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Johann Jacob Breitingers critische Dichtkunst : worinnen die poetische Mahlerey in Absicht auf die Erfindung im Grunde untersuchet und mit Beyspielen aus den berühmtesten Alten und Neuern erläutert wird / Johann Jacob Breitinger ; mit einer Vorrede eingeführet von Johann Jacob Bodemer
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424 Von der Wahl

Die Zunge stirbt mir in dem Munde;

Die Gluth durchlauft mir Marck und Bein.

Mein Auge hat sein Licht verlohrcn;

Ein Brausen fallt mir vor die Ohren;

Ich schwitze kalt; die Glieder beben;

Die Farbe welckt; bald geht das Leben

Mir vollend mit dem Odem aus.

Und zu diesem Exempel füget Longinus fol-gende Anmerckung hinzu: Bewunderst du nicht, wie sie bey einer einzigen Sache die Seele, den Leib., das Gehör, die Zunge, die Augen, die Farbe, mit ein- mahl herzuholet, als ob es so viele ver- schiedene Personen wären , die gleich den Athem ausblasen wollten? Von was vor widrigen Bewegungen wird sie nicht zu- gleich eingenommen ? Sie friert, ihr ist heiß, sie ist thörigt, sie ist klug ; sie ist,, entweder ausser sich, oder sie ist beynahe,, todt. Kurtz man könnte sagen, sie wäre nicht von einer Leidenschaft alleine einge- nommen, sondern ihr Hertz wäre ein rech- ter Sammelplatz aller Leidenschaften. Und dieses begegnet den Verliebten in derThat. Also hat besagtermassen dieWahl der Um-stände und ihre geschickte Verbindung das Erhabene allhier zuwege gebracht.,. Wasdieser griechische Kunstlehrer hiemit alleine vorein Mittel, das Erhabene hervorzubringen,vorgeschlagen hat, können wir auf alle Anen

der