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Geschichte.
Nro. 3, 5, 6 nach Schüler: Amtlicher Bericht über die Londoner Ausstellungvon 1851; Nro. 10 nach Claudel: Ooinpt. rsncl. 54, 980. Die übrigen An-gaben nach eigenen Analysen.
Mit dem Aufschwünge in technischer Beziehung Hand in Hand ging eineVermehrung der feines Glas producirenden Hütten in Rom zunächst, dann auchim übrigen Italien, als aber hierauf das Reich dem Anstürmen der hereinbrechendenBarbaren erlag, sanken auch die Glashütten dahin, und beschränkten ihre Produc-tion auf die ordinäre Waare des täglichen Gebrauches. An die Stelle Romstritt Byzanz. Hierher zog Constantin I., nachdem er es 330 zu seiner Residenzerhoben, aus dem Westen wie Osten Handwerker und Gewerbtreibende aller Art,so auch Glasmacher, und die vereinten gewerblichen Ueberlieferungen ägyptisch-römischer und phönicischcr Meister erhoben die Glasfabrikation Byzanzs zu einerHöhe, die ihr, nach dem Falle der römischen Concurrenz, den Weltmarkt sicherte.Privilegien spornten die Vertreter des aufblühenden Gewerbes, die Thcodosius I.in der ersten Hälfte des V. Jahrh, von allen Abgaben befreite, und hiermit denGrund zu dem aristokratischen Standesbewußtsein legte, das, bis zum Beginneunseres Jahrhunderts, die von Machthabern aller Art protegirtc und stets wiederprivilcgirte Zunft auszeichnete. Die byzantinische Glasindustrie, in deren Lei-stungen directcr orientalischer Einfluß unverkennbar hervortritt, wußte sich dasgewonnene Ansehen ein halbes Jahrtausend hindurch zu erhalten; noch um dasJahr 900 gehen, in Byzanz producirte, gläserne Prnnkgefäße als Geschenk desKaisers Romanns Secapenus an König Hugo von Italien. Doch den Fall desoströmischcn Reiches vermochte auch sie nicht zu überdauern, ihre Meister wandertenaus, und allmälig mußte sie den hervorragenden Platz, den sie so lange mit Ehrenbesetzt gehalten, einer jüngeren Rivalin überlassen. Als solche tritt die aufblühendeFlüchtlingscolonie Venedig hervor.
Schon früh hatte sich hier, in der Laguncnstadt, neben anderen Gewerbenauch das des Glasmachers häuslich niedergelassen und, zum Theil auf altrömischerTradition ruhend, eine durch manche Verhältnisse begünstigte Fortentwickelung ge-nommen. Wiederholt, so noch im XIII. und XIV. Jahrh., wurden auswärtige Arbeiterherangezogen, von denen die Byzantiner unter anderen Künsten die der Herstellungdes dccorativen Glasmosaiks, für die innere Ausschmückung von Gebäuden, ausihrer Hcimath importirten. Waren nun in solcher Weise keine Mittel gescheutworden, um, so weit es die Glasindustrie betraf, die Kenntnisse und technischenFertigkeiten aller Völker in Venedig, respective Murano, wohin 1289 dieHütten, angeblich wegen der Feuersgefahr, verlegt waren, anzusammeln und zuvereinigen, so war es natürlich, daß die große Zeit des Wiedcrerwachens eines ander Antike geläuterten Kunstsinnes, der zunächst italienischen „Renaissanee", auchauf die künstlerische Entwickelung der dortigen Glasindustrie nicht ohne maß-gebenden Einfluß blieb, und daß sich so eine Glasmacherkunst entwickelte, die, vondem ihren materiellen Werth für den venetianischen Handel erkennenden Staat„wie sein Augapfel geliebt", im XVI. und XVII. Jahrh, ihre größten, noch heu-tigen Tages mustergiltigen Meisterwerke in Form und Farbe schuf.
Sehen wir von dem, wie erwähnt, von Byzanz übernommenen Mosaik, in dem