haupt bey Veranschlagung der Haltbarkeit der Gewölbe möglichst wenig zu rechnenist, im völligen Gleichgewichte zu stehen, daher auch gegen anders construirte Gewöl-be, der verhältnifsmäfsig kleinsten Widerlager zu bedürfen; sondern auch einem aufallen Punkten gleichmäfsig darauf wirkenden, als auch, bey vermehrter Verstärkungnach den Widerlagern hin, einen solchen Drucke den gleichinäfsigsten Widerstand ent-gegen setzt, dessen Gesammtmasse sich oben durch eine Horizontallinie begränzenläfst. Taf. II. Fig. 16 . ab c d.
Wenn diefs jedoch auch eine Eigenschaft ist, welche bey Werken der Baukunstüber Tage, in den meisten Fällen den gethanen Forderungen am vollkommensten ent-spricht, und die Annahme dieser krummen Linie empfiehlt, so ist diefs ein ganz and-rer Fall bey der Grubenmauerung.
Die Widerlager sind hier fast stets von möglichster Festigkeit und von beliebigemFlächenraume vorhanden oder herzustellen, der Druck hingegen, wird in äufserst selt-nen Fällen von der Art seyn, dafs sich seine Masse durch jene horizontale Regrenzungs-Linie bestimmen liefse; im Gegentheil wird derselbe fast stets in allen Richtungen aufdas gespannte Gewölbe wirken, und indem man dasselbe nach Maafsgabe des Haupt-druckes construirt, sucht man diesen sammt dem übrigen möglichst gleichförmig aufdas ganze zu vertheilen.
Für diesen Zweck ist die Kreislinie vollkommen entsprechend, und man Wähltdieselbe um so lieber, da die richtige Construction der Gewölbe und ihrer einzelnenTheile nach ihr weit weniger schvvierig ist als nach der Kettenlinie.
Zwar wird sich nehmlich ein auf einen einzelnen Punct des Gewölbes wirkenderDruck nicht mit gleicher Stärke, jedoch nach dem Verhältnisse der Zerlegung der Kräf-te, immer auf die übrigen Steine fortpflanzen und diese, ihrer Keilform halber, nachoben aus dem Gewölbe herauszutreiben streben, Avenn sie nicht durch eine andere, vonoben auf sie drückende Last darin erhalten werden; obgleich nun diesö verschiednenDrückungen in der Ausübung nicht in ein genaues gegenseitiges Verhältnifs gesetztwerden können, so Avird diefs doch durch die gegebne überflüssige GeAVölbstärke, auchetwas durch Cohäsion und Reibung ausgeglichen.
Hierzu kommt noch, dafs man selbst in den Fällen, in welchen das Kettengewöl-be anAAendbar wäre, dasselbe mit vollkommner Sicherheit gegen das Kreisgewölbe ver-tauschen kann, wenn man, Avas ohne Schwierigkeit thunlich ist, dem letzteren eineüberflüssige, und solche Stärke giebt, dafs das Kettengewölbe mit der ihm eigentlichzu gebenden, in das erstere ganz hineinfällt. Taf. II. Fig. 17.
Mit Nutzen Avird dagegen die Kettenlinie bey Mauerung von Brücken, Canälen,Röschen und Wasserleitungen, über und nahe unter Tage, so Avie für diejenige Krüm-mung angewendet, welche man den Tarrasmauern an Teich - und Graben - Dämmen giebt;schon seltner bey Herstellung krummstirniger Scheibenmauer der zAveyten Art in der Grube.
In Bezug auf die Kreislinie ist dagegen zu bemerken, dafs, Avenn man dieselbeohne die angemessene Verstärkung des Getvölbes bey einem Drucke amvenden wollte,für welchen die Kettenlinie ihrer Natur nach völlig geeignet ist, (nehmlich einen sol-chen, der sich oben durch eine Horizontale begrenzen läfst, daher im Scheitel amschAvächsten ist;) man ein solches KreisgeAvölbe im Scheitel sehr beschweren müfste,indem es sonst in diesem, durch den fortgepflanzten bedeutend höheren Druck auf dieübrigen Puncte, leicht gehoben und gesprengt werden dürfte.
§. 30.
Eine dritte Linie ist die Ellipse. Diese kommt bey der eigentlichen Grubenmaue-rung selten anders, als aus verschiednen Kreisbogen zusammengesetzt vor, da man denZAveck: den von mehreren Seiten und in verschiednen Richtungen Avirkenden Druck ab-zuhalten, auf diesem Wege am vollkommensten erreichen kann, indem man eigentlichjeden Kreisbogen, der bekannten Hauptrichtung eines Theiles des Druckes angemessenbestimmt, Avährend dagegen die wirkliche Ellipse keinesweges diejenige krumme LinieIsts Avelcbe diesem ZAvecke entspricht. Nur durch ein Verkennen dieses eigentlichenGrundes der AnAvendung der Ellipse, aufserdem aber auch in Fällen, avo man nur dieForm berücksichtigt, Avie bey Mauerung von Teichröschen u. dergl. über Tage, Avirdzuweilen die eigentliche Ellipse geAvählt, jedoch auch bey letzteren nicht häufig, dadieselbe eine genaue Vorrichtung der Steine schwieriger macht.
Ueber diese verschiednen krummen Linien ist noch zu bemerken, dafs sehr häufig