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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Geschichte.

indeß ebenfalls Großes geleistet wurde, ab, so behandelt Murano sein Glas durch-gehend als weiche bildsame Masse und bildet seine Formen in diesemeigentlichenGlasstyl" ausschließlich vor der Pfeife und mit der Pincette. Weich und gerundet sinddaher in den Werken der Blüthezeit alle Linien, der biegsame Faden das Haupt-mittel der Ornamentation, das sogenannteFiligranglas" und die Perle specifischvenetianische Producte. Der gewöhnlichen Annahme nach gehörte auch die Aus-bildung der Spiegclfabrikation unter.die wesentlichsten Leistungen der Muranesen,dem widersprechen indeß neuere auf Documente gestützte Angaben, und steht fest,daß noch 1507 in Venedig mit Neid anerkannt wurde, daß ein deutsches und einflandrisches Haus alle Welt mit Spiegeln versorge. Schon 1760 berichtet dannder um die Entwickelung der französischen Glasindustrie hochverdiente Bosc d'Anticwieder, die venetianischen Spiegel seien die schlechtesten in Europa.

Welche geschäftliche Bedeutung die Glasindustrie zur Zeit ihrer Blüthe fürVenedig hatte, geht schon daraus hervor, daß die dortigen Hütten an 8000 Menschenregelmäßig beschäftigten. Aus dieser Bedeutung erklärt sich dann auch dieLiebe",mit der der große Rath die Hütten und ihre Meister pflegte, und mit der er 1490die Oberaufsicht über die Hütten in Murano dem Präsidenten des Rathes der X.übertrug, eine Oberaufsicht, die, nach einer Erklärung von 1547, namentlich daraufgerichtet war, daß die Geheimnisse der Kunst nicht in die Fremde hinausgelangten.Das Absperrungssystem wurde mit größter Schärfe gehandhabt. Vcrmögenscon-siscatiou und Gefangenschaft drohten demjenigen, der durch Auswanderung oderVerrath von Kunstgeheiumissenden Staat schädigte", ja die Staatsinquisitiondrohte, dem Flüchtlinge gedungene Mörder nachzusenden, und führte solche Drohunggelegentlich aus. Noch 1762, zu einer Zeit, in der es um die venetianische«Glasindustrie so traurig stand, daß es, nach Bosc, in Murano nur noch Einengab, der guten Krystall lieferte, wurden die alten Strafbestimmungen sogar insxtsnso wieder erneuert.

Auf die Blüthe im XVI. und XVII. Jahrh, folgte rascher Verfall, ausdem sich die venetianischen Hütten erst in neuester Zeit, namentlich durch vr. Sal-viati angeregt, wieder kräftig zu erheben begannen.

Bei dem Verfalle, in dem wir die außervenetianische italienische Glasindustrieum die in Rede stehende Zeit sahen, und der Geheimthucrei der Muranesen, istes nicht zu verwundern, daß die Italien entstammende Glasliteratur dieser Zeitenvon technisch Interessantem nur wenig bietet, so die betreffenden Partien desunter dem Autornamen des HGmclius bekannten Werkchensvs oolorillns st-u-tibns Loinnnornm" (I. und II. Buch aus dem X. Jahrh., III. Buch jüngereCompilation aus verschiedenen Autoren) und der äisoorso 64 in Thom. Gar-zoni's?in32a nnivsrssls äi tntts 1s pmolsssioni äöl Nnnllo (1587)."Größeres Interesse schon nimmt die Receptsammlung der 7 Bücher des AntoniusNcri aus Florenz (1612), später von Kunckel bearbeitet, für sich in Anspruch.

Sclbstständig neben den zuletzt erwähnten, in Formgebung und Ornamen-tationsweise von den byzantinischen und venetianischen Hütten abweichend, bestand,wenigstens bereits im frühen Mittelalter, auf deutschem Boden eine recht ent-wickelte Glasindustrie. Die Glasmalerei, eine deutsche Erfindung, und in ihremVaterlande mit besonderer Vorliebe zur Ausschmückung von Hohlgcfäßen wie von