5§ Von der Nachahmung
bare, zumahl da sie den Grund und dieQuelle Mer Würcklichkeit in sich hat; al-leine weil sie vor den groben 'Linnen gantzverschlossen ist, so hat sie vor die Einbil-dung nicht mehrere Wahrheit als die mög-lichen Dinge, und der Poet muß diese un-sichtbaren Wesen in sichtbare Cörper, hie-mit in eine gantz fremde Natur einkleiden,wvferne er sie der Phantasie vernehmlichund fühlbar vorstellen will, in welchem Stü-cke seine Kunsi sich ungemein geschickter uudverwundersamer erweiset, als in der Nach-ahmung der sichtbaren Wercke.
Meine dadieserZusammenhangder würck-lichen Dinge, den wir die gegenwärtige Weltnennen, nicht lediglich nothwendig ist, undunendlich vielemahl könnte verändert wer-den , so müssen ausser derselben noch unfehl-bar viele Welten möglich seyn, in welchenein anderer Zusammenhang und Verknü-pfung der Dinge, andere Gesetze der Na-tur und Bewegung, mehr oder wenigerVollkommenheit in absonderlichen Stücken,ja gar Geschöpfe uud Wesen von einergantz neuen und besondern Art Platz haben»Alle diese mögliche Welten, ob sie gleichnicht würcklich und nicht sichtbar sind, ha-ben dennoch eine eigentliche Wahrheit, diein ihrer Möglichkeit, so von allem Wider-spruch frey ist, und in der aüesvermögen-den Kraft des Schöpfers der Natur gegrün-det