Band 
Achter Band. O bis Q.
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Protestantismus und Reforination (kath.)

fuhr fort zu lehren und zu schreiben, insbesondere gab er von der Wartburg aus —wohin er sich, um der Acht zu entgehen, zurückgezogen hatte — seine bewunderteBibelübersetzung heraus. Alles griff nun nach der Bibel und disputirte daraus;au vielen Orten, besonders in den Reichsstädten, ließ die Obrigkeit dergleichen Dis-putationen deü gemeinen Mannes in ihrer Gegenwart halten; es brachte jeder Theilso viel Latein, Griechisch und Hebräisch herbei, als auszubringen war, und derMagistrat gab die Entscheidung. Luther selbst aber, obgleich er die Bibel zur freienForschung hingegeben, konnte nicht den geringsten Widerspruch ertragen, s. Lei-denschaft gegen Andersdenkende war eine ungemessene. — Inzwischen ward 1522der Reichstag zu Nürnberg gehalten; der neu gewählte Papst Hadrian trug aufdie Beseitigung der Religionsstreitigkeiten an, indem er zugleich die aufrichtigstenGeständnisse über die Verderbtheit des röm. Hofs machte und diesen zu reformirenversprach. Der Reichstag trug auf ein Concilium an, und die weltlichen Fürsten legten die bekannten ION Beschwerden gegen den päpstl. Stuhl vor. 1524 wurdeaufeinem abermaligen Reichstage zu Nürnberg die Entscheidung der Relig-onssacheauf einen zu Speier zu haltenden Reichstag verwiesen. Am 15. Juni 1528 wardder Reichstag zu Speier eröffnet und auf demselben wiederholt auf ein freies allge-meines oder wenigstens Nationalconcilium angetragen und wegen des wormserEdicis beschlossen, daß dies-S von Jedem dergestalt solle gehalten werden, wie eres gegen Gott und den Kaiser zu verantworten sich getraue. Diese Ciausel wurdevon den Lutherischen so verstanden, als ob dadurch das worniser Edict aufge-hoben sei. Ein zweiter Reichstag zu speier ward am 15. März 1529 eröffnet,und durch Mehrheit der Stimmen über die so eben erwähnte Clausel beschlossen:„daß, weil diese Clausel bei Viele» in großen Mißverstand und zu Entschuldigungaller neuen Lehren und Sekten seitdem gezogen und ausgelegt worden, so solltenDiejenigen, die bei dem wormser Edict bisher verblieben, auch bei demselben biszum künftigen Concilium verharren; die Übrigen aber, bei denen die andre Lehreentstanden und ohne Aufruhr, Beschwerde und Gefahr nicht abgewandt werdenmochte, sollten sich hmfüro aller Neuerung, so viel nur möglich, enthalten; dieLehre, die dem hochwürdigen Sacrameut des wahren Frohnleichnams und Blutsunsers Herrn Jesu Christi entgegen, sollte bei den Ständen des h. Reichs nicht an-genommen, noch zu predigen und zu lehren gestattet werden, die Messe nicht abge,thau, auch Niemand an den Orten, da die andre Lehre entstanden und gehaltenwird, die Messe zu hören verboten, verhindert, noch dazu oder davon gedrungenwerden; gegen die Wiedertäufer solle ein neues kaiserl. Mandat bekanntgemachtwerden; was bereits zu Nürnberg der Prediger, Buchdruckerund Schmähschriftenhalber verordnet worden, solle erneuert werden, übrigens Keiner vom geistl. oderweltl. Stande den Andern des Glaubens halber vergewaltigen, dringen oder über-ziehen, noch auch s. Renk, Zins, Zehnten und Güter entwehren ; deßgleichen Kei,nee des Andern Unterthanen und Verwandten des Glaubens und anderer Ursachenhalber in sondern Schutz und Schirm wider ihre Obrigkeit nehmen". — Gegendiesen Reichsschluß nun protestirten die lutherischen Stände; daher haben die Evan-gelischen den Namen der Protestanten erhalten. Man würde aber sehr irren, wennman glaubte, bloß zum Schuhe religiöser Denkfreihelt sei jene Protestat,on gesche-hen; die am 18. April 1528 in der Reichsversanimlung verlesene Schrift derProtestanten entwickelt vielmehr deren Motive lolgendergestalt: „Der Schluß desvorigen Reichstags sei mit Einstimmung aller Stande gemacht worden, er könnedaher auch nicht ohne gemeinschaftl che Bewilligung widerrufen und zurückgenom-men werden; den, jetzigen, vermöge dessen sie sich aller Neuerungen enthalten soll-ten, könnte» sie nicht beitreten, ohne selbst der Lehre, die sie bis daher als die wahreund heilsaine bekannt, untreu zu werden, und zu gestehen, man inüsse diese Lehrewieder verlassen, wenn es nur keine Unruhen gäbe; was die Messe angehe, sei es