meinten handeln durften. Die Zustimmung derselben bezeugte der uneingeschränkteBeifall, mit dem die Bekanntmachung dieser Urkunden in Hessen und Kursachsenvon den Freunden der Reformation aufgenommen wurde, unk immer haben nichtnur die Evangelischen in Deutschland , welche die Protestation der genannten Für-sten im politischen Sinne allein anging, sondern die Evangelischen undResormir-ten in allen Ländern überhaupt sich zu den darin ausgesprochenen und hier in denwesentlichsten Zügen urkundlich angegebenen (Grundsätzen bekannt. Die Benen-nung Protestanten hat daher einen zweifachen Sinn, je nachdem entweder die imdeutschen Reiche von der katkol. Kirche getrennten und durch gemeinsame Verpflich-tung auf die augsburgische Confession mit einander zu einer Religionspartei verbun-denen Stände nebst ihren Unterthanen, oder überhaupt diejenigen Christen, welcheden (Grundsatz des Widerspruchs gegen jedes menschliche Ansehen in Sachen desGlaubens und der ausschlieslichen Unterwerfung unter die Aussprüche der heiligenSchrift und ihrer damit übereinstimmenden Bekennlnißsckriften mit einander ge-mein haben, darunter verstanden werden. Hm erstern Sinne war diese Benen-nung allerdings an die rechtlichen Verhältnisse der deutschen Rcichsstände geknüpft,und auf die Reformirten, welche die augsburgische Confession nicht annahmen,wie überhaupt aufEvangelische außer Deutschland nicht anwendbar, weßhalb sieauch, da jene Verhältnisse nicht mehr bestehen, in der bekannten Auslassung derpreuß. Regierung vom 30. Huni 1811 für veraltet erklärt und in die Geschichteverwiesen werden konnte. Hm andern Sinne aber gehört der Ausdruck Prote-stanten keineswegs bloß der teutschen Reichs-, sonder» der Weltgeschichte, und,weil er in dieser ein lebendiges, fortwirkendes, sich immer weiter entwickelndesPrincip religiöser Denkart bezeichnet, auch der Gegenwart an. Beide Bedeutun-gen treffen in dem Begriffe zusammen, welchen die ersten protestantischen Gemein-den von diesem Namen hatten; nach demselben heißt derjenige Christ Prote-stant, der in Sachen des Glaubens und des Gottesdienstes die Willkür urd Ober-gewalt menschlicher Satzungen verwirft, die heil. Schrift als einzige Richtschnurseines Glaubens und Lebens anerkennt, die Freiheit, dieser Richtschnur allein zufolgen, fodert, und als Glied einer kirchlichen Gemeinschaft sich aus die Bekennt-nißschriften derselben, doch nur weil sie die biblischen Lehren und die einmükhigeÜberzeugung aller Mitglieder dieser Kirche enthalten, auf so lange, als dieseÜberzeugung auch die seinige ist, verpflichtet. Der gegenwärtige Sprachgebrauchbringt cS mit sich, die Glieder aller der Kirchen, die sich im Fortgange der Refor-mation unter der Leitung dieses Grundsatzes gebildet haben, Protestanten zu nen-nen. Dahin gehören die evangelischckutherische, die reformirte, die anglikanische,die mährische Brüderkirche, die Brüdergemeinde und jene Parteien, welche aus denStreitigkeiten der Reformation unter einander hervorgingen, wie die Remonstran-ten und Methodisten. Die Taufgesinnten, Quäker und Umtarier stimmen in derProtestation gegen den Papismus und jeden älssern Zwang mit den Protestantenübereilt, aber bei dieser Freiheit fehlt ihnen doch die Gesetzmäßigkeit, die der Pro-testantismus durch unbedingte Folgsamkeit gegen die klaren Entscheidungen desvon ihnen in einigen Punkten willkürlich gedeuteten göttlichen Wortes beobachtet.Der Protestantismus bedient sich der Freiheit des Glaubens, der Lehre und desGottesdienstes, die er seit seiner Entstehung unablässig behauptet hat, nur gegendie Anmaßungen menschlicher Machtsprüche, er vertheidigt sie gegen Alles, wasseinem Fortschreiten zu einer Hellern Erkenntniß, schnftmäßigern Lehre und erbau-lichern Gottesverehrung in den Weg treten will; aber er wehrt auch ebenso nach-drücklich die Willkür subjektiver Meinungen und Einfälle, den Einfluß wandel-barer Zeitigen und Vorurrheile von seiner Auffassung des Christenthums ab, in-dem er die religiösen Ansichten der Einzelnen dem Worte Gottes unterordnet unddessen Aussprüche, wie sie nach den Regeln einer vernünftigen Auslegung einander
57 *