnen sind, oder die Vorsteher der Kathedralstifie, auch Dom-pröpste. Bei den Protestanten hat dieser Titel verschiedene Bedeutungen. Zn Ber-lin, BreSlau u. a. Stätten des nördl. Deutschlands heißen die Pastoren an denHauptkirchen, im Holsteinischen einige Unterbehörden der Superintendenten , Pröp-ste; überhaupt ist dieser Titel, vermöge alter Stiftungen, mit den obersten Predigt-ämtern an gewissen ausgezeichneten Kirchen verbunden, ohne daß sich jedoch für denGebrauch desselben eine allgemeine Regel ang-ben ließe. Feldpi opst ist der obersteGeistliche bei einem Heere, der die übrigen Feldprediger unter sich hat. Ir.
Propyläen, Vorhallen, hieven bei den Griechen die aus Süulen-gängen gebildeten Einfassungen der gewöhnlich viereckigen Plätze vor den Tempeln,auf welchen unter freiem Himmel der Dpferalrar stand. Berühmt sind die pracht-vollen Propyläen in Athen, welche zur Akropolis (Burg) führten und von Perikles nach dem Plane und unter Aufsicht des Mnesikles erbaut worden waren. Sie ent-hielten außer dem mittlern, zum Eingänge in die Burg dienenden Hauptgebäude,noch 2 Nebengebäude, wovon das eine durch treffliche Malereien ausgeschmücktwar, das andre einen Tempel des Siegs bildete. Nach ihrem Muster ist das bran-denburger Thor in Berlin aufgeführt.
Prorogativn, der Aufschub, die Hinauslehung auf eine künftige Zeit.— Prorogation der Gerichtsbarkeit heißt, wenn sich Jemand einer Gerichtsbarkeitunterwirft, welcher er sonst nickt unterworfen ist,
Pros a. Dieser Begriff kann nur in Beziehung auf den Begriff der P o e-sie (s. d.) richtig gefaßt und genau erklärt werden. Beide sind verschiedene Formender Sprachdarstellung, deren Grund in der wesentlichen Verschiedenheit gewisserinnerer Zustände liegt, welche d>r Mensch durch Sprache auszudrücken sucht. Hierzeigen sich nun die 2 Haupizustände desselben, welche wir Denken und Dichten nen-nen , und die von der vorherrschenden Thätigkeit des Verstandes oder der Phantasieabhängen. Wenn wir denken >m engern Sinne, so stellen wir uns bestimmte Ge-genstände durch Begriffe vor, und verbinden Begriffe unmittelbar nach dem Gesetzedes Verstandes; wenn wir dichten, so suchen wir das innere Leben des bewegtenGemüths anschaulich auszusprechen und verknüpfen Gedanken zu einem anschau-lichen Ganzen. In der Sprachdarstellung des Dichters herrscht daher der sinnlicheund individuelle Ausdruck der gefühlvollen Anschauung vor; beim (genieincn oderhöhern) Denken ab.r nimmt die Sprache die Allgemeinheit und Bestimmtheit derBegriffe an. Sonach ist Poesie Sprache der Anschauung, Prosa Sprache der Re-flexion. Dort ist der Zweck, das angeschaute innere harmonische Leben des Indivi-duums, das sich im Gefühle lebhaft ankündigt, zu veräußern; hier gilt es zunächst