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Geschichte.
Fensterscheiben in Kirchen und öffentlichen Gebäuden benutzt, wird erst von Deutsch-land her nach Italien (so 1389 nach Rom) importirt.
Die deutsche Glasindustrie, namentlich im Süden und Westen des Reichesansässig, concurrirte schon frühzeitig mit dem Auslande, ja wir finden sie sogarauf dem vcnetianischen Markte. Das deutsche Glas, mittelst Pflanzenasche ge-schmolzen (am beliebtesten war die Buchcnasche), war meist grünlich, wenn esaber in dieser Beziehung dem venetianischcn nachstand, so übertraf es das letzterean Härte und Widerstandsfähigkeit gegen atmosphärische Einflüsse, wie solchesvon Schriftstellern jener Zeit besonders hervorgehoben wird. Wurde, wie erwähnt,auch Fensterglas producirt, so war seine Verwendung doch sehr beschränkt, undnoch zu Luther'sZeit wird es besonders hervorgehoben, daß sich in seinem Zimmer-auf der Wartburg gläserne Fensterscheiben befunden hätten. Das deutsche Hohl-glas ermangelt der schwunghaften Formen der Venetianer, selbst Prunkgefäße, wiedie colossalen „Willkommen", zeigen die glatten cylindrischen Formen der „Weiß-bierstange" , oder, auf formal wenig entwickeltem Fuße, einen mit der Spitze nachunten gekehrten abgestumpften Kegel, vielleicht, da derartige Formen für die beliebteBemalung die geeignetste Bildfläche boten. Neben der Tafel- und Hohlglas-fabrikation, die indeß noch nicht getrennte Gewerbszweige bildeten, war in Deutsch-land auch die Anfertigung falscher Steine und gläserner Ringe, als Schmuck fürdas Volk, wie es scheint, sehr verbreitet. Ein fernerer Zweig der deutschen Glas-industrie war die Spiegelfabrikation. Schon im XII. und XIII. Jahrh, findenwir in Deutschland kleiner Glasspicgcl, die aus in der Art der Markasitperleninwendig mit einer Metallcomposition überzogenen Hohlkugeln geschnitten, alsToilettenstücke am Halse, wie am Gurte, getragen wurden, Erwähnung gethan,und wie diese, so sind, allem Anscheine nach, auch die größeren, zuerst mit Blei-,später (XIV. Jahrh.) mit Zinnamalgam belegten Spiegel eine deutsche Erfindung;wenigstens glaubte man in Venedig noch 1317 einem deutschen Schwindler, daßer das den Muranesen damals unbekannte Geheimniß der Spicgelfabrikation kenne.
Literarische Angaben sind in Deutschland nun schon mehr vorhanden. Zu-nächst wäre hier das Werk eines deutschen Mönches, des Theophilus: „vivor-sarum artinm sellsäulas" aus ^dem XI. oder XII. Jahrh, zu erwähnen. Inder die Glasfabrikation behandelnden Partie desselben giebt er zunächst eine rechtunklare Beschreibung des Glasofens, bespricht die Fabrikationsweise des Tafel-glases, sowie einiger Artikel der Hohlglasfabrikation, und die Herstellung vonPerlen und Ringen, und giebt dann Vorschriften zu farbigem Glase, gelegentlichauch nur den Rath, farbige Scherben umzuschmelzen.
Interessantere und sachkundigere zeitgenössische Mittheilungen enthält das1530 erschienene Werk Georg Agricola's: „Vs rs mstallivu", in dem sich unterAnderem auch die erste Innenansicht einer Hütte mit Ofen und Utensilien befindet,und das durch die XV. Predigt in der 1564 erschienenen „Sarepta oder Berg-postill" des Mathesius ergänzt wird. In beiden Werken haben wir es mit denBerichten wohlunterrichteter Augenzeugen zu thun, die aufmerksam beobachten undklar schildern. Von ihnen hat sich Agricola zwei Jahre in Venedig aufgehaltenund die Hütten in Murano besucht, er wie Mathesius kennen die deutsch-böhmischeFabrikationswcise sx Innclamsnto.