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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Uhrglasfabrikation.

kugeln von gegen 30 ein Durchmesser, von denen jede das Material »zu gegen3 Gros Uhrgläsern liefert. Ist es auch nicht wohl möglich, Kugeln von dieserGröße, schon da zu ihrer Herstellung mehrere Posten Glas übereinander aufge-nommen werden müssen, so fehlerfrei und rein herzustellen, als die aus einemPosten erblascnen kleineren Ballons, so ist andererseits die Material- wie Arbeits-ersparniß eine sehr bedeutende, es werden, was für die weitere Bearbeitung wich-tig, nahezu ebene Gläser gewonnnen, und ist außerdem die Nachfrage nach Waarezweiter und dritter Qualität so groß, daß der aufgeführte Uebelstand häufiger vor-kommender Fehler Praktisch nicht ins Gewicht fällt. Während die Genfer die aus-geschnittenen Gläser, wie erwähnt, in Hohlformen preßten, benutzten Walter LBerger für die ihrigen erhabene Unterlagen aus feinem gebranntem Thon, vonder der Innenseite des zu fertigenden Glases entsprechenden Form, deren Ober-fläche aufs Sorgfältigste polirt ist. Auf diese legen sie die ausgeschnittenen Gläserin der Weise auf, daß sie die Form um soviel, als erforderlich den herabzukippeu-den Rand zu bilden, überragen. Werden nun Form und Gläser in einer hierzudienenden Muffel, vor deren Oeffnung eine feste Eisenplatte als Arbeitstisch auf-gestellt, langsam angewärmt, so erhitzt das Glas des freistehenden Randes sichrascher als dasjenige, welches auf der Form aufliegt; sobald aber die Erweichungdes Randes eine genügende, wird die Form mit dem Glase aus der Muffelheraus auf die vor letzterer befindliche eiserne Platte gezogen, auf den Rand desGlases ein passender, hölzerner Hohlkegel gesetzt, dieser niedergedrückt und hierdurchder weiche Glasrand herabgedrängt und seitlich an die Form angepreßt.

Der unverkennbare Borzug dieses Verfahrens vor dem der Genfer liegtdarin, daß bei ihm der flache Theil des Uhrgtases weder erweicht, noch dem Druckeines Stempels ausgesetzt zu werden braucht, dieser Theil somit seinen vollenSchmelzglanz behält, und daher, als der Correction durch Schliff und Politurbedürftig, nur der herabgebogene Rand und seine Kaute übrig bleiben. Wiebedeutend die hierdurch ermöglichte Arbeitersparniß, dafür zeugt, daß seit Anwen-dung ihres neuen Fabrikationsverfahrens Walter L Berger den Preis mitt-lerer Waare gegen früher, wo sie, in der Art der Genfer arbeitend, der böhmischenConcurrenz kaum die Spitze zu bieten vermochten, nach Bontemps' Angabe,dessen Ouicktz (tu vsi'i'isr auch das Sachliche über die neue Fabrikationswcise,die er in Götzenbrück kennen lernte, entnommen wurde, um 22 Proc. herabsetzenkonnten.

Röhren-, Perlen- und Stabfabrikation.

Wird das an der Pfeife aufgenommene Glas zu einem Kölbchen ansgeblasen,an den Boden dieses letzteren mittelst einer kleinen Portion flüssigen Glases einHeftcisen befestigt (Fig. 106 a. f. S.) und nun Pfeife und Hesteisen nach entgegen-gesetzter Seite hin gezogen, so streckt sich die Glasblase, nimnit'zunächst eine nach derMitte zu verjüngte Gestalt (Fig. 107) an,und verwandelt sich bei weiteremZiehen"in ein von der Mitte nach beiden Seiten sich erweiterndes Rohr (Fig. 108). Soll