Band 
Achter Band. O bis Q.
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Provence

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Das Klima ist feucht und veränderlich; ein eintretender Nordwind verwandeltschnell die größte Hitze in schneidende Kälte, und im Sommer folgt ein Regen demandern. Der steinige, trockene und dürftige Boden erlaubt nur einen geringenAckerbau, welcher, ungeachtet des Fleißes des Landmannes, kaum die Hälfte desGctreidebedarfs gewährt, weil solches flach wurzelt. Dagegen benutzt man dieviele» Steine zu Steinmauern, an deren Sonnenseite die Pflanzen flehen missen,die solche nicht entbehren können, und an deren Schalten diejenigen gestellt wer-ken, die keine starke Sonne lieben. Kartoffeln, die in Menge gebaut werden,muffen das Fehlende erseken. Wein, Mandeln, Feigen und andre edle Früchte,Kapern, Oliven kommen in mehren Gegenden fort. Von den zahlreichen Mine-ralien werden wenige, selbst die Salzquellen nicht benutzt. Fabriken gibt es inwenigen Städten. Ein Erwerbzweig der armen Bewohner besteht hauptsäch-lich in der Auswanderung in andre Provinzen, wo sie den Sommer durch ihrerHände Arbeit Etwas verdienen; ein andrer Theil nährt sich vom Hausiren. Vonder Niederprovence wird der nördl. und östliche Theil gleichfalls von den Alpinendurchzogen, die sich auf der Grenze von N>g;a von den Seealpen trennen und u. d.N. Maures die Provinz durchziehen. Sie sind größtentheils nackte unbewaldeteFelsen, doch mit aromatischen Pflanzen, als Rosmarin, Lavendel, Thymian, Sal-bei w. bewachsen. Der westl. Theil und der Küstenstrich sind eben und zum Theilmorastig. Einen Raum von 18 s^M. nimmt die Crau ein, eine Fläche, woraufman nichts als Sleiugesckiebe sieht, die spärlich mit Lehm vermischt sind und wenigmehr als Wermuth und Lavendel hervorbringen. Die vornehmsten Flüsse sind dieRhone , welche hier ins Meer sich ergießt, die reißende Durance, deren Überschwem-mungen v clen Schaden anrichten und deren Bedeichung das große Thal in einenGarten verwandeln würde, und der Dar als Grenzfluß gegen Nizza . Das Klimaist italienisch; man kennt kaum Frost und Schnee, wohl aber starke Reise, welchehäufig der Olive und den zärtlichen Südfrüchten schädlich werden. Die Hitze imSommer ist oft unmäßig, und es regnet selten. Schon im Jan. bekleidet sich dieErde mit frischem Grün, und im Febr. steht Alles in Blüthe, doch führt der kalteNordwestwind, hier Mistral genannt, häufig Frost und Reif zurück, hält abernicht lange an. Die Rindvieh- und Pferdezucht ist nicht bedeutend, wichtig istdie Schafzucht, auch hält man eine Menge Ziegen. Die Bienenzucht lieferttrefflichen Honig und Wachs. Die Seidencultur ist beträchtlich, sowie auch dieFischerei. Der Wein - und Olivenbau ist sehr ausgebreitet. Ein Theil des treff-lichen Öls wird unter dem Namen Provenccröl ausgeführt. Aus den geringenWeiniorlen macht man Branntwein; auch wird eine große Menge Rosinen ge-trocknet. Keine Provinz Frankreichs ist so reich an edeln Südfrüchten; manzieht köstliche Feigen, Mandeln, Kastanien, Maronen, selbst Orangen, Citronen,Granaten, Datteln und süße Paiatcn im Freien. Vom Obste hat man dasmeiste Kern- und Steinobst; Prunellen und Perdrigvnen, Mispeln, wälsche undHaselnüsse sind einträgliche Handelsartikel. Auch kommen Kapern, Süßholz»Rosinen, Trüffeln in den Handel. An Holz ist drückender Mangel; daher istkein großer Bergbau möglich, obgleich eg nicht an Metallen, als Kupfer, Blei,Eisen, fehlt. Man gewinnt fast bloß Steinkohlen, die einigermaßen den Holz-mangel ersetzen, und Seesalz. Die Bewohner der Provence , die Provenza-lcn, zeichnen sich sehr von den übrigen Franzosen aus, Sie sprechen eine alt-romanische Mundart, welche näher mit bem Italienischen als mit dem Französi-schen verwandt und nicht übelklingend ist. Sie sind heftig, leidenschaftlich undunbeständig, dafür aber auch ohne Falsch, gutmüthig und, trotz ihres Leichtsinns,brav, änisig und arbeitsam. Die niedern Classen zeichnen sich durch eine derbeuntersetzte Statur, ein rauhes struppiges Haar, äußerst kräftige, leidenschaftlicheGesichtgzüge, besonders aber durch wilde, blitzende Augen aus. S>ie lieben das

CoiwcrsakionS-Ltticoa. Bd. VUI. ^