50 Schmelzmaterialien. Kalksalze. Baryt.
Alkalien leicht löst. So benutzen dann auch neuere ordinäres Glas producirendeHütten, angeblich aber auch manche englische Spicgelgießereien, den Kalkstein innußgroßen Stücken, die von der schmelzenden Soda, ehe die Wechselwirkung zwischenihr und dem Sand eintritt, völlig gelöst werden sollen.
Außer dem kohlensauren Kalksalze wäre hier noch der phosphorsaureKalk, der in Form von gebrannten Knochen mit circa 60 bis 70 Proc. phos-phorsaurcm Kalk oder von Bakerguano, mit circa 80 Proc. Phosphat, demGlasgemcnge zugesetzt wird, um dasselbe milchweiß zu färben, zu nennen.
Auf eine angeblich flußbefördcrndc Verbindung des Kalks, das Fluorcalcium,das sich als Flußspath in der Natur findet, und, wie erwähnt, bei der Verar-beitung des Kryoliths auf Soda als Nebenproduct gewonnen wird, hatte schongegen Ende des vorigen Jahrhunderts Bosc d'Antic hingewiesen. Neuerdingshat Richters gelegentlich Schmelzversuche mit ihm gemachtH, und fand beidenselben, daß er bei Anwendung von Flußspath an Stelle des Kalkes, in einemmit Alkalisalz (Sulphat) übersetzten Grünglasgcmenge, bedeutende QuantitätenAlkali sparen konnte. Die Thatsache ist unbestreitbar, erklärt sich aber auch sehreinfach. Beim Zusammenschmelzen von Kieselsäure oder Silicaten mit Fluorierentritt, wie ich das für Kryolithgemenge nachgewiesen^), eine Zersetzung nach derGleichung 81l)2 2Rill — Lilll? -s- 2LO ein, d. h. zwei Aequivälente
Fluorier entführen dem Gemenge ein Aequivalcnt Kieselsäure. Es kommt somitein Ersetzen des Kalkes durch Flußspath in seiner Wirkung einer Herabsetzungdes Sandgehaltcs des Gemenges gleich.
Da außerdem der Flußspath anerkanntermaßen die Schmelzhäfcn starkangreift, ist er nicht zu empfehlen, wohl aber im Allgemeinen vor ihm zuwarnen.
Die erste bekannt gewordene Anwendung des Baryts in der Glasfabrikationist eine zufällige, oder, richtiger gesagt, beruht auf einer Verwechselung. NachPLlouze und Baudrimont verschmolzen, in den zwanziger Jahren unseresJahrhunderts, zwei Hütten in der Nähe von Valenciennes Schwerspath, ihn fürKalkspath haltend, auf Grünglas ^). Der Baryt kommt in Form des kohlen-sauren Salzes, als Witherit, namentlich in den im Bergkalk und Steinkohlen-gcbirge aufsetzenden Blcierzgängen Englands, häufig, sonst ziemlich selten in grö-ßerer Menge vor. Weit verbreiteter, sa recht häufig, ist das schwefelsaure Salz,der Schwerspath. Außer diesen beiden Mineralien, in gemahlenem Zustande,finden sich sowohl das kohlensaure als das schwefelsaure Salz in der Form einesfeinen präcipitirten Pulvers, als Producte chemischer Fabriken, im Handel. ZurVerwendung für Weißglas ist der gemahlene Witherit wohl durchgängig nichtrein genug, der gemahlene Schwerspath dagegen oft ebenso cisenfrei wie daskünstlich hergestellte Sulphat. Als erweichender und gleichzeitig das specifischeGewicht und den Glanz des Glases erhöhender Zuschlag, Eigenschaften des Baryts,auf die bereits Döbereiner 1829 aufmerksam gemacht^), haben Carbonat wie
D-ngler's Jour». 1869. 191 , 301. 2 ) Dingler's Journ. 192 , 239.
b) Erdmann's Journ. 17, 262, nach ckcnrrn. cl. olliin. rnscl. 1830, Nai.Poggendorff's Ami. 18, 242.