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Achter Band. O bis Q.
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Protestantismus und Reformation flach.) 901

bens, daß sie einander bedingen, anregen, warnen und ergänzen. (Dgl. Katho,licismus.)

Protestantismus und Reformation. Daß in der christlichenKirche über die Richtigkeit religiöser Ansichten gestritten, und daß Mißbräuche, dieeingeschlichen, gerügt worden: diese Erscheinung ist allen Zeiten gemein gewesen.Die Kirche entschied die Streitigkeiten, schloß die Andersdenkenden aus ihrer Ge-meinschaft aus und bewirkte auch die nöthigen Reformen. Der Charakter der Re-formation, die wir eigentlich so nennen, ist aber von jene» Arten der Reformenmannigfach verschieden; die Reformation war, wie jede große Begebenheit, durchdie Zeit vorbereitet. Es waren gegen das Ende des Mittelalters verschiedene Miß,brauche in der Kirche eingcrissen. Das Leben der Geistlichkeit ermangelte vielfachder Würde, die dcrStand g-bot. Selbst der Kirche Oberhaupt war nicht fleckenlos.Eine ungezähmte Geldgier hatte sich Roms bemächtigt. Laut foderte die Chri-stenheit eine Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern, und die Concilienzu Konstanz und Basel hoben manchen Mißbrauch. In die literarische Bildungdes Abendlandes kam durch die Eroberung von Konstantinopel ein neues Ferment,es wanderten die gricch. Gelehrten in den Occident , es blühete hier die alte Lite-raturauf. Nun erhob sich ein heftiger Streit zwischen den Freunden dieser altenLiteratur-—den Humanisten — und den Scholastikern, welche die Einführungder alten Sprachen für sehr gefährlich hielten. Indessen die Humanisten, Reuchlinan ihrer Spitze, siegten in Rom , ohne daß dadurch die Existenz und der Haß bei-der Parteien aufgehoben worden wäre. Überhaupt hatte das Zeitalter eine großeBeweglichkeit, und Alles deutete auf eine neue Zeit. — In dieser Zeit begab eSsich nun, daß die Ablaßmißbräucbe auf einen unerhörten Grad stiegen. PapstLeo X . schrieb zum Bau der Peterskirche einen unbeschränkten Ablaß aus. DerKurf. Albrecht von Mainz, der zugleich Cardinal war, beförderte ihn hauptsächlichin Deutschland , besonders in seinem Erzstifte Macsseburg. Der Dominicaner-orden erhielt den Auftrag, den Ablaß zu predigen. Tezel predigte ihn in Iüter-bogk, und um seine Waare anzupreisen, versicherte er, daß sein Ablaß ohne wei-teres die Sünde» nachlasse; um baares Geld wollte er für alle Sünde», wie nurimmer sie heißen mögen, Vergebung ertheilen. Die Lehrer der nahen UniversitätWittenberg nmfite e>n solches Spiel, das mit der Religion getrieben ward. höchlichärgern. Da erhob sich unter ihnen am 3l. öct. 1511 der Pros. Martin Luther ,ein Augustinermönch, predigte gegen den Ablaß und schlug 95 Theses an. HätteLuther sich darauf beschränkt, Tezel'S Behauptung, daß durch die Ablässe die Sündevergeben würde, zuwiderlegen, so würde der Streit bald aufgehört haben, indemes noch nie einem Theologen eingefallen, eine solche Behauptung auszustellen.Allein Luther besticht ganz die Ablässe und warf sich bald hernach in den alten phi-losophischen Streit über die Freiheit des Willens; er läuguete die Freiheit desWillens, welchemnach kenn — folgerecht — der Begriff von Sünde und Ablaß von selbst wegfallen mußte. Diese Theses erlegten die Aufmerksamkeit vonDeutschland, ja von Europa . Die Mchrzabl derGcbildeten hatte sich schon längerüber den Ablaßkram geärgert, und Lutyer'S Sache war sonach die ihre: eine Sache,der es nicht anders als nützen konnte, daß Luther '« Gegner im Anfange meist Ab-geschmacktheiten vertheidigten. Auch trafes sich, daß die Gegner der HumanistenLuther bekämpften, und auch Luth-r auf die allen Sprachen drang und sich, wiejene, über die Autorität von Aristoteles , ScotnS und selbst vom h. Thomas hin-aussetzte. Fehlen konnte es sonach nicht, daß seine Sache mit der der Humanistenvermischt wurde, und diese entweder seine Anhänger wurden oder doch wenigsten«unthätig blieben. Genug, Luther gewann Eingang , und es bedurfte nur noch desnach Kaiser Maximilians I. Tode eintretenden Reichsvicariatg des Kurfürsten vonSachsen , um der Lehre Lmher'ö Verbreitung zu verschaffen. — Luther griff iu