Von dem Neuen- 121
^ bestehet in der Grösse der Seelen, eben„ wie die Schönheit in einer gemessenen„ Grösse des Leibes. Junge Leute können,,> wenn sie klein sind , wohl artig und wohl-,, gemacht, aber nicht schön genannt wer-„ den. „ Und in seiner Poetick will er we-der dem allzu grossen noch dem allzu kleinenden Nahmen des Schönen zugestehen.„ Nichts allzu kleines kan schön seyn , sagt,, er im siebenden Cap. § 5. weil das Gesichtsich in einer Sache verliehret, von der„ man einen schier unvermerckten Blick ein-„ nimmt. Auch nichts allzu grosses kan schön,, seyn, weil man es nicht auf einmahl über-siehet, und indem man seine Theile nach„ und nach, einen nach dem andern, siehet,den Begriff von dem Gantzen verfehlet,,, wie wenn man ein Thier zehntausend Sta-diagroßübersähe.,, Aus diesem könnte nunjemand den Scbluß ziehen wollen , daß hie-mit auch in der Poesie das Schöne undVer-wundersame weder bey allzu grossen, nochbey allzu kleinen Dingen statt haben könne.Alleine man beliebe sich hier vorzustellen, daßder griechische Weltweise von der Schönheitder sichtbaren Dinge redet, insofern dieselbedurch das menschliche Auge entdecket wird;er nimmt daher dieses Wort in einem garengen Verstand, und setzet die wesentlicheSchönheit körperlicher Dinge in einer Ord-nung und Uebereinstimmung der Theile, dieH 5 dem