Buch 
1 (1814) Physisch- und chemische Grundsätze der Färbekunst / von ... Johann Bartholomae Trommsdorff
Entstehung
Seite
57
JPEG-Download
 

57

Täuschung dem dunkeln, der an den hellen amgrenzt, zugeschrieben. Wenn man z. D. ein Fen<sterblei zwischen zwei hellen Scheiben mir demPrisma betrachtet, so rühren die farbigen Nämder eigentlich von den Scheiben her, zwischendenen das Blei ist; es scheint aber, als ob siesich an dem dunkeln Blei befänden.

§. 6i.

Man muß natürliche und zufälligeFarben unterscheiden. Natürliche Farben sinddie, welche vorn Sichre selbst herrühre»; zufälli-gcr sind solche, die nicht dem Lichte eigenthüm-Itch sind, sondern von einer besondern Beschaf-fenheit oder einem besondern Zustande des Augesherkommen. Die zufälligen Farben rühren beigesunden Augen daher, daß der Eindruck, dendas Licht oder die Farben auf der Netzhaut ma-chen, noch eine Zeitlang nach dem Anschauenfortdauert (§. 5z.) und also die gehabte Empfin-dung auch auf anders gefärbte Körper überge-tragen und mit ihrer Farbe vermischt wird, da-her diese in einer andern Farbe erscheinen, alssie wirklich haben. Z. D. Wenn man erst gegendie Sonne gesehen hat und hernach auf eine imSchatten liegende Schrift siehet, so bleibt zwardaS Papier weiß, aber die schwarzen Buchstabenerscheinen roth. Besonders siehet man derglei-chen zufällige Farben bei geschlossenen Augen.Drückt man das geschlossene Auge mit dem Fin-ger im innern Augenwinkel, so siehet man einbuntes Bild des ganzen Augensterns, welchesvon dem wenigen durch die Augenlicder einfal-lenden Lichte auf der Netzhaut entworfen wird.Ost haben auch die zufälligen Farben ihren Grund