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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Weißhohlglasfabrikation.

Wenn du aber Flaschen mit langem Halse bereiten willst, so mache es so. Wenndn das heiße Glas in Form einer länglichen Blase ausgeblasen hast, so verschließedas Rohr (die Pfeife) mit dem Daumen, auf daß nicht etwa Lust heraustrete, schwingedieses Rohr sammt dem Glase, welches daran hängt, über deinem Kopfe herum,in der Weise, als wolltest du es Wegschleudern. Ist nun der Hals in die Längegezogen, so hebe deine Hand in die Höhe, und lasse das Rohr mit dem Gefäßeherabhängen, damit der Hals nicht'krumm werde. Und so schneide es mit einemfeuchten Holze ab, und gieb es in den Kühlofcn." Nachzutragen wäre bei dieserBeschreibung nur das Flachdrucken des Bodens, durch leichtes Aufstampfen derBlase auf die Marbelplattc, sowie das Umschnüren des Halses mit einem Glasfaden.

Die Weißhohlglasfabrikation (etoUsistsrls Kus).

Trotz der hohen Entwickelungsstufe, die, wie wir gesehen, die antike Glas-industric, manchen Ortes, so vornehmlich in Alexandrien einnahm, scheint wirklichfarbloses Glas, oder ein solches, das nach modernen technischen Begriffen Ansprüchedarauf erheben könnte, für farblos zu gelten, zur Zeit des classischen Alterthumsnicht cxistirt zu haben. Plinius erwähnt zwar ein solches, Ilisl. nah. 36, 192 :anotorss snrck, in Incüa s or^stallo lraota, llsrist, st ol» ici nnUuin ovm-xarni'i Inäiocstst gesehen hat er es aber wohl schwerlich, wenigstens zeigen alleantiken, nicht willkürlich gefärbten Gläser in den dickeren Partien mindestens einenausgesprochen grünen oder braunen Stich, und lassen selbst die in anderer Beziehungmustergiltigen Producte aus der Glanzzeit Murano-Venedigs in dieser Hinsichtfast durchgängig noch recht viel zu wünschen übrig. Erst die böhmischen Hüttenbrachten, begünstigt durch den ihnen zur Verfügung stehenden reinsten Quarz, eindem Bergkrystall in seiner Farblosigkeit nahe kommendes Glas auf den europäischenMarkt, gründeten auf dieses ihre Krystall-Industrie, und bekamen erst in aller-jüngstcr Zeit in den, sich durch gleiche Farblosigkeit, bei höherem Glänze, ihrer Pro-ducte auszeichnenden, englisch-französischen Bleiglashütten gefährliche Rivalen.

Schon zu Zeiten Alexanders des Großen waren gläserne Trinkgeschirre imGebrauche, galten indeß wohl noch für sehr kostbar, da bei Aristop h an es(Acharncr1, 2) die athenischen Legaten, den Luxus an Alexanders Hofe preisend, berichten,sie hätten aus gläsernen und goldenen Bechern getrunken. Wurden nun auch zuPlinius' Zeit in Rom, sowie in Etrurien, Gallien und Hispanicn, zahlreicheGlaswaaren für den täglichen Gebrauch gefertigt, so waren sie doch meist grünlichund schlecht gekühlt, und ertrugen nur die ägyptischen das Eingicßen warmerFlüssigkeiten ohne zu springen st. Bei dem rapiden Aufschwünge, den die römischeGlasindustrie schon in der ersten Kaiserzeit nahm, scheint indeß auch der letzterwähnte

st Hamberger lOoinraßntat. soo. rsA. OöttinA. 4 f1754s, 133) bezweifelt, daßaus Indien überhaupt Gtas ausgeführt worden, da im 1'srixlus maris Lr-Mirasi nurvon einer Glascinfuhr nach Indien die Rede. st Martial 14, 74: dtcwtra nsvaräsntä Asrnma (ägyptisches Glas) tsnäitur ulpna.