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§• 9 .
Schlüfslich mufs ich noch eines Gegenstandes Erwähnung thun, welcher zwar mehrfür die übrigen Zweige der Baukunst von Wichtigkeit ist, der jedoch in einzelnen Fäl-len auch bey Ausführungen der Grubenmauerung, z. B. bey Tageröschen, Stollnmund-löchern u. dergl. zu berücksichtigen seyn dürfte. Es ist diefs die sogenannte Eisklüftig-keit der Steine, d. h. deren mehrere oder mindere Geneigtheit sich, der Witterung unddem Wechsel der Temperatur freygestellt, nach und nach zu zerbröckeln und in klei-nere und gröfsere Stücke zu zersetzen, was vorzüglich während und nach Verlauf desWinters zu geschehen pflegt.
Nach vielfachen Untersuchungen ist man endlich in der neuesten Zeit in Frankreichdahin gelangt, diese Eigenschaft, welche manche Steine zu Ausführungen ganz untaug-lich macht, und welche man früher erst aus dem Verhalten des hergestellten Mauer-Werkes selbst zu erkennen vermochte, durch vorhergehende Versuche zu finden.
Ich werde daher die Instruction, welche in Frankreich für die Anstellung von Ver-suchen dieser Art gegeben und in den Annales de Chimie et de Physique , Juin 1828p. 189 enthalten ist, hier beyfügen.
Practische Instruction, um die Bausteine nach dem Verfahren des Hm. Brard zuprobiren, verfafst von Hericart de Thury.
1) Man wählt die Probestücke von den zweifelhaften Punkten der Steinbank, welcheman versuchen will, z. B. von denjenigen Stellen, welche Verschiedenheiten inFarbe, Korn oder Ansehn bieten.
2) Man läfst diese Proben in scharfkantige Würfel von 2 Zoll Seitenlänge schneidenoder sägen; wenn die Stücke nur geschlagen werden, so können sie durch dasSchlagen Risse oder Erschütterungen bekommen und so fälschlich schlechte Stellenzeigen, welche gar nicht von der Beschaffenheit des Steines, sondern nur von derKraft, welche ihn zerbrochen hat, herkämen.
3) Man numerirt oder bezeichnet jedes Probestück mit Chinesischer Dinte oder miteiner Stahlspitze, und bemerkt genau den Ort und die Stelle, von welcher'derWürfel weggenommen ist.
4) Man läfst in einer der Zahl der Probestücke, welche man untersuchen will, ange-messenen Menge Wassers, so viel Glaubersalz (schwefelsaure Soda) zergehen, alses kalt auflösen kann, und um gewifs zu seyn, dafs dieses Wasser nicht mehr auf-zunehmen vermag, mufs etwas Salz auf dem Boden des Gefäfses, eine oder zweyStunden, nachdem man es hineingeworfen hat, liegen bleiben. So ist z. B. einPfund Salz hinreichend, um eine gewöhnliche Flasche Wasser, von der Tempera-tur der Brunnen, ohngefähr 12 Grad Reaumur, (15 Centigrad) zu sättigen.
5) Man erhitzt dieses salzhaltige Wasser in irgend einem Gefäfse, bis es stark auf-wallt, und taucht dann alle Probestücke hinein, ohne es vom Feuer wegzubringen,und indem man die Würfel so hineinlegt, dafs sie ganz mit Wasser bedeckt sind.
6) Man läfst die Steine eine halbe Stunde lang sieden. Die von Herrn Vicat ange-stellten Versuche beweisen, dafs man sie nicht länger sieden lassen darf ohne inGefahr zu kommen, die Wirkung des Gefrierens zu übersteigen; daher ist diesesAufwallen von 30 Minuten das Aeufserste.
7) Man zieht ein Probestück nach dem andern heraus, und hängt sie an Fäden auf,so, dafs sie an nichts anstofsen. Unter jedes derselben stellt man ein mit der Auf-lösung, in welcher sie gesotten wurden, gefülltes Gefäfs, wo bey man aber Sorgeträgt sie ruhig zu lassen und den Bodensatz, welcher immer Staub oder von denProbestücken abgefallne Körner enthält, wegzuwerfen.
8) Wenn das Wetter nicht zu feucht oder zu kalt ist, so wird man, 24 Stundennachdem diese Steine so aufgehängt worden sind, ihre Oberflächen mit kleinen,weifsen, salzigen Nadeln bedeckt finden, welche in der Art wie sie erscheinen,dem Salpeter der Keller ganz gleich sind. Man taucht diese Steine in das Gefäfs,welches unter jedem derselben steht, um die ersten salzigen Beschläge abfallen zulassen. Man wiederholt diefs so oft als die Nadeln sich wieder hergestellt haben;vorzüglich findet man sie nach der Nacht häufiger und länger als den Tag über,was es rathsam macht, den Versuch in einem verschlossenen Zimmer, in einemKeller oder dergl. anzustellen.
9) Wenn der Stein, welchen man versucht hat, nicht eisklüftig ist, so wird dasSalz nichts mit hinwegnehmen, und man findet auf dem Boden des Gefäfses weder