Reden und Sprüchen. 49z
seiner Poetick §. 17. lehret, wenn er sagt:„ Die Sitten sind dasjenige, was die Nei.„ gung des Redenden, und den Entschluß„ offenbaret, den er in Fällen, da man ihn„ sonst nicht leicht erkennen könnte, fassen„ wird; Daher sind alle Reden, welche nicht„ gleich zu vernehmen geben, was der Re-„ dende vor einen Rath ergreiffen wird,„ ohne Sitten und Characrer. „ Wennder Poet in seinem eigenen Nahmen redet,so muffen seine Reden und Sätze auf die ei-gentlichste und bündigste Wahrheit als ihrWesen gebauet seyn, weil er verbunden ist,richtig zu gedencken. Ja er muß in diesenStücken um so viel sorgfältiger seyn, weilmehr oder weniger Verstand, den er darin-nen zeiget, ihm auch in den übrigen mehrodevweniger Ansehen erwirbt. Was aber dieReden sind, die er seinen Personen in denMundleget, so isis genug, wennste eineVer-hältniß-oderBeziehungs, Wahrheit in sichhaben , das will sagen, wenn sie mit demCharacter und dem Zustande des Redendenübereinstimmen; weil alsdann der Poetnicht auf die Wahrheit des Satzes, son-dern auf die Wahrheit des Charäcters undder Leidenschaft sieht: Also können wahrkSätze in dem Mund einer Person sehr tadel-haft seyn, wenn sie nicht in solchen Umstän-den steht, daß sie solche gedencken kan; dahingegen ein falscher Satz darinn viel Artig-keit