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Achter Band. O bis Q.
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914 Provenzalen

Vergnügen über Alles, und man findet mancherlei bemcrkenswerthe Volkslust-barkeilen bei ihnen. Sie sind übrigens fleißige Landleute, unerschrockene Fischerund <Lchiffer, thätige Kaufleute und geschickte Manufacturisten, welche beson-ders Seidenwaaren, Seife und Leder verfertigen. Bekannt sind die Städte:Marseille, Tvulon, Aix, Arles, Graffe, Tarascon, HyöreS, Antibes , Fröjuüund andre.

Provenzalen heißen die ritterlichen Dichter des 12. und 13. Jahrh,im südlichen Frankreich und in Span en. Diese südlichen Landschaften führtendamals den gemeinschaftlichen Namen Provence . Unter dieser ist also nicht nurdas Land zwischen der Rhone und dem Var zu verstehe», sonder» auch, was sonstLanguedoc, Gascogne, Auvergne, Bourgogne hieß, vereinigt seit dem Anfangedes 12. Jahrh, (unter Raimono Berengar I I,, zuvor Graf von Barcelona oderEatalonien, und dann durch Veiheirarhiing Graf von Provence und als solcherRaimond Berengar I.), dann erweitert durch Aragonien und eimn großen Theildes südlichen Spaniens . Die Unterthanen hießen Provinziales oder Proceneaupund waren durch die Loire von den weit rötern Fraiwais geschieden. Sudsrank-reich, schon sonst diirch die Eolonien der Griech n, z. B. Vearseille, und durch dieNähe der Römer mehr verfeinert und durch schönern Himmel und sretsinnigereRegierung begünstigt, war bis zum 11. Jahrhundert dem Norden in der Bildungsehr vorgeeilt und im Besitze einer Sprache, die, aus römischen und germanischenWörtern gebildet, sich durch Klarheit, Zartheit, Wohlklang und Reichthum soauszeichnete, daß sie die Sprache der Gebildeten auch in Katalonien, Valencia ,Majorca w, ward. Eine solche Sprache, die Verfeinerung des damalig! n Adelsdurch die Bekanntschaft mit dem Orient, namenil ch mit den dichtenden Arabern,die durch Reisen und 'Abenteuer geweckte Phantasie und vergrößerte VcrstanteS-bildung, die herrschend gewordene romantische Skimniung und der durch den Han-del erzeugte Wohlstand, Alles dieser weckte die Geister, weckte die Poesie; mansang Krieg und Abenteuer, Religion und Liebe, und fand viel Ermunterung undlauten Beifall, besonders von Seiten der in den Liedern verherrlichten Frauen.Bald war der ganze Adel poetisch, und Alles, was Bildung hatte in der Provence ,deren Fürsten , besonders Raimond Berengar III. und V., die Dichtkunst sehr be-günstigten. Unter ihrer Herrschaft und an ihren Höfen, damals den gebildetstenund prachtvollsten in ganz Europa , gehörte es zum guten Tone, einen Kreis vonDichtern aus dem Adel um sich zu versammeln. Poesie und Gesang, Lurch diekaute, Harfe oder Violine begleitet, niußte jede Festlichkeit verherrlichen, daherDiele herumreisten, um durch solche Gaben die Freudenfeste zu verschönern. DieNamen Provenzal und Dichter wurden fast gleichbedeutend. Ihre Lieder, indenen sich der Reim ausbildete, die oft weniger aus poetischer Begeisterung alsaus Nachahmungssuchk hervorgingen, theilt man in 3 Hauptarlcn: 1) Eanzonen,Lieder d>r Minne, bald süße, fröhliche (dicinüni), bald klagende Liebesbeder (l ai»),bald idyllische (i^tourcücH, bald religiöse, bald didaktische Lieder. 2) 8>r-roiitv5, Dienst- oder Loblieder zu Ehren der Helden und Fürsten , woran sichpatriotische und Kriegslieder schließen. 5) Tenzo-nen (I'en.-.vni-), bald Wetlgesangeüber galante Streitfragen, die an den Liebcehöftn (coui.<> >I'.,in»ui) recitir: wur-den. Am liebste» sangen sie jedoch Frauen und Liebe, wetteifernd, ihre Damenals Idole und Ideale zu verherrlichen, aber nicht so herzlich und so züchtig, wie diedeutschen Minnesänger. L:o wenig uns nun ihre Gedichte im Ganze» zusagen,da nur einzelne feine und treffliche Stellen in ihnen zu finden sind tzdft überhauptim Originale gelesen werden niüffen, weil der meiste Reiz m> Ausdrucke liegt), undso wenig ihre Lieder wahrhaft poeiische» Werth haben, da sie selten Etwas festhalten, und oft mehr phantastische Ziererei und alltägliche Reimerei als Widerhalleines begeisterten Gemüths sind, so darf man doch die großen Vortheile nicht ver«