Es könnte zwar auffallen, dafs unsere Vorfahren so spät darauf gefallen sind, dieSteine, als ein Material, welches sie täglich bearbeiteten, zur Sicherung der Gruben-baue anzuwenden, und die Kunst zu mauern auch beim Bergbaue anzuwenden; wennman jedoch berücksichtigt, dafs; 1) das Holz in hinlänglicher Menge vorhanden und da-her wohlfeil war, dagegen 2) das Schiefspulver noch nicht zur Sprengung des Gesteinsangewendet wurde und daher das Brechen der Steine kostbarer war als gegenwärtig— so wird sich dieser Umstand leicht erklären.
Ein ausgemauerter Tageschacht auf dem Romanusstolln zu Siebenlehn, der zu Endedes vorigen Jahrhunderts entdeckt worden, und unter dem Namen des Steinschachtesbekannt ist, dürfte sich wohl aus jenen Zeiten herschreiben, weil der Bergbau zu Sie-benlehn einige Jahrhunderte lang nicht gangbar gewesen ist. Die Steine in diesemSchachte waren von sehr unregelmäfsiger Gestalt, und es dürfte daraus zu schliefsensein, dafs sie schwer zu brechen gewesen sind.
Beym Harzer Bergbaue scheint die Einführung der Grubenmauerung, und zwar nichtnur der trocknen, sondern auch der nassen, weit früher hinaus zu setzen zu seyn, alsbeym Sächsischen; denn Utmann erwähnt schon, in seinem Berichte vom Rammeisbergezu Goslar, vom Jahre 1565: „An etlichen Orten des Rammeisberges haben die Alten„grofse und-hohe Gewölbe mauern lassen, eines Theiles doppelte Bögen übereinander,„und ist an denen Orten, da ihre Heinzen gehangen, und nuninehro die Wasserkünste„hangen, damit dieselben vor dem Wändefallen sicher seyn, welche Gewölbe mit Kalk„gemauert seyn, und viel müssen gekostet haben.“
Dennoch hat die Grubenmauerung auf dem Harze keine so ausgebreitete Anwen-dung gefunden als in Sachsen, sowohl weil im Allgemeinen das dortige Grauwacken-gebirge nicht so gute Mauersteine giebt, Welche bey Weitem mehr Bearbeitung erfor-dern als der in Sachsen angewendete Gneus, Glimmer- und Thon-Schiefer; als auch,W'eil der dortige Bergbau, hinsichtlich der Menge, Auswahl und Wohlfeilheit des er-forderlichen Grubenholzes, sich in weit günstigeren Verhältnissen befindet, als derSächsische, demnach die Nothwendigkeit, Mauerung anzuwenden, ihm weniger nahe ge-rückt ist.