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Achter Band. O bis Q.
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900 Protestantismus

gegenseitig erläutern und bestätigen, als zeitliche, über jeden Widerspruch erhabeneEntscheidungen achtet. Daher federt er von seinen Bekennern den Mauken an dieauf diese Art aus der heil. Schrift hervorgehenden Wahrheiten des Christenthums.Sie dürfen und sollen allerdings ihre Vernunft gebrauchen, um aus dieser alleini-gen Quelle immer genauer zu erforschen, was christliche Lehre sei, und der erforsch-ten Wahrheit die Form zu geben, in welcher sie nach Maßgabe der verschiedenenZwecke der Mittheilung derselben faßlich, erwärmend und fruchtbar werden kann —und dies ist insonderheit das Geschäft des evangel. L> hramws; — aber in den SLtoffund Gehalt der christl. Lehre Etwas einzumischen, was in den Ergebnissn einer red-lichen und bescheidenen Schristauelegung keine Bestätigung findet, wäre ein Ver-fahren, dem die geschichtliche Entwickelung und reinchristliche Richtung des Prote-stantismus durchaus keine Rechtfertigung gibt. Denn da der Geist des Prote-stantismus jedem seiner Bekenner die Pflicht auslegt, durch selbständige Erkennt-niß und eigne Überzeugung zum Glauben an die Wahrheiten des Christenthums zugelangen, so kann er zu denselben nur Das rechnen, was von der allgemeinen undhöchsten Vernunft, d. h. von Gott, geoffenbart ist, und daher die Vernunft jedesMenschen sowol vermöge ihrer ursprünglichen Verwandtschaft mit der göttliche»schon an sich befriedigen, als auch aus Ehrfurcht gegen dos allgemeingültige, ge-setzliche Ansehen göttlicher Aussprüche zur Unterwerfung verpflichten muß. DerProtestantismus läugnet zwar keineswegs, daß der Wille Gottes sich auch in derNatur und durch den Gang der menschlichen Schicksale kundgebe, bindet aber dieVersuche, diese hieroglyphische, nienschlichen Augen nicht klar und verständlich ge-nug vorliegende Offenbarung aufzufassen und zu deuten, an die Regel des Glau-bens, welche der religiöse Znyalt der heiligen Schrift, als der unzweiftlhafte-sin und deutlichsten Offenbarung Gottes, an die Hand gibt, weil er voraussetzt,nur in ihr habe Gott geredet und ausgesprochen, was christliche Lehre sei. (Dgl.Offenbarung.) So bewahrt er in seiner Freiheit den Gehorsam, den derMensch dem höchsten Gesetzgeber schuldig ist, und protestirt gegen das Eindringenselbsterdachker, deni schriftmäßigen Lehrbezriffe (s. Symbolische Bücher)nicht entsprechender Lehrsätze menschlicher Philosophie, wären sie auch von der Ver-nunft weiser Männer für wahr erkannt, ebenso ernstlich als gegen den Papis-mus. Demnach ist der Protestantismus , wie das Christenthum selbst, einobjectiv in sich abgeschlossenes System religiöser Wahrheit, dessen formale Aus-bildung und subjecttve Erkenntniß unablässig vervollkommnet und in Gesinnung,Wandel und Gottesdienst seiner Bekenner lebendig werden soll. Diesen hat er nachden Vorschriften des Je. Test. und dem Muster der ältesten christl. Kirche, in derden Bedürfnissen turnünftiger Menschen zusagenden würdigen Einfachheit, mitdem Vorbehalte geordnet, außer den von Christo selbst eingesetzten und daher unab-änderlichen Sacramenten (Taufe und Abendmahl) keinem Kirchengebrauch einedurch die Handlung selbst segnende Kraft beimessen, und, wenn die fortschreitendeErkenntniß Veränderungen darin nöthig macht, jedem eine zweckmäßigere Einrich-tung geben zu dürfen. Im Art. Reformation findet man die Eigenthümlich-keit und geschichtliche Bedeutung dcsProtesiantiSmue ausführlich dargestellt. Dochschon aus den hier angegebenen Grundsätzen desselben erhellt sein Verhältniß zumKatholicismus. Als Lehre und Gottesdienst kann jeder von beiden ohne den andernbestehen, ja das kirchliche Princip des einen schließt den andern aus, und, wennder Protestantismus den Katholicismus duldet und als christlich anerkennt, dieseraber jenen nicht dulden, für ketzerisch erklären und ausrotten will, so handeln beideihren Grundsätzen gemäß; nur beweist jener durch seine Demuth und Billigkeit,daß er, der Gesinnung nach, dem Urchristenthume näher stehe als dieser. Alsgeschichtliche Erscheinungen und Elemente der Bildung des Menschengeschlechtszeigen aber beide in der geselligen Reibung und Wechselwirkung ihres rvirklichmLe-