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Achter Band. O bis Q.
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924 Pubertät

bestimmt für das weibl. Geschlecht das 12., für da« männliche das 14. Jahr alsdie Zeit der Geschlechtsreife und Mannbarkeit. Höchst merkwürdig sind die Er;scheinungen körperlicher und geistiger Art, welche gleichzeitig mit dieser Periode be-obachtet werten und theils von dem Mannbarwerden selbst, theils aber, und wahr-scheinlich in der größern Zahl, von der Lebenslhätigkeit abhängen, wodurch auch dieMannbarkeit ausgebildet wird. Wenn nämlich das Kindesalter ausgezeichnet istdurch em Leben in der heitern Gegenwart rmd durch leichtere Befriedigung in der-selben, wenn in demselben stets alle Functionen nur auf die Erhaltung des eignenJndwiduume hinwirken, wenn insbesondere die GeschlechtSiheile, welche der Er-haltung der Gattung, also der Einwirkung in die Zukunft, bestimmt sind, gleichsamnur vorgebildet und zu ihren eigenthümlichen Verrichtungen noch nicht ausgebildeterscheinen, so ändert sich alles dies in der erwähnten Periode oft auffallend plötzlich,bisweilen unter lebhaften Stürmen. Da sieht man den vorher lebhaften und leichtbefriedigten Knaben, das bisher unbefangene und heitere Mädchen zuerst sinnigund i» sich gekehrt, die Einsamkeit suchend und sich trennend von den Gespielen derJugend, welche vom ankern Geschlechte sind. Während dessen wird die Plastikdes Lebens bedeutend erhöht, der Körper wächst gewöhnlich in kurzer Zeit schnellerals vorher. Die Hoden vergrößern sich, oft unter Schmerzen, und fange» an,wirklichen Samen abzusondern; der Uterus bildet sich aus und sondert das imÜberfluß ihm zuströmende Blut in monatlichen Perioden, oft unter mancherleikrankhaften Gefühlen aus; die Brüste wölben sich; in beiden Geschlechtern wirddie Stimme zuerst rauh und unangenehm und erhält dann den metallischen reinenTon, der im männlichen Geschlechte tief, im weib ichen zwar hoch, aber vom Kin,dertone sehr verschieden ist. Als Zeugen des Überschusses der bildenden Kraft bre-chen bei beiden Geschlechtern an den GeschlechtSiheile» vorzüglich, jedoch auch anandern Deren, und beim werdenden Manne namentlich auch im Gesichte, Haarehervor. Nachdem diese Krisis überstanden ist, so st.ht der Jüngling und die Jung-frau in aller Blüthe und aus der Höhe des Menschenlebens wie verwandelt da.Gleichsam mit andern Sinnen betracht, » sie die Welt und ihre Erscheinungen, imGlänze der Hoffnung erscheint ihnen die Zukunft, in der sie mehrals in der Gegen-wart leben, das Neich der Ideen und Ideale geht ihnen auf, und sie werden zu dengrößten Anstrengungen aufgelegt, sie zu realisiren; ein mächtiger Trieb, in dieAußenwelt einzugreifen, regt sich im Jünglinge, während die Jungfrau schamhaftsich selbst es verbirgt, wozu sie berufen, und welches ihr Wirkungskreis sei; Beidenleuchtet das Bild terLiebeaus lichten Fernen als Lohn der Mühen, als die höchsteder irdischen Seligkeiten entgegen. Das ist die goldene Zeit, welche von Dichternnicht genug gepriesen werden kann, deren Seligkeit nie wiederkehrt, und an die jedesfühlende Heiz mit Entzücken zurückdenkt; das ist aber auch die Zeit, die über dasganze künftige Leben entscheidet. Diese Epoche ist oft durch Krankheit getrübt undentstellt. Bei Einigen tritt sie in Folge früh rer Krankheiten, welche die bildendeKraft schwächen, zu spät und unvollkommen ein, bei Andern hingegen zu früh,und lst im crstern Falle gewöhnlich mit Kleinh ii und Schwäche des Körpers, so-wie mit einem verkrüppelten Geiste, im zweiten aber mit heftigen Stürmen ver-bunden , welche jedoch auch von zufälligen Ursachen abhängen können, die währenddieser Epoche die Natur in ihrem Wirken störten. I» dieser Zeit namentlich wirdso leicht das Gefäßsvstem überreizt, und Wallungen, Entzündungen, Blutungenoder allgemeine Vollblütigkeit sind die Fo'gen davon, die beim weiblichen häufigerals beim männlichen Geschlechte vorkommen; oder das Nerven-und Geisteslebenwird übermäßig erregt und aus seinen S chranken gerückt, und es entstehen darausdie mannigfaltigsten Formen krampfhafter Krankheiten, Fallsucht und Veitstanz,sowie bemerkenswerthe Abweichungen der Geistesthätigkeiten, die sich bald als krank-hafte Mitleidenschaft und Nachahmungssucht, Romancnsucht und unersärtliche